Am Flughafen Zürich im Check-in warten sie, die frischgebackenen jungen Mütter, mager, hoch gestöckelt oder in zarten Ballerinas, in knitterfreien Zweiteilern, farblich passend geschminkt, Stufenschnitt oder Dauerwelle, aber auf keinen Fall kürze Haare als Schulterlänge, alle ihr Baby im „Römer“. Diese Frauen reisen, gestylt bis zum letzten, hierhin, „nach Hause“ an tausend Hochzeiten.
Für mich sehen sie alle gleich aus. In ihrem leichten Schuhwerk werden sie in den kommenden Wochen über schlammige Wege und unasphaltierte Strassen gehen, Turn-oder Wanderschuhe wären eine Schande.
Auch wir verbringen zwei Wochen auf dem Land, bei Onkeln, Tanten, Cousinen, Cousins, Nichten und Neffen.
Kleinesmädchen erwacht jeden Morgen beim ersten Muhen der Kuh und will sofort in den Stall gebracht werden. Sie wird von allen verwöhnt, meine „Erziehung“ greift hier nicht, sie darf alles: Mit Sachen um sich werfen, Pflanzen abreissen, Kinder schlagen, spucken.
Ich frag mich, wie lange ich brauchen werde, bis sie mir wieder gehorcht.
Die Tage auf dem Land gefallen uns. Die Gastfreundschaft der einfachen Leute ist rührend.
Ich habe Glück, nur einmal muss ich ein Püppchen-Kostüm anlegen, eine „Maske“ auftragen und meine Haare in eine Betonskulptur verwandeln lassen, um einer knapp volljährigen Verlobten, die in die Schweiz eingeflogen werden soll, zu gratulieren.
Auch bei diesem Anlass sehe ich sie wieder, die Hochgestöckelten und Gestylten vom Flughafen.