Kraut und Rüben


Früher habe ich Mitmenschen ein bisschen belächelt, wenn sie von ihren Katzen schwärmten. Das war noch vor dem Smartphone, da klappten sie ihre mit Fotos prall gefüllten Geldbeutel aus oder brachten Kätzchens Geburtstagsalbum mit an den Arbeitsplatz. Sie tranken natürlich ihren Pausenkaffee aus einer Katzentasse.

Im Laufe der Jahre habe ich mich geändert. Heute frage ich meine Freund*innen aus Interesse nach ihren Katzen und bedaure es ehrlich, wenn ein geliebtes Büssi in den Katzenhimmel geklettert ist. Über mich kann mensch auch lächeln, weil Garten und Balkon ein wichtiger Teil in meinem Leben sind. Meine Gartenfötis würden viele Alben füllen, und mein ganzer Bekanntenkreis bekommt zu den Festtagen ein KrautundRübenBild. Sogar Weihnachtskarten werden mit Blumen oder Samen geschmückt.

Die Nächte sind schon richtig kalt. Wir verbringen die warmen Stunden der Herbsttage im Garten und tragen abends den letzten Salat, die letzten Kräuter, einige Mangoldstengel und ein paar Dahlien nach Hause.

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Unsere ersten Bohnen aus dem Schulgarten, 18. August 2021

Lauch, Rosen-, Blumen-, Grünkohl, Rot- und Weisskabis – dieser von Mutter und Grossmutter in Surchabisbocki gehobelt und mit einem Surchabisbockistein über Holzbrett beschwert – konnten niemals mithalten. Bohnen waren für mich das Königsgemüse. Je nachdem, auf welcher Höhe und auf welchem Boden wir gerade wohnten, gediehen auch Bohnen, sei’s am Busch oder an der Stange. Die ertragreichsten Ernten fuhr mein bohnenverrückter Vater in seinen letzten Lebensjahren ein. Hier, auch als Erinnerung für die Familie, ein paar alte Fotos aus dem Album:

Wie überall im Haus wo etwas noch ein bisschen halten sollte, waren Schnüre für Vater unentbehrlich. Diese Bohnenharfe hat er 2004 im Alter von 93 Jahren gespannt.
Um das Pflücken so richtig geniessen zu können, baute sich Jakob – wie könnte es anders sein – eine Leiter, die ihn sicher dem Bohnenhimmel entlang führte.
Bei einem so prächtigen Ertrag sei mindestens ein Schmunzeln angebracht. Links im Bild sieht man das Leibgetränk meiner Eltern, dem sie bis ans Lebensende die Treue hielten.
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Oh Wunder, es hat sich gelohnt, unnachgiebig zu sein: Wir haben den Schulgartenschlüssel wieder bekommen!
Der heutige Tag der Erde stand unter dem Motto: „Restore our earth – Stellt unsere Erde wieder her!“ Genau das machten wir in unserem möglichen Rahmen.
Danke den Zuständigen der Verwaltung Stadt Bern, dem Präsidenten der Schulkommission und dem Vertreter meiner Partei für „Natur Bern West“.
Wir fingen wieder neu und klein an, nachdem wir die Pflanzen Ende Dezember ausgegraben, verschenkt oder an Pflegeplätze gegeben hatten. Danke allen, die den Knollen und Wurzeln eine Herberge boten!

Der Hausmeister baute mit seinem Freund an einem Unterstand für die Gartengeräte.

Voilà, jeder Stein fand seinen Platz.

Heute jäteten wir, sammelten die dürren Äste und den Abfall ein und nahmen die Gespräche durch den Gartenzaun wieder auf.
Als ich so vor mich hin hackte und schaufelte, meinte mein Enkel: „Ima, du bist ja wieder henne fit.“

Alles sah noch ziemlich leer und löchrig aus, aber Sonnenhut, Gartenmelde, Jungfer im Grünen, Borretsch, der Knoblauch und natürlich die Tulpen reckten sich der Frühlingssonne entgegen.
Noch nie genoss habe ich ihren Anblick so sehr, wie in diesem kalten Frühling.

In den vergangenen Tagen mochte ich mir kein Adventstürchen ausdenken. Alles schien mir einfach zu trist.
Wir brachten gerade eine Quarantäne zu Ende, bevor wir gleich in die nächste sausten. In den paar Stunden dazwischen kaufte ich mit meinem Schwiegersohn beim Förster einen prächtigen Weihnachtsbaum. Dieser steht jetzt auf meinem Balkon, und wahrscheinlich wird er erst an Silvester geschmückt werden können.

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… und fröhlich sein, denn im nächsten Herbst sind wir vielleicht alle ruiniert.“

Das sagte sich Vita Sackville-West, kaufte in den 1930er Jahren das halbverfallene Sissinghurst Castel und verwandelte den Schlosspark in die schönste Gartenanlage Englands. Daneben schrieb sie Romane und Gedichte. 1962 starb sie auf Sissinghurst Castel. Jährlich zieht es über eine halbe Million BesucherInnen in dieses irdische Paradies.
(Quelle: Sackville-West, Vita : Mein Sommergarten, Piper 2012,
ISBN 978-3-492-24726-9)

Heute verbrachte ich fünf Stunden im Garten – nie ist man fertig. Die Sonne schien durch die Blätter. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge turnten im Lavendel. Die Schnecken hatten ein kühles Plätzchen aufgesucht und die Vögel vertilgten die restlichen Kirschen am Baum.
Ich hackte und jätete und tat, was Lady Nicolson-Sackville-West den GärtnerInnen dieser Welt ans Herz legte:
Mit voller Phantasie an die Zukunft denken.
Hier ein paar Bilder aus meinem Sommergarten:
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Akalei 1

… sei die Akelei als Heilpflanze. Vergessen solle man sie allerdings nicht, da sie sich als schöne Ergänzung zu anderen Heilpflanzen anbiete, z.B. bei Skorbut, Ekzemen, Fisteln, Parasiten und Nervenreizung.

Akelei 2 Akelei 3
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gemischt
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Samenband

Wenn die Kleinkrähen zu mir geflogen kommen, habe ich meist eine kleine Arbeit für sie bereit, am besten eine, die sie noch nicht kennen.
Hier wird ein Samenband für Radieschen hergestellt. Grosses Mädchen legt Samenkorn um Samenkorn nacheinander in einen der Tupfen Mehlkleister, die ich in regelmässigen Abständen auf einen Streifen Papier (WC) angebracht habe. Nach dem Trocknen kann das Band dem Pflanzplatz entsprechend zurecht geschnitten und in die Erde gelegt werden. So erspart man sich das mühsame Pikieren.

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Mohn I

Er hat den harten Winter überstanden, der Filigrane. Als Kümmerlimg kam er in meinen Garten und hat sich – nach ernsthaftem Zuspruch („Wirst kompostiert!“) meinerseits – prächtig entwickelt.

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Marokkanisches

(Irgend einmal weiter unten passt dieses Foto in den Text.)

Den März-WMDEDGT-Tag verbrachte ich mit lästiger Grippe im Bett. Die Notizen zum 5. April kommen etwas verspätet. Die Inder würden jetzt sagen: Better late then never.
Weitere pünktlich erschienene WMDEDGT-Beiträge auf der Website der In­i­ti­an­tin dieser Rubrik.

Erika wachte auf und wusste nicht, wo sie war. Es war Nacht, aber hell. Sie tastete nach der Nachttischlampe, aber da war keine. Ihre Hand berührte die kalte Wand. Sie schreckte auf. Ein dicker Mond sah aus, als bückte er sich, um zu ihr hereinzuschauen…

Das bin natürlich nicht ich, sondern das ehemalige Model Erika Keiner. Erika hat sich eben von ihrem Ehemann getrennt und ist von einem Haus am Zürichberg in ein „Problemquartier“ an den Stadtrand gezogen. (Vor dem Aufstehen lese ich ein paar Seiten aus „Das wahre Leben“).

Heute stehe ich um sechs Uhr auf. Draussen ist es noch grau und kalt – Mantelwetter. Ich dusche und wasche mir die Haare, trockne nach Anleitung von „Brigitte Woman“ einzelne Strähnen (für mehr Fülle) und nur lauwarm. Bis ich draussen in der feuchten Luft bin, klappt das kurz mit dem Volumen. Dann lüfte ich die Wohnung, mache das Bett und räume das Geschirr aus der Spülmaschine.

Um zehn nach sieben Uhr hole ich meine Enkelin im 12. Stock ab, um sie ein Stück weit in die neue Schule zu begleiten. Obwohl sie den Weg gut kennt, kann ich ihr damit eine Freude machen. Am „Beerenplatz“ – die Ansagerin vermeidet das ä – steigt die Schülerin aus und ich beschliesse, eine Runde über die Endstation der Tramlinie zu drehen. Zuerst ein Stück durch die Altstadt Richtung Zytglogge, dann nach rechts. Von der Brücke aus habe ich einen weiten Blick auf die Aare mit den aperen Kiesbänken. An Museen und Villen vorbei ruckelt das Tram Richtung Südosten bis ans entgegengesetzte Ende der Stadt. Hier gibt es auch Hochhäuser. In der Wendeschleife hat jemand einige Gartenbeete angelegt. In zwanzig Minuten bin ich wieder in der Stadt.

Beim Bancomat erschrecke ich einen Kunden, als ich an das Nachbargerät trete. Man kann ja nie wissen, wer einem Geld oder Code entreisst. Ich biege in „meine“ alte Gasse und in das Haus, in welchem ich viele Arbeitsjahre verbracht habe, ein. In der früheren Lehrbuchsammlung befindet sich jetzt ein Café mit Polsterstühlen und Sofas.
Meine „Schale“ – mit einem Glas Wasser – wird umgehend gebracht. Ob ich auch ein „Gipfeli“ möchte? Nein, danke. (Wenn ich eins will, bestelle ich es.)

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Just vor dem ersten ernstzunehmenden Reif konnte ich meinen Garten vollends einwintern. Dabei werkelte ich mit Besen und Laubsack, schnitt die Himbeersträucher zurück, verteilte um Stauden und Büsche wärmenden Kompost und jätete die Gartenwege. Als es im Orangen Riesen die Tulpen- und andere Frühblüherzwiebeln zum halben Preis gab, konnte ich nicht widerstehen. Falls die zarten Knollen nicht in hungrigen Mäusebäuchen verschwinden, sollten im Frühjahr über zweihundert Tulpen und Glocken spriessen.

Winterschlaf

Die abgeernteten Beete grub ich ein bisschen um und bedeckte sie mit dem golgelben Laub des Kirsch- und Apfelbaums, welches auch beim Einnachten noch schön aussieht. Überhaupt genoss ich die Abendstunden im Garten. Während ausserhalb des Zauns die Strassenlampen angingen und Bewohnerinnen und Bewohner nach Hause eilten, füllte ich Herbstlaub in Säcke und stellte das Vogelhaus auf. Mein Nachbar, ein Biologe, hat mit der Winterfütterung der Vögel bereits begonnen. Kleiber, Berg- und Grünfink, Gimpel, Sumpf-, Kohl- und Blaumeise samt Wacholderdrossel sind bei ihm schon eingekehrt. Mir werden die gemeinen Sperlinge, ein paar Amseln und eine einsame Türkentaube bleiben – wahrscheinlich wird sich auch der Buntspecht aus der hohen Buche den Futtervillen des Wissenschaftlers auf der anderen Strassenseite zuwenden.

Von wegen zuwenden: mit der Frau als Stadtpräsidentin werden wir wohl noch ein paar Jährchen warten müssen. Am 15.01.2017 gibt es einen 2. Wahlgang mit 1 Frau und 1 Mann.)
Im Moment ist es schier unerträglich, wie niederträchtig, böse und gemein über die Kandidatin (und ihre Familie) geschrieben wird. Der Kandidat – wofür steht er eigentlich ein? – wird dagegen in den Medien hoch gelobt (in den Kommentaren mit vielen orthographischen Fehlern) – wofür??
Bis jetzt habe ich von diesem Kandidaten, Abkömmling einer alter Berner Patrizierfamilie (seit 1270) noch kein Wort gehört, das den Dreckbewurf auf die Kandidatin verurteiltmissbilligt. Vous devriez avoir honte, monsieur le candidat!

In England dürfen rothaarige Frauen keine Schiffe taufen, habe ich heute in der letzten Sonntagszeitung gelesen. Schwangere dürfen in Frankreich nicht.
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Wahrscheinlich hätte ich es nicht gekauft, aber ich bekam das fadhellgrüne Buch geschenkt und Geschenke lese ich immer – irgendwann. Ich kämpfte schlich mich einige Tage durch die Seiten, um dem Geräusch der Schnecke beim Essen zuzuhören. (Schliesslich wurde die Oberleserin Elke Heidenreich Seite um Seite mehr verzaubert von so viel kleinem Wunder.)
Dieser Zauber wollte sich bei mir nicht einstellen, hatte ich es doch meist mit Nackt- und nicht mit Hüslischnecken zu tun. Aber nach 169 Seiten hielt ich mich dann mit Schneckenkörnern im Garten ziemlich zurück, trug die Viecher in einen abgelegenen verwilderten Winkel oder beförderte sie in die Kompostbehälter des ehemaligen Schulgartens. Aus dieser Verbannung können sie sich natürlich jederzeit wieder anschleimen.
Heute gab es eine Regenpause und ich eilte in den Garten, um den halb ertrunkenen Randensetzlingen grüne Hüte aus Kunststoff überzustülpen, Unkraut zu jäten, Stauden aufzubinden, den verblühten Akalei abzuschneiden. Zu meinem Erstaunen konnte ich schon die ersten Kefen ernten. Bald schon prasselte der Regen nieder, hinterhältige Blitzchen zuckten, Donner rollte vom Westen her.
In den Reihenhäusern meinem Garten gegenüber schoben Väter Fertigpizza in den Ofen, Mütter riefen die Kinder ins Haus. Man ass heute früher: der Match. So ein bisschen blöd kam ich mir schon vor, als ich unter den riesigen alten Bäumen Schutz suchte. Soll dann im Gratisblatt stehen: Rentnerin im Garten vom Blitz erschlagen?
Klatschnass vertraute ich darauf, dass dieser in den Blitzableiter meines Blocks und dann in die Hölle den Boden fahren würde.
Bei der nächsten Regenpause fotografierte ich ein paar nasse Stauden, die trotz der anhaltenden Attacken von oben und unten standhaft und schön geblieben sind – eigentlich zauberhaft.

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Erholungsgebiet

Fetthenne, Wullblüemli, Schwärtlilie, Tschuppufriesli, Stigüferli, MaggiJohannisuBohnechrutt, Röselichöli, Wandeluchlätterrösli, Sunnehuetublueme, Gloggeräbe, Guggumere, Stinkendi Hoffart, Lattlech, Boumtropf, Chruusle, Meertrübeli, Himpi, Chifu, Schtritte, Chruttschtile, Süferli, Huswurz, Frouemänteli, Geissblatt, Prunkwinde, Sälbine, Eichblattsalat, roti Melde …

(Uf Züritütsch tönti das kompetänter, steit i dr Zytig;-)

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Salat & Co.

Eichblatt, Melde, Schnittlauch, Sellerie, Liebstöckel.
verschiedene Minze, Zitronenthymian, Catalogna-Blätter,
Rhabarber …

Zum ersten Gartensalat gibts einen Käsekuchen (Wähe) mit Kräutern und frischem Minzentee. Zum Nachtisch einen Rhabarberkuchen mit Schlagrahm.
(Für Salat- und Kuchenfotos hat’s nicht gereicht – ein gutes Zeichen).
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Garten im Januar

Mit einer Tüte Vogelfutter unter dem Arm gehe ich über den Pausenplatz in den Garten.
Noch haben die Sonnenstrahlen den gefrorenen Boden nicht erreicht.
Zusammen mit Kleinerbub schütte ich frische Kerne in das Häuschen und schaue, dass alles sauber ist.
Nun läutet die Glocke den Unterricht ein, und mein Helfer hüpft ins nahe gelegene Schulhaus.

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Auch alte Besen wischen

Noch hängen …

Noch muss viel fallen

… viele Körbe voller Laub in den Ästen …

Den „zeitnahen Städtern“ und Selbermachern, die u.a. „ihre urbanen Gärten bejäten“ …

Noch ein paar frostfreie Tage

… „sich hinter den eigenen Zucchettis verschanzen“ und in „Einmachblogs stöbern“ hat Christoph Fellmann (in Bund, Tagesanzeiger und Berner Zeitung erschienen) einen blumigen Artikel gewidmet.
Danke vielmal!

Hier wird z.B. „ein essbares Selfie“ hergestellt …

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Maienbohnen I

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Fingerhut neben Zwiebeln

In der letzten Zeit verbringe ich viel Zeit im Garten, denn ich lese kaum mehr Zeitung und schaue wenig Nachrichten. Interessanterweise fragt mich niemand nach meiner Meinung zum „Nahen Osten“, obwohl viele wissen, dass ich in dieser Gegend einige Jahre verbracht habe. Darüber bin ich froh, denn ich muss mir dann auch keine Patentlösungen von Leuten anhören, die jahrausjahrein ungestört schlafen dürfen.
Nicht nur, dass der Regen den Stachel- und Johannisbeeren geschadet hat, auch der Kugelfisch, den wir Berner fürs neue Tierpark-Aquarium kaufen wollten, ist einer Überschwemmung im Keller des aargauischen Fischhändlers zum Opfer gefalllen – Pech, nun ist Geduld gefragt, denn diese Fischchen sind selten.
Solche Probleme nehmen viel Platz ein in unseren Zeitungen.
Gerade habe ich einen Fingerhut neben Borretsch und Zwiebeln gepflanzt – giftig neben essbar. Oleander in friedlicher Nachbarschaft mit Frauenmantel, Rainfarn und Salbei. Im Garten ist’s möglich.

Diese Idylle wird im Moment von einer Gruppe Nachtbuben gestört, die über den Zaun klettern, allerlei kaputt machen und ihren Müll hinterlassen. Eigentlich gibt es hier herum zahlreiche Plätze, wo sie sich aufhalten könnten, aber diese sind frei zugänglich und deshalb überhaupt nicht cool.

Herbstfarben gebunden

Was ich nach der Pensionierung so tue, werde ich oft gefragt. Ja, was tue ich eigentlich? Jedenfalls kaum etwas, was am Ende des Tages vorzuweisen ist. Ich höre dem Herbstwind zu, wie er um meinen „Turm“ braust und an den Fenstern und Türen rüttelt, ordne die Bilder, auf welchen ich versuchte, die Herbstfarben einzufangen, gratiniere den letzten Fenchel aus dem Garten, koche eine Suppe aus grünem Kürbis zusammen mit Sellerie, Lauch, Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebeln und Kräutern, umwuselt von wissbegierigen Kleinkrähen. Daneben gibst noch dieses und jenes zu tun. Schon lange habe ich mir vorgenommen, so einen Tag zu protokollieren, damit ich besser weiss, was ich den Leuten sagen kann. Manchmal tun sie mir richtig Leid, wenn ich ihnen nichts Aufregendes aus meinem Nacherwerbsleben erzählen kann.

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Salat und Bohnen

Während ich Bohnen ablese und den Garten giesse,

Schattengarten

… ist das heutige Thema durch den Zaun, ich staune, hauptsächlich das „Schwingen“. Die 5jährige Amina ist begeistert vom Königsmuni Fors vo dr Lueg. Meine Nachbarin, die sonst kaum TV schaut, kann nicht genug bekommen von Örgeli-Musik und Alphornklängen, findet die bösen Mannen ausnahmslos sympathisch. Die Chinesinnen aus meinem Block, heute besonders früh auf den Beinen, sind auf dem Weg in ihr Restaurant am Austragungsort des „Eidgenössischen“. Es gebe einen grossen „Umsu“ (Umzug) und das bedeute eine Menge Gäste auf dem Schlossfelsen. Das verstehe ich, denn ihre Frühlingsrollen sind legendär und können’s ohne Probleme mit den Bernerplatten aufnehmen. Auch der pensionierte Wirt unseres Quartierrestaurants muss sich sputen, gilt es doch, den Riesengrill, Überbleibsel aus seiner Wirtezeit, auf dem Festgelände in Gang zu bringen. Einige tausend Würste und Kottelets warten auf glühende Kohlen. Aber auch die UPS-VIPs (Eintrittskarte über 1000 Franken) erhalten ihr Essen und Trinken flott serviert, u.a. von einer jungen hübschen Frau aus dem Block. Von einem Stadt-Land-Graben, der mir immer von Leuten auf dem Land eingeredet wird, höre ich heute nichts.

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