2022


Elf Jahre sind es her, seit mein Quartier sich vom 14er-Bus verabschiedet hat, um das Tram zu begrüssen. Unsägliches Gedränge über fünfzehn Haltestellen zwischen Hauptbahnhof und der Endstation fand somit ein Ende.

Allerdings verschwanden damit auch die Bus-Geschichten, die mir stets Sprungfeder in den neuen Tag und den Feierabend gewesen waren. Einige davon habe ich hier in blogk aufgeschrieben, wie z.B. diese:

Maskiert, mit Abstand und beschlagenen Brillengläsern sitze ich heute im gut besetzten Tram. Zehn Haltestellen lang höre ich kein Wort. Endlich, Richtung Hirschengraben, vom Sitz hinter mir die Mutter zu ihrem erwachsenen Sohn:

„Du muesch d’Orangsche de o ässe, nid nume aluege – u d’Bire o, u d’Banane o.“

Was für eine Geschichte! Zum Desser gibt es abends bei mir am Familientisch Fruchtsalat mit Orangsche, Banane, Öpfel – u o Bire.

Oben brennnt das gelbe Mutterauge.
Überall liegt Nacht wie blaues Tuch.
Fraglos ist, dass ich jetzt Atem sauge.
Ich bin nur ein kleines Bilderbuch.

Häuser fangen Träume bunter Schläfer
Wie in Netzen in den Fenstern auf.
Autos kriechen wie Marienkäfer
Leuchtende Strassen hinauf.

Alfred Lichtenstein in "Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst - Gedichte aus fünf Jahrhunderten ...", Goya, 2021, ISBN 978-3-8337-3135-8
Foto: Die Jungkrähen auf dem Nachhauseweg durchs Quartier, 19. November 2021

… het ds Müüsli gseit, wos ids Meer bislet het.

Nachdem ich Ende Februar 2020 ein ÖV-Jahresabo für Fr. 600.- gekauft und es dann „wegen der Situation“ nur für 2 Kurzstreckenfahrten à Fr. 2.- benutzt hatte, entschloss ich mich, 2021 eine App für elektronische Einzeltickets einzurichten. Fairtiq hat für mich Buch geführt:

Du hast dieses Jahr 40 Fahrten gemacht und 153,28 km zurückgelegt. Im Vergleich zum Auto hast du dabei 24,39 kg CO2 eingespart. Ein Baum würde 1 Jahr und 1 Monat brauchen, um diese Menge an CO2 zu absorbieren!

Mit meiner eingesparten Menge Kohlendioxid könnten Mann und Frau 4’975,6 Geburtstagsballons füllen – sagen die Fachspinnen im Netz.

Endlich bin ich durch mit den gestapelten Tageszeitungen. Eben kam der durchgelesene 13. Dezember 2021 in die Altpapiersammlung. Über Ereignisse zu lesen, deren Ausgang schon bekannt sind, stresst viel weniger als umgekehrt.

Silvester- und Neujahrstag möchte ich am liebsten verschlafen. Nichts ist mir feiertagsmässig mehr zuwider, als die Jahresenden mit Hütchen und Clownnasen aus Tischbomben, ohrenbetäubendem Geballere, qualmendem Feuerwerk, unterlegt mit katholischem und protestantischem Glockengeläute.

Kleines Mädchen hat mein Hütchen übernommen.
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