April 2008


Weils nicht in meiner Zeitung stand, hier zum Nachlesen und Erinnern

3rds Freund aus Thailand erzählte gestern:

In Thailand kann eine Frau nicht ohne Mann leben. Wenn der Mann stirbt oder die Frau verlässt, ist es ihre Arbeit, neue Männer zu suchen. Einfach ist es, wenn sie nur einen braucht, weil dieser stets anwesend ist und sie und die Kinder durchbringen hilft. Das geht nicht immer. Zum Beispiel seine Mutter, die brauchte mehrere Männer. Der erste, gleich nach Vaters Tod als Dauergast Eingezogene ist abgehauen und zwar mit dem ganzen Hab und Gut. Die Mutter blieb mit ihrem jüngsten Kind allein auf der Strasse, sie hatten nur ein Bild und einen Reiskocher. Von da an hatte sie die Männer für drei Monate oder kürzer. Oft musste sie zu ihnen reisen, einmal sogar nach Dänemark. Er selber wurde bei Tanten und Bekannten untergebracht und war viel krank. Jedes Mal, wenn er wieder erbrechen musste – aber er konnte einfach nichts dagegen tun, es passierte gegen seinen Willen! – wurde er an den nächsten Ort geschubst. Kotzen geht einfach nicht in Thailand.

Dann endlich kam er wieder zu seiner Mutter, weil sie in die Schweiz geheiratet hatte.

Seine Thai-Familie nennt ihn Fussball. Lange herumgekickt und schlussendlich doch im Tor gelandet.

In knapp einer Stunde ist der „Welttag des Buches“ vorbei und ich frage mich: Was habe ich heute gelesen?

u.a.
1 Tageszeitung
1 Gratiszeitung
1 Postkarte aus Frankreich mit einem Ratatouille-Rezept
1 Bericht über die Beständigkeit der Gundula Gause
1 Trauerrede für den Chemiker Walter Feitknecht
1 Wikipedia-Eintrag über den Atomphysiker Friedrich Georg Houtermans
1 Bericht zur Entdeckung des Löwenmenschen bei Ulm im Jahr 1939
1 Zeitungsartikel über den neuen Traumjob der Direktorin „meiner“ Institution
1 Artikel zur Geschichte des Alcacyls
1 Erzählung, triste, „Chrysanthemnduft“ von D.H. Lawrence

Lest noch etwas und bleibt schlaft schön!

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Hansi

Jeden Nachmittag setzte er die grossen Pfannen auf den Herd,
um den Zvieri-Kaffee für die Angestellten zu wärmen.

Als dieses Foto vor 50 Jahren gemacht wurde, hiessen die Bernischen Kinderheime längst nicht mehr „Rettungsanstalt für bösgeartete Kinder“, „Staatsarmenheim“ oder „Erziehungsanstalt“. Seit 1934 waren es „Erziehungsheime“. Der Name verbesserte sich im Laufe der Zeit, aber die „Zöglinge“ gehörten immer noch zu den Armen. Körperstrafe war noch nicht verboten. Das Heimleiterpaar musste von Kindern und Angestellten mit „Vater“ und „Mutter“ angesprochen werden und man schwor auf den „Chlapf im richtigen Moment“, der nichts schade. Ausreissern wurde der Schädel kahl geschoren und Bettnässer wurden kalt geduscht. Als ich als junge Erzieherin 1962 eine Gruppe von 16 Buben übernahm, hatte ich im Heim einen schweren Stand. Nicht etwa wegen den „schwererziehbaren Knaben“, nein, die Erwachsenen tadelten meine „Gutmütigkeit“ und versuchten mir die Idee auszutreiben, dass „satt und sauber, gepaart mit strenger Arbeit“ für die uns anvertrauten Buben nicht genug sei. Ich blieb drei Jahre in welchen ich nur kleine Dinge verbessern konnte.
Die Buben sind unvergessen.

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War sie, als Tochter einer Putzfrau, bei wohlhabenden Klassenkameradinnen eingeladen, gab ihr die Mutter zu Hause noch ein Stück Brot zu essen. Sie sollte sich nicht hungrig an einen fremden Tisch setzen und „uverschant“ zugreifen. Die Mutter zeigte dem Kind auch den Umgang mit der Serviette und wie man sich damit unauffällig den Mund abwischen könne. Noch heute esse sie vor jeder Einladung ein Stück Brot. Ihr Mann habe diese Gewohnheit auch übernommen und sie seinen damit immer gut gefahren.

Schon vor einigen Tagen hätte ich anfangen können, ein strahlendes Lächeln aufzubauen mit Hilfe der neuen elektrischen Zahnbürste. Der kompakt runde Bürstenkopf umschliesse jeden Zahn einzeln und „erreiche auch schwer erreichbare Stellen“. So steht es auf der Packung, die ich seit zwei Tagen zu öffnen versuche, ohne den Inhalt zu beschädigen. Noch ein bisschen behindert durch die Schnittwunde, die ich mir vorgestern an den scharfen Kante der Verpackungsfolie zugezogen hatte, gelingt es mir, wenigstens den halben Griff der Bürste frei zu legen. In ca. 2 Wochen werde ichs geschafft haben. Bis spätestens am 9. Juni muss es mit dem „stralenden glimlach“ klappen. Zusammen mit dem Gesamtbundesrat erwartet Schweiz Tourismus von uns allen Scharm, Scharm, Scharm. In Österreich sind sie damit schon viel weiter, was auch an den Zahnbürsten liegt, die dort offen verkauft werden.

Ich frage die neue Witwe aus dem 8. Stock wie es ihr gehe? Ja, was denn nun das Härteste sei im neuen Alltag? Sie war Psychiatrieschwester und ist nach der Pensionierung eine geblieben, die sich alles sehr genau überlegt und von der man viel lernen kann im Treppenaus.

Ach, meint sie, die Schmerzen. Die Schmerzen seien schlimmer als vorher, als der liebe Charlie noch lebte und ab und zu die Hand auflegte oder sagte, das sei bald vorbei.

Und der Kummer der Pflegetochter mit den Männern. Sie könne da nichts helfen, nur wiederholen was der Charlie immer gesagt habe: Werde am Einfachen glücklich – mehr als dies‘ Vermächtnis habe sie nicht zu geben.

Den Ehering zu einem neuen Schmuck verarbeiten zu lassen, dafür fehlt ihr das Geld. Sie hat ihn nun mit Kunststoffleim auf einen flachen Stein geklebt, der neben vielen anderen Ketten von Charlie an ihrem Hals baumelt.

Es sei schon richtig, sei er nun gegangen. Zum Glück bei Eiseskälte, als man ihn bei offenem Fenster aufbahren konnte. Das war ein wahres Geschenk.

In der Familie Blogk sind die Meinungen zur Kundgebung am Freitag geteilt. So wurde (von der Männerseite) gefragt, wann endlich Schluss sei damit, dass linke Frauen sich stark machen für eine von ihrer eigenen Partei Malträtierte? Es sei Zeit, diese hängen und die Suppe selber auslöffeln zu lassen? Schliesslich beteuern besonders die Politikerinnen aus der Schafs-Vertreibungs-Partei bis zum Gehtnichtmehr, wie für sie ein Austritt nicht in Frage komme. (In der eigenen Stadt, in der eigenen Gemeinde hätten sie es ja eigentlich „glatt“ und leisteten gute Arbeit).
Muss man nach einer solchen Solidaritätsbekundung sogar befürchten, dass Bundesrätin Widmer-Schlumpf nun einen besonders harten Kurs fährt, um den Feinden aus den eigenen Reihen etwas zu beweisen? Noch schlimmer: Wird sie bei der nächsten Gelegenheit mithelfen, „unsere“ linke Bundesrätin zu desavouieren?
Es kann gut sein, dass die Kundgebungsteilnehmerinnen der Familie Blogk, wünschten, sie wären nicht dabei gewesen – Einstehen für politische Kultur und demokratische Werte hin oder her.

„Äs isch wie nes Zeiche!“ meint die Frau neben mir.
Denn just in dem Moment hört es auf zu regnen, als die
Bundesrätin das Wort ergreift.

Schweiz vielfarbig

In den vier Landesssprachen dankt die Justizministerin den Bürgerinnen und Bürgern:
„Sie sind nicht nur wegen mir hier, sondern weil wir uns alle dagegen wehren,
wenn demokratische Werte in Frage gestellt werden und wenn
Grenzen im Umgang miteinander überschritten werden.“

Bei meiner Arbeit begegnen mir die unterschiedlichsten Schliess- und Sicherheitssysteme, wobei der Schlüssel, den man ins passende Schloss steckt und umdreht, das einfachste ist – glaubte ich bis heute. Da flog nämlich die Schulhaustür elektronisch entfesselt seitlich in die Wand zurück, der Kopf* des Schlüssels wurde abgeschlagen und rollte rotsilbern zu Boden, während der Bart in der Tiefe des Schlüssellochs (das bestimmt auch einen neuen Namen hat) begraben blieb. Eine der albanischen Putzfrauen hob den Abgefallenen auf, wischte ihn mit dem Tuch ab und überreichte ihn mir mit ernster Miene, während ihre Kolleginnen an den verschaumten Fenstern betreten verstummten. Ich fragte nach dem Hauswart, der lange auf sich warten liess. Endlich tauchte ein kleiner noch jüngerer Mann auf, der mich grimmig ins Visier nahm. Ich wusste gleich, was es geschlagen hatte und wo Bartli den Most hat. Weshalb ich überhaupt die Tür öffnen wollte? Die sei automatisch von innen verschlossen, da gerade geputzt werde. Warum müsse ich ausgerechnet diese und nicht eine der anderen benutzen? Weshalb ich nicht dem Reinigungsteam von aussen Zeichen gegeben hätte? So ein Zusatzkrampf fehle ihm gerade noch. Ich entschuldigte mich kurz, nicht zu unterwürfig und fragte ihn höflich, ob er merke, dass er mich gerade ein bisschen sehr zusammenstauche, und was ich zur Behebung des Problems beitragen könne, ich sei gut versichert. Hier gehe es nicht um Geld sondern um etwas ganz anderes. Ich:“???“ Er sage jetzt nichts mehr. Damit verschwand er im Untergeschoss.
Die albanische Putzgemeinde, angeleitet von einem tüchtigen Vreni, machte sich wieder an die Frühlingsreinigung. Wie konnte ich diese Situation vorbildlich abschliessen? Sicher wusste heute Abend halb Bern-West von der Schlüssel-Story mit Kopfwäsche, obwohl sich diese in einem völlig anderen Stadtteil zugetragen hatte. Nach einiger Zeit tauchte ein weiterer Hauswart auf, sehr freundlich und ruhig. Er kenne mich seit Jahren vom Sehen. Übrigens auch sein Jonas kenne mich. Er sei der Willy. Das mit dem Schlüssel sei nicht meine Schuld. Das Schliess-System sei noch nicht fertig und darum für Hauswarte und Dozenten ein dauerndes Ärgernis. Ich solle doch einen Kaffee trinken, während er mir den alten Schlüssel aus dem System nehme und den neuen anmelde.

*Reide

Eigentlich sind die „Angefressenen“ jetzt im Bahnhof, hängen mit Freunden ab und warten darauf, dass der Panini-Bildersturm los geht. Seit Tagen knüpfe ich meine Tausch-Netze und bleibe am Schärme.

… und schon in voller Blüte, (mehr …)

Neues aus Altem

Inzwischen haben zahlreiche Gegenstände aus dem Haushalt meiner Eltern wieder neue zufriedene Besitzerinnen und Besitzer gefunden. Die Sägen, Seile, Fahrräder, Messer und Scheren, Wäscheständer, Körbe, Zainen, Beerensträucher, Gemüse- und Blumensamen, der Küchenschrank und der Stubentisch, Hand- und Geschirrtücher, Teller und Schüsseln, Besen und Bürsten. Da der „pflegliche“ Umgang mit den Sachen für Vater und Mutter selbstverständlich war, wird alles noch lange halten.
Übrig geblieben sind die Duvetbezüge aus der Zeit vor dem Schwedenduvet. Zum Glück haben wir Tante Hanni, die mit Nähmaschine und Nadel aus jedem Stück Stoff noch etwas zaubern kann. So entstand aus einem noch sehr gut erhalten Deckenbezug in den alten Massen diese Steppdecke mit passendem Kissen.
Kleinesmädchen mit Eltern freuts!