Totalsanierung


Um ein Engelshaar wäre der Stern von Bethlehem …

Stern 1

… in diesem Advent nicht mehr aufgegangen.

Stern 2

An der neuen Fassade könne keine Aufhängevorrichtung dafür befestigt werden, beschlossen die Architekten – natürlich sind sie Auswärtige mit Einfamilienhäusern in der Agglomeration.

Stern 3

Der Hausmeister liess nicht locker. Bethlehem ohne Stern, das durfte nicht sein. Die zuständigen Bauherren versprachen – hier würde schlussendlich passen – sich etwas zu überlegen.
Vor einigen Tagen, bei kalttrockenem Wetter richtete der Hausmeister zusammen mit Nachbarn den Stern an der neuen Metallschiene auf.

Aufrichten

(Fotos in diesem Beitrag: R. Stutz, 26./27.11.2015)

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auspacken

(Foto 2nd2nd, female: Unsere Block wird nach und nach wieder ausgepackt. 17.09.15, 07:33)

Man erwacht von einem leisen Klopfen – es Chlöpferle – welches über die Hauswand empor hüpft. Direkt hinein schlüpft es einem ins halbwache Ohr. Man schmeisst die Bettdecke an die Wand, verriegelt das Fenster, zieht die Voränge zu, taumelt ins Bad, stülpt sich die Ohrenschützer über, gerade noch rechtzeitig, bevor ein infernalischer Lärm schutzlose Menschen und Tiere zusammenfahren lässt. Der grosse Zeiger meiner Wanduhr überspringt vor Schreck 13 Minuten. Heute fressen sich wieder einmal Kernbohrer durch den Beton. Die Balkonbrüstungen werden durch ein Geländer erhöht: acht Löcher pro Balkon (300 X 8). In den unteren Stockwerken montieren die Schreiner die neuen Fenster. Das gibt ein dumpfes, hohles Bohren, weniger hämmernd, dafür anhaltend. Die Elektriker montieren die Brandmelder: ein hohes Sirren bis ins Gehirn. Über, neben und unter meinen Fenstern werden seit Wochen Aluhalterungen für die Isolierplatten angebracht. Ein scharfes Raspeln, das sich keinen Deut um Ohrenschützer kümmert.

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A dr Westwang vom Block isch es ruehig, drum hani d’Hälfti vo mim verstoubete Balkon gfägt u ghoffet, i chönni d’Wösch a dr gsiblete Sunne tröchne. I ha alles schön ufghänkt u wott us Übermuet vo so vil Rueh grad e Vierzger obtue, wo ni vo dusse es churzes Pfiffe dür Zäng ghöre. Zwe Bouarbeiter mit ere schildchrottähnleche Maschine chlättere über d’Balkonbrüschtig. „Isch das öie Ärnscht?“ frage-n-i. „Müesse schliiffe Bode, sorry. Si mer doch sächzähnte Stock, oder?“ Dr eint hilft mir, dr Wöschständer i d’Stube z’trage. Itz schliift dr anger dr Bode uf de Chnöi ab. Dr Schliifstoub wird vomene Stoubsuger, wo uf em Grüscht steit, ufgsugt. Töne tuets wie weme amene Riis würd i de Zäng bohre.
Weni dra dänke, das im Block no mindeschtens 300 Balkön müesse usgschliiffe wärde – mine wird der „Muschterbalkon“, wo me d’Farb usprobiert – mues i die Schliifer nume bewundere.

Gegen den Kernbohrer einige Stockwerke unter mir kommt der Elektriker mit seinem feinen Werkzeug – hohes Sirren jagt einem durch die Zähne – nicht an. Ein Schwall Schmutzwasser stürzt durchs offene Abflussrohr auf meinen Balkon, begleitet von einem ohrenbetäubenden Rollen und Brausen: der Kaercher-Panzertrupp arbeitet sich die Fassade herunter.

K1 K2
K3 K4
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K7 K8
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Zum Kern

Die Frau mit (Ohrenstöpseln) steht hinter dem Küchenfenster und schaut zu, wie der Mann (ohrenstöpselfrei?) mit der Kernbohrkalaschnikow die Betonwand attakiert.
(Um die Isolationsplatten zu befestigen, braucht es über tausend solcher Angriffe. Der ganze Block ist verlöchert.)
Die Mauern erzittern.
„Ds Zyt“ (die Wanduhr) zwischen den Bücherregalen stolpert dabei über die einige Zahnrädchen und geht inzwischen 25 Minuten vor.

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Bretter

Blick aus dem Schlafzimmerfenster um 07:23

Wer sich bis jetzt gegen Bretter vor dem Kopf gewehrt hat, muss spätestens heute klein beigeben: der ganze Block ist rundum eingerüstet bis hinauf zum 20. Stockwerk. Vier Wochen lang arbeiteten sich Gerüstebauer die Fassaden hoch, schraubten, bohrten, legten Bretter, balancierten mit Eisenstangen immer höher über der Erde – zwar nicht ganz so hoch wie ihre Berufskollegen vor 85 Jahren, aber auch total schwindelfrei.
Noch fehlt das Schutznetz, welches nächstens vor die ganze prächtige Aussicht gehängt werden wird.
Vor einigen Jahren hatte man angefangen, die Hochhäuser hier in Berns Westen zu sanieren. Bei einigen „Objekten“ war man sich sicher, dass ein Abriss kostengünstiger wäre, wäre da nicht der Denkmalschutz.
Nun ist auch unser Block aus den Siebzigern dran: Fassade und Fenster werden erneuert. Im Oktober soll alles fertig sein.
Wir wollen nicht jammern, haben wir doch noch den Wald, den Garten und das Schwimmbad.

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„Ha, wir Fossilien aus Bern West, uns gibts es noch!“ lachen die Nachbarinnen aus meinem früheren Block. In einem Grüppchen sammeln sie sich um mich, freuen sich und versperren mit ihrem Rollator den Durchgang zum Laden. Seitdem ein paar Meter Luftlinie weiter weg westsidlich eingekauft werden kann, hat sich die Orange-Riese-Filiale im Quartier gewandelt. Unser ehemaliges „vergrössertes Wohnzimmer“ ist orientalisch geworden, vom Publikum als auch von der Ordnung her. Schweizer Kundinnen und Kunden sieht man nicht mehr viele. Ausser Frau Moosberg sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu. Deshalb freue ich mich, Bekannte zu treffen. Alt sind sie geworden, die Frauen. Denken sie das auch von mir? Wahrscheinlich. Wir reden ein bisschen von früher, vor der Totalsanierung, als alle noch in ihren Wohnungen wohnten. Schön war das. Man kannte den Gasherd und den Backofen und musste weder Parkett noch Keramikplatten vor Schaden bewahren. Frau Z. wollte den neuen Glaskeramikherd nach der Totalsanierung gar nicht in Gebrauch nehmen, lebte wochenlang von Birchermüesli, bis sie die Idee hatte, sich ein Rechaud zu kaufen. Ihre Jungen verhinderten diese Anschaffung. Zögerlich, aber jeden Tag mutiger, wird nun gekocht und sogar gebacken. Der Geschirrspüler allerdings wird nicht benutzt. Frau W. hat immer noch Mühe mit den Knöpfen im Badezimmer. Noch lässt sie sich von den Nachbarinnen nicht überzeugen, die neue Badewanne mit der Mischarmatur zu benutzen. Es Beckeli tuet’s auch. So reden wir hin und her, bis wir „Fossilien“ nicht mehr stehen mögen.
„Das hat jetzt gut getan. Adieu, auf ein anderes Mal.“

Hassan will sich selbständig machen und ins asiatische Take-away-Geschäft einsteigen. Ein Lokal dafür hat er bereits gemietet. Für die Mitarbeitenden ist ein Klo mit Lavabo vorgeschrieben. Wäre vielleicht bei einer Haussanierung etwas Brauchbares zu finden? Hassan fragt seinen Freund, den Hausmeister. Dieser kennt einen Bauarbeiter, welcher im Moment verantwortlich ist für das Herausreissen der sanitären Anlagen in einem Block. Sobald das Gesuchte in gutem Zustand auftauchen sollte, werde der Mann vom Bau sich melden. Der versprochene Anruf kommt. Die beiden Freunde machen sich auf zum Bauplatz. Hassan hat Höhenangst und mag nicht in den Baulift steigen. So fährt der Hausmeister an der Aussenwand hoch und wird vom Arbeiter in die Dachwohnung im 13. Stock geführt. Trennwände, Küche und Decken sind bereits rausgerissen. Kloschüssel und Lavabo kann der Hausmeister mitnehmen.
Bevor er die Wohnung verlässt, filmt er sie mit seinem Handy.
„I ha fasch müesse gränne,“ erzählt er mir später.

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In der Familien gibt es kleine Geschichten, welche durch Generationen immer wieder erzählt werden. Hier eine, an welche ich in der vergangenen Woche oft gedacht habe.
Meine Mutter war eine kämpferische Frau. Das machte sie bei vielen nicht besonders beliebt. An ihrem Grab standen diejenigen, für welche sie sich ständig „in die Nesseln gesetzt“ hatte. Als sie dem Verpächter auf die Schliche kam, dass dieser im Vertrag die Fläche des Pachtlandes nach oben „korrigiert“ und den Zins jahrelang dafür eingestrichen hatte, sagte sie „Lugihung“ zu ihm. Dummerweise war auch der Notar zugegen, welcher die Beschimpfung bezeugen musste. Meine Mutter erhielt eine Busse von 100 Franken. Das war zur damaligen Zeit ein Vermögen, und sie hätte das Geld „anderweitig“ gebraucht. „Das reut mich nicht, ich habe es diesem Lugihung gerne bezahlt“, sagte sie bis ins hohe Alter und freute sich jedes Mal köstlich in der Erinnerung an das Gesicht des Beleidigten.
Diese Geschichte und noch einige mehr haben mich geprägt. „Lugihung“ sage ich kaum noch. Meine letzte ausgeteilte „Beschimpfung“ liegt 17 Monate zurück und kam aus der Pflanzenwelt. Ich habe jemanden „junge Trübu“ genannt. Das war gar nicht gut! Meine ganze Familie wird dafür bestraft, indem wir bei einer Hausverwaltung keine Wohnung mehr bekommen und auf der „Schwarzen Liste“ stehen. Ups … Entsch …
Mit diesem Bericht schliesse ich die Kategorie „Totalsanierung“ ab.

Unser Ladenzentrum wurde rundum erneuert, aber die Mieterschaft lässt auf sich warten. Deshalb macht die Hausverwaltung bei allen Mietern eine schriftliche Umfrage, welche Geschäfte wir uns hier wünschten und welche wir regelmässig besuchen würden. Wir überlegen, debattieren, wägen ab.

Den „Optiker“ , den „Schuhmacher“ sowie den „Bücherladen“ könnten wir zwar gut gebrauchen, müssten aber dafür unsere angestammten Dienstleister für Schuh-, Seh- und Geisteswerk verlassen, was für genetisch veranlagt treue Kundschaft wie uns schwer vorstellbar ist.

„Drogerie“, „Reform“, „Teppichgeschäft“, „Kosmetik“, „Schüsselservice“, „Möbelgeschäft“, „Blumenladen“, „Computerladen“ und „CD- und Video-Shop“ weniger. Hingegen könnte dieser oder jener aus unserer Kleinstfamilie den „Sportartikeln“, der „Metzgerei“, dem „Brockenhaus“, dem „Fitness“ und der „Unterhaltungselektronik“ etwas abgewinnen. Auf den „Kiosk“ verzichten wir aus Gründen der Volksgesundheit.

Auf dem Formular gibt es vier Zeilen für eigene Vorschläge und hier überstürzen sich die Ideen: Ein kleines Ricardo-Bordell, wo jeder nach Belieben und Möglichkeit und Wirtschaftslage anbieten und kaufen könnte. Eine weitere Stelle für die kontrollierte Heroinabgabe, die Publikum aus dem ganzen Einzugsgebiet der Stadt ins Quartier bringen würde. Auch der Jagdbedarf und Bootsbau wird ja von der Innenstadt und den Shoppingzentren enorm vernachlässigt und könnte hier neu erblühen.

Wir einigen uns auf die Empfehlung für ein Geschäft, das Publikum von Auswärts anlockt, schliesslich geht es um Aufwertung und darum, der Ghettoisierung entgegen zu wirken. Wir schreiben „Pferde- und Reiterutensilien“ und „Tattoostudio“. 3rd, male besteht zusätzlich auf „Bowling- oder Billardcenter“.

Heute habe ich mich aufgerafft, einmal beim Block, wo die Sanierung begonnen hat, vorbeizugehen. Es sind drei gleiche Blöcke, die das Quartier ausmachen, in welchem ich seit Kleinkinderzeit wohne, ich habe schon in jedem gelebt und kenne sie weissgott wie meine Hosentasche.

Ich kann mich aber nicht erinnern, dass einmal Wohnungen frei waren. Vielleicht höchstens ein, zwei Monate, weil man eine Weile brauchte, um Schweizer als Nachmieter zu finden. (Wenn Leute schweizerischer Nationalität ausziehen, wird i.d.R. darauf geachtet, diese Wohnungen wieder Leuten schweizerischer Nationalität zu geben, denn wir sind integrativ manchmal etwas am Limit hier.)

In dem Sanierungsblock gibt es total 275 Wohnungen. Und ich habe heute 25 abmontierte Klingelschilder gezählt. Nicht nur die Attika von 1st, sondern auch die 3.5-Zimmerwohnung, die ich mit 2nd, male und 3rd fünf Jahre bewohnt habe, steht leer.

Wäre es möglich, dass die oft zitierte Einschätzung der Verwaltung und anderer Aufwertungs-Prediger, die Leute blieben dann schon, weil sie „nichts Billigeres und Besseres“ finden, falsch war?

Nun hoffen wir auf den grossen Zuzug nach der Sanierung. Denn Leerwohnungen sind nicht gerade das, was ich unter Aufwertung verstehe.

Schirennen 1970
(Quartier-Fotoarchiv)

… die Bäume jung und Marlboro noch unschuldig waren.

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Bereits ab dem 5. Januar sollen diese beginnen. Eigentlich wird seit vielen Jahren in meiner Umgebung gerodet. Es ist nicht sicher, dass die Rebe die kommenden drei Jahre überlebt. Einigen der Bauherren scheint sie ohnehin ein Ast im Auge zu sein, obwohl sie Vogelnester beherbergt und den Menschen mit den Wohnungen direkt am Hochkamin den Ausblick verschönert. Er war nur die fehlende vierzig Meter hohe Leiter, welche die Kletterpflanze vor dem Abriss rettete. In Kürze wird ein Kran aufgestellt …
Nach den Rodungen wird in den meisten Fällen sauber geteert und betoniert, was nicht immer auf den ersten Anhieb klappt, wie es die diversen Flickarbeiten an neuen Stufen, neuen Plätzen, neuen Wasserabläufen, neuen Bänken zeigen.
Auch an diesem Gebilde „WederBrückenochDach“ wird immer noch gewerkelt. Die Fahrer, welche die Baumaterialien dafür liefern „lachten sich darüber einen Schranz“, wie mir einer selber erzählte.
Im Gegensatz zu mir glauben meine Kinder nicht, dass sich Meister Le Corbusier ob all der neuen Hässlichkeit in seinem Grabe umdreht.
„Sind das Ahorne?“ frage ich die Gärtner, welche zwischen zwei Strassen einige Bäume anpflanzen. „Nein, das hier ist ein Liriodendron tulipifera“, kommt es dem einen federleicht über die Lippen, „ein Tulpenbaum“.
He nu, da sind wir wenigstens auch in den Bäumen multikulti.

Es ist nicht anzunehmen, dass das Schriftchen in den vergangenen 130 Jahren oft gelesen wurde. Auch bezweifle ich, dass es in den nächsten hundert Jahren mehr Beachtung finden wird. So gesehen, könnte man es wegwerfen. Mein Auftrag ist zum Glück ein anderer. Ich habe es mit dem Pinsel entstaubt, ihm die umgebogenen Ecken glatt gestrichen, es katalogisiert und in einen säurefreien Umschlag gesteckt, nicht, ohne vorher einen Blick auf ein Stück Berner Sozialgeschichte zu werfen:

Im Laufe des Jahres 1876 hatten, in Folge der Liquidation der 2 Bankgesellschaften für Arbeiterwohnungen in der Länggass und Lorraine, die Mietzinse für derartige Wohnungen, besonders in diesen Quartieren, einen ganz unerhörten Preis erreicht.
In der Länggasse war mit einem Schlage der Miethzins für zwei Zimmer mit Küche von Fr. 300 auf Fr. 400 erhöht worden und in der Lorraine wurde für 1 Zimmer mit Küche Fr. 300 bis 320 jährlich gefordert und zwar vielfach für Lokale wie sie gesundheitsschädlicher nicht wohl gedacht werden können.

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… der Stadt, der Zeitung und der Woche:

Stadt soll Mietern helfen
[… ]Die Totalsanierung von Block A […] wird zum Thema im Stadtrat: Das Grüne Bündnis (GB) fordert den Gemeinderat in einem Vorstoss auf, sich bei der Genossenschaft Fambau für eine möglichst kostengünstige Sanierung einzusetzen. Die Stadt Bern ist an der Fambau mit einer kleinen Anzahl Anteilscheine beteiligt.

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Frau F. ist in den letzten Monaten sehr gealtert. Trotz ihrer Schmerzen macht sie noch jeden Tag mit kleinen vorsichtigen Schrittchen ein Spaziergängli am Rollator. Falls die Krankenkasse endlich einlenkt, will sie nach Nottu, wo man ihr die alten unnütz gewordenen Medikamente entzieht und sie auf neue einstellt. Erst nachher kann sie sich Sorgen machen, was mit ihr geschieht, wenn man die Wohnung „aushöhlt“. Sie ist ganz verzweifelt darüber, dass so viele Alteingesessene dem Quartier den Rücken kehren. Sie fühlt sich allein gelassen. Seit gestern sei der Schuss draussen, dass die Caritas die leer gewordenen Wohnungen zum vollen Preis miete und während der Totalsanierung darin Asylbewerber unterbringe. Denen mache Lärm, Schmutz, fehlende Heizung und Strom nichts aus. Sie, Frau F. frage sich nur, wie man dann die Leute wieder aus den Wohnungen hinaus bringe. Einfach so auf den Parkplatz stellen könne man die „Asylanten“ ja wohl nicht.
Herr M. gesellt sich zu uns. Er seinerseits frage sich, was passieren könne, falls es mit den Banken so weiter gehe und viele, die ihr Geld hier anlegten, dieses abheben? Er habe vorsichtshalber seines schon weggenommen. Man könne nie wissen in diesen unsicheren Zeiten, plötzlich sei „die Hütte ausgehöhlt“ und kein Geld mehr da für Parkett und Glaskeramik.
In diesem Fall hätte man dann wenigstens die Asylbewerber.

In der Kündigungs-Bestätigung der Verwaltung mit dem freundlichen Namen steht:

„Der Termin für die Wohnungsabgabe ist mit uns rechtzeitig zu vereinbaren. Auf diesen Zeitpunkt hin sind sämtliche Mietobjekte gemäss den Bedingungen des Mietvertrages instand zu stellen. Wir werden uns vorgängig bei Ihnen melden um abzuklären, ob nach Ihrem Auszug allfällige Renovationen gemacht werden müssen.“

In wenigen Monaten werden die Wohnungen rausgerissen, vorher müssen sie instand gestellt und renoviert werden. Alles muss blitzblank sein, wenn die Betonbeisser, Fugenschneider, Steinzangen und Abbauhämmer auffahren. Die Badewannen, Lavabos und die Wasserhahnen werden nur poliert in die Mulde gekippt. Auch die WC-Spülkästen sind, laut Beiblatt, zu entkalken. Der Mieter haftet u.a. für fleckenlosen Kochherd und aussen wie innen geputzte Doppelglasscheiben.

Dass der abgängige Mieter bei dem „mit ihnen“ rechtzeitig vereinbarten Termin sauber gekämmt sein wird, versteht sich von selbst.

und Besucher

Schön, Sie alle hier zu haben. Wohl aufgrund dieses Artikels im heutigen Bund, der blogk als „Plattform für Gäbelbachbewohner“ zitiert.

Das ist jedoch einfach ein Weblog einer Familie, die im Gäbelbach aber auch in anderen Blöcken von Bern-Bethlehem wohnt. Es geht hier ganz allgemein um Freuden und Leiden im Alltag und ab und zu um eine Prise Gesellschaftskritik. Die Beiträge, die sich mit der Sanierung des entsprechenden Gäbelbachblocks befassen, finden sich in der Rubrik „Totalsanierung“.

Wenn wir gerade beim Thema sind: Schön für die Verwaltung, dass die Nebenkosten im Artikel nicht vorkamen. „Inklusive“ sehen die heutigen Mietzinse nämlich anders aus. Wir haben uns damit abgefunden, weil mehr Heizung bei zunehmendem Durchzug eine gewisse Logik hat. Dass die Nebenkosten gemäss Dokumentation der Verwaltung nach der Sanierung gleich bleiben, erstaunt keinen mehr.

Ich gebe es zu: In diesem Blog wird der Eindruck vermittelt, dass im neuen Stadtteil nicht alles was glänze Gold sei. Gerne lasse ich hier auch einen der zahlreichen Festredner sprechen, welcher mit seinen ergreifenden Worten ein bisschen Sonnenschein in einen strömenden Regentag zauberte.

Herr Thomas Balmer, Präsident Baugenossenschaft Brünnen-Eichholz hat das Wort:

„Brünnen, das ist mehr als eine Überbauung – Brünnen ist ein Gefühl, eine Vision, die sich heute umsetzt. (…) Eine Siedlung braucht eine Seele, damit es den Menschen nicht als Schlafstätte sondern als Lebensraum, als Daheim, dient. Diese Seele soll sich entwickeln, damit Brünnen lebt. Wir hoffen, dass unsere Bemühungen, unser sorgfältiges Planen und unser Streben, Brünnen zu etwas Besonderem zu machen, diesen Funken zünden lässt und sich eine Überbauung entwickelt, deren Bewohner mit Stolz sagen: „Ich bin ein Berliner“ „Ich wohne in Brünnen!“

(Aus: Wulchechratzer, Jg. 46, Nr. 9, 18 Sept. 2008)

Aha-Erlebnis meinerseits:
Nun weiss ich endlich, weshalb die Schlaf-Zimmer in den neuen Häusern so eng sind. „Es“ soll nicht als Schlafstätte dienen und ich hoffe für alle Seelen, dass sie sich nur dem Platz entsprechend entwickeln. Sollten eine Seele oder ein Funke aber zu gross werden, geben wir ihm, solange ich noch hier bin, in meinem etwas herunter gekommenen Quartier gerne Asyl.

In strömendem Regen wird das neue Wohnquartier in Berns Westen eingeweiht. Wer schon vom ersten Spatenstich an zur Prominenz gehört, ist im Besitz eines grossen schwarzen Schirms mit dem Aufdruck „West side“ und hat deshalb nur mit dem ungeeigneten Schuhwerk zu kämpfen. Gekommen sind Interessierte aus der ganzen Stadt und der Agglomeration, um das neue Angebot an Miet- und Eigentumswohnungen zu besichtigen.

Neuer Wohnraum

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