In zahlreichen Geschäften, Verwaltungen, Spitälern, Banken, Versicherungen arbeiten ehemalige Schülerinnen und Schüler von mir. Die meisten von ihnen sind nicht in der Schweiz geboren und hatten beim Schuleintritt nur dreivier Wörter Deutsch zur Verfügung: Arschlog, Mongu, Haudschnure. Aus allen, die über die Jahre regelmässig zum Lernen kamen, ist etwas geworden. Sie verkaufen Kleider und Schuhe von günstig bis Gucci, Ferragamo & Co, pflegen Kranke und Räume, lackieren Autos und Nägel, verlegen Kabel und Platten, montieren Förderbänder oder Lifte, streichen Wohnungen, führen Restaurants, beraten in Banken. Umi kümmert sich bei einem grossen Versicherungsunternehmen um die Probleme der italienischen und spanischen Bauarbeiter. (Seine Diss. hat er über Kafka geschrieben). Beim Orangen Riesen im Quartiers macht Miz die Durchsagen für die laufenden Aktionen – in bestem Berndeutsch mit albanischem Akzent. Martin, der Schiffsnarr, ist Kapitän auf einem unserer Seen geworden.
Vor einiger Zeit stiess ich im Bibliothekskatalog auf eine Doktorarbeit über Kieferorthopädie. Wie wenns gestern gewesen wäre, erinnerte ich mich an ein Telefongespräch mit dem Vater eines Schülers. Er beklagte sich freundlich darüber, dass sein Sohn gern in meine Stunde käme. Das könne doch nur bedeuten, dass der bequemer Sprössling bei mir machen könne, was er wolle. Der sei nämlich sehr geschickt darin, Lehrpersonen abzulenken und mit seinen unnützen Ideen zu bequatschen. Es müsse mir klar sein, dass aus ihm so nichts werde. Sohn Paul setzte sich durch und blieb, denn er hatte mir noch lange nicht alles über die Schwarzen Löcher erzählt.
Und aus ihm ist doch etwas geworden. Ich schrieb gleich ein Mail ins Institut und gratulierte ihm zum Doktor. Umgehend winkte er bescheiden ab, das sei nicht seine erste Hochschularbeit. Er habe auch in den USA und in Deutschland studiert. Er freue sich sehr darauf, mir bald seine Frau und die beiden Töchter vorzustellen.