Meine Tochter (2nd2nd, female) mit Mann und Kindern besucht ihre Verwandten im Kosovo. Auf dem Land, nahe der Grenze zu Montenegro und Albanien, wissen die Frauen:
Wenn das Haus glänzt, glänzest auch du.

Whatsapp-Nachricht vom Balkan, 01.10.2019, 22:00 Uhr

Habe heute ein handgemachtes Schürzchen bekommen, weiss, gebügelt mit aufgestickten blauen Blümchen. Und los ging’s, denn der Schmutz am Fenster ist der Schmutz an dir.
Hatten 24 Stunden kein Wasser. War mühsam. weil alles Geschirr schmutzig und relativ viel Besuch. Haben’s aber geschafft, alle bekamen Kaffee.
Morgen kommt jemand wegen einem Brunnen, damit das neue Haus meiner Schwägerin nicht mehr am „Stadtwasser“ aus den Bergen angehängt ist, sondern wie die beiden anderen Häuser der Familie die eigene Quelle nutzen kann.
Alle schlafen. Hier ist alles eine Stunde früher. Der Salon ist picobello für morgen. Ich gehe auch schlafen.
Bonne nuit, chère maman!

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Berner Alpen

(von rechts nach links: Spitzen von Eiger und Finsteraarhorn, Schreckhorn, Wetterhorn, Rosenhorn)

Ausser ein paar leichten Wolkenfischen ist der Himmel heute klar, ein prächtiger Herbsttag.
Gegen 9 Uhr flattern die Kleinkrähen übermütig in meine Wohnung. Geputzt und gestrählt sind sie und auf dem Weg zum Flughafen. Es geht in den Kosovo zu den Verwandten ihres Vaters. Ich weiss, dass es wichtig ist, wenn die Kinder die Familie samt Bekannten aus nah und fern, die Sprache und das Leben auf dem Land kennen lernen. Trotzdem mache ich mir jeden Herbst Sorgen: die Landminen, der Strassenverkehr, Erdbeben, Anschläge, Waffen- und Heldenkult …
Einige Sorgen könnte ich mir sparen, denn bis jetzt wurden die Kleinkrähen und ihre Eltern immer freudig und liebevoll aufgenommen. Als die einzige Kuh Kleinesmädchen, das Kind hat sie wohl in seinem Übermut gereizt, angreifen wollte, hatte der Patriarch der Familie das Kurzbeil griffbereit, um es nach dem (kostbaren) Hornvieh zu werfen und ihm den Hals aufzuschlitzen. Zum Glück beruhigte sich die Kuh wieder und auf eine so dramatische Lösung konnte verzichtet werden – Lavdi Zotit, GsD!

Seitdem in der ganzen Stadt ausrangierte Einkaufswagen, Kisten, Kästen, Tröge, Tonnen, Zainen und Säcke zu urbanem Gardening umfunktioniert wurden, kann man Leute – Familienmitglieder, beste Freunde und Freundinnen – damit nerven, das Thema „Garten“ anzuschneiden. Sie mögen es einfach nicht mehr hören! Gehen sie doch seit Jahren auf den Markt, sogar auf die Alp, kaufen regional, fahren mit dem Velo in den Hofladen und sammeln Pilze und Beeren.
Das finde ich alles super und ich halte mich mit Gartenfrauengarn zurück, sollten wir uns treffen;-)
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Letzter Tag

Der letzte Tag der Saison.
Die Badeaufsicht trägt Faserpelz über dem neongelben Shirt. Das Badewasser ist kühl (17°). Der Grund, weshalb nur noch Frauen im Wasser zu sehen seien, läge darin, dass sie eine Fettschicht mehr hätten als Männer, meint meine Nachbarin. Nach einer halben Stunde schwimmen ist es 18° warm geworden, was nichts mit meinen Arm- und Beinschlägen zu tun habe, sondern mit den kurzen Sonnenblicken.
Wir sitzen auf der Terrasse des Restaurants und trinken Kaffee. Die Nachbarin erzählt mir von ihrem marokkanischen Schwager, der sich nie von seinem schweren Schlüsselbund trennt. Er schliesst alles ab, auch sämtliche Türen innerhalb des Hauses. Letzthin liess er vor die Haustür ein Eisengitter montieren. Das Eisen malte er in einer Goldfarbe an, die aber schon bald abzublättern begann. Trotz grösster Wachsamkeit können böse Buben kommen und etwas stehlen. Meine Nachbarin hat gute Erfahrungen damit gemacht, dass sie ihre Haustür nie verschliesst und sommers sogar sperangelweit geöffnet lässt.

Nach und nach verabschieden sich die alten Häsinnen von uns, tragen ihre Liegestühle und Badesachen nach Hause: „Einen guten Winter und hoffentlich auf nächsten Sommer – man weiss ja nie!“
Einige haben wir schon gehen sehen, einmal werden wir es sein, die nicht mehr kommen. So ein wenig wehmütig wird man schon an diesem letzten Tag der Saison.
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Mond ueber Merligen

Foto vom 12.09.2019, 20:28, Blick vom Schiff aus nach Merligen.

Die Merliger, so sagt die Geschichte, versuchten schon in alten Zeiten, das Mondlicht mit dem Netz aus dem See zu fischen, um damit ihr neues, fensterloses Gemeindehaus auszuleuchten.
Dieses Foto habe ich auf der 10. Feierabendfahrt mit meinen früheren ArbeitskollegInnen, die längst zu meinen FreundInnen zählen, gemacht.
Auf dem kleinen Dampfer „Blümlisalp“ essen wir etwas Feines, sprechen über Bücher, Reisen, Filme, Sport, Skuriles, Trauriges, was der Alltag so bringt. Dann stossen wir an auf alle unsere Geburtstage in diesem Jahr und auf das Leben.

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Vom Vortag

„Wir sind doch beide Brot von gestern“, begrüsse ich meine Nachbarin. Darüber muss sie sehr lachen.
Auf dem Weg ins Schwimmbad, inzwischen mit Wassertemperaturen zwischen 17 und 18 Grad, zählt sie mir die vielseitige Verwendung von altem Brot auf: leckere Apfelrösti, luftige Fotzelschnitten, Paniermehl, knusprige Croutons für Salate und Suppen …
„Soll das jetzt heissen, dass wir alten Frauen wie Apfelrösti, Fotzelschnitten Paniermehl und Croutons sind?“
„Ja, warum nicht? Vielleicht nicht mehr saftigluftigknackig, aber vielseitig.“
Rücklings lassen wir uns ins kalte Wasser fallen,

Sommerwolke

… schauen ein bisschen in den Himmel, machen die zehn Anpassungszüge, rühmen dann ein übers andere Mal, wieviel Platz wir zwei im Bassin haben und beklagen uns zum Spass über aufkommende Enge, sobald eine dritte Person ins Becken steigt.

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… Vollmondbild.

Der Link zu einem zauberhaften Mondbeitrag ist von hier.
Danke, Herr a.mores!

Mondlandung

Am 21. Juli 1969 stieg Edwin „Buzz“ Aldrin als zweiter Mann aus der Landefähre und steckte das Berner Sonnenwindsegel noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes. Die Universität Bern feiert über 50 Jahre Weltraumforschung vom 28. Juni bis 4. Juli 2019. (Quelle: Uni Bern 2019)

Die Berner, Bernerinnen mitgemeint, sind die sprichwörtliche Langsamkeit. Deshalb freue ich mich, eine Ausnahme präsentieren zu dürfen.
In einem spannenden Artikel (NZZ, 12.07.2019), berichtet Herbert Cerutti, dass ein Mechaniker ein Schweizer Kreuz in den Stab des Sonnenwindsegels eingraviert hatte. So stand unsere „Flagge“ vor den Stars and Stripes auf dem Mond.
Ich persönlich habe mich in den vergangenen 50 Jahren mit dieser Mondlandung abgefunden, nachdem ich sie jahrelang für einen supersuperguten Fake hielt. (Ich war die Einzige in der Blogk-Familie.)
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Der Selbstgebrannte hat sie wohlbehalten durch den Winter gebracht. Die beiden Brüder sitzen wie im vergangenen Jahr unter den Platanen der Avenue Frédéric Mistral auf Klappstühlen an ihrem Verkaufsstand. Luly ist der Schnitzer. Bei seinen Streifzügen durch Tümpel und Salicornien entgeht ihm kein Schwemmholz, sei’s ein ausgebleichtes Ästchen oder eine bauchige Wurzel, woraus er einen Vogel erlösen kann. Schnepfen, Pieper, Läufer, Sänger, Pfeifer und Schnäbler, ein Wiedehopf oder eine Ente entflattern später den leblosen Stecken. (In der Jagdsaison bringt er gerne eine fette Ente oder einen Fasan zur Strecke.)
Befestigt auf einem wackeligen Brett stehen die Gefiederten dann auf dem Flohmarkt, und man wartet darauf, dass sie gleich weg stelzen, fliegen, tauchen. Gerne erzählt Luly die Geschichte vom Schweizer, der ihm gleich die ganze vorrätige Vogelschar abkaufte, um sein neues Haus damit zu dekorieren.
Ich nehme einen kleinen Grauweissen mit etwas Schwarz auf Rücken und Flügeln und einem langen nach oben gekrümmten Schnabel. „Avocette“ schreibt mir Luly mit Kraxelbuchstaben auf einen Zettel. „À l‘année prochaine!“ verabschieden uns die Brüder und ihre Freunde, die den Stand mitbenutzen, um ihre Ware, seien es Äxte, Salben und Trockenwürste an die Kundinnen und Kunden zu bringen oder Bestellungen für Selbstgebrannten aufzunehmen.
Die Blogk-Familienmitglieder kaufen auf dem Puce noch einen Fingerring mit Grille aus Messing, ein Domino mit leicht vergilbten Steinen in einer Holzschachtel, ein signiertes Ölgemälde von Donald Duck im Holzrahmen, ein kleines, gerahmtes Foto in Chamois mit Schäferin mitten in Herde, Wolle an Spindel spinnend, um 1920 im Piemont aufgenommen.

Der Flohmarkt ist ein Markt von Geschichten: alltäglichen, alten, vergessenen, geheimnisvollen.

Heute früh nehmen nur einige Grillen teil am Eröffungskonzert des Tages. Ein fernes Grollen dringt an meine Ohren. Auf dem Campingplatz ist es noch dunkel und still. Ich schlüpfe in die Sandalen und nehme schnell die trockenen Badesachen der Kleinkrähen von der Leine. Der Donner kommt näher, gefolgt von einem heftigen Regenguss.

Beim Frühstück auf der Terrasse schützen uns die Sonnenschirme vor dem prasselnden Nass. Jeder Tropfen Wasser wird hier gebraucht. Der Oleander ist in diesem Sommer besonders prächtig und blüht in allen Farben an Strassen – und Wegrändern und um die Wohnwagen, hier „Mobilhomes“ genannt.
Jahrelang verbrachten wir den Juli in einem Schnaaggizelt – einem Zelt, in welchem hauptsächlich Kriechen angesagt war. Ab 1994 mieteten wir dann ein Mobilhome auf einem Platz mit Pinien, Eukalyptus- und anderen Bäumen, die nichts gegen einen sandigen Standort einzuwenden hatten. Immerhin konnte man in der moderneren Behausung nun aufrecht stehen, auch bei Wind kochen und sich duschen. Ans enge Klo gewöhnte man sich, trainierte beim Aufstehen die Oberschenkel bestens.
Seit Jahren reduzieren wir im Juli die Wohnfläche drastisch, stopfen unsere Kleider in enge Schränke, essen aus ungleichen Tellern und trinken aus zusammengewürfelten Tassen und Gläsern und bürsten nach dem Bad im Meer brav den Sand von den Fusssohlen, damit dieser ja dort bleibt, wo er sein soll.

Gestern war ein sehr heisser Tag. Auf dem Weg zum Schwimmbad pflückten die beiden Jungkrähen Maulbeeren vom Baum hinter dem Restaurant und fütterten damit ihre kleine Schwester – mmm, süsse Beeren vom Dudabaum, bis das Mäulchen ganz schwarz war.

Der Regen hat aufgehört. Am Bahnhof kontrollieren sieben Polizisten in voller Montur die Ankunft des Regionalzuges aus Nîmes, sogar in die hohe Pinie werfen sie prüfende Blicke.
Auf dem ganzen Campingplatz gibt es heute Nachmittag keinen Strom.

Spielen mit nichts

Hinter dem Block haben wir uns nach 200 Metern links gehalten und sind weiter nach Westen bis zum Meer gefahren.

Gegen fünf Uhr früh fängt das Möwenkonzert an, ein unbeschreibliches Gekrächze und Gegacker. Gegen sechs beginnt das Grillengezirpe, eigentlich eher ein Gerassel, eine Art Flügelwetzen zur Probe, dann folgt das Guguugu-Guguugu der Tauben, dazwischen Tschilpen und Zwitschern von kleineren Vögeln. Wer jetzt noch nicht wach ist, wird von der Platzmöwe mit einem lauten Wau-Au-Au aus dem Schlaf kommandiert. Diesen hatte man doch eben erst vor zwei Stunden gefunden. Aber man weiss, jetzt beginnt die kurze schweisslose Zeit, die es zu nutzen gilt mit Lesen, Kleiderbügel aufblasen, Schreiben, Tasche auspacken.
Später wird man damit beschäftigt sein, Kühle und Schatten zu suchen, was daheim viel einfacher wäre.

Die Coole

(Postkarte: leider keine Angaben zu UrheberIn)

Die abgebildete Coole ähnelt mir in keiner Weise!
Obwohl ich am Samstag früh den Frisiersalon mit flottem Haarschnitt (Fr. 108.-) verliess, war bereits ein paar Minuten später beim Marktstand mit Federkohl und Eichblattsalat nicht mehr viel davon zu sehen. Meine Frisur glich vielmehr den Lattichsetzlingen, deren dünne, zusammengeklebte, blasse Blätter in die Töpfchen hingen.

Heute Morgen gegen halb fünf fuhr ein kühler Windstoss durch die Wohnung – einfach wunderbar! Etwas weniger angenehm empfand ich die Staubfuseln, die sich an den Fussleisten sammelten. Putzen ist in diesen Tagen eine Qual, aber der Staubsauger steht bereit, falls ….
Das Bad ist, abgesehen von der kühlen Dusche, auch kein Vergnügen mehr, schwimmen doch so allerlei eklige Sachen im viel zu warmen Wasser. Wenn sich Haare um meinen Fingerring wickeln und Plaster um meine Nase schaukeln muss ich raus aus dem Weier.

Heute habe ich von Caroline B. u.a. ein einzigartiges Bierglas (Bild folgt später) samt Karte (oben), Bier und Feinem zum Knabber als verfrühtes Geburtstagsgeschenk erhalten – gosses MERCI!

Recherchen in klaren, ruhigen Vollmondnächten sind mir die liebsten.
Da finde ich lange Gesuchtes am besten – und auch Nichtgesuchtes:

Im Mondlicht

Premiera w Teatrze Groteska, Foto: Teatr Groteska w Krakowie

(Theater nach dem Bilderbuch Dziewczynka z parku
von Barbara Kosmowska, 2012, ISBN 9788377476703)

Durchboxen

… nach Nägeln mit Köpfen!

Auf die Tische

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gemischt
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Nachmittag. Hungrig und mit nassen Federn flattern die Kleinkrähen bei mir herein. Feuchte Schuhe und Rucksäcke in die Ecke, Jacken an den Bügel. Bald sitzen sie um den runden Tisch in der Küche und bestreichen Brotschnitten grosszügig mit Butter und Quittenmus. Auf die beiden Grossen warten Englischwörtchen, kgV und ggT. Noch vor dem letzten Bissen ist Kleines Mädchen auf dem Küchenboden eingeschlafen. Ich trage das Kind in mein Bett. Im Wohnzimmer ist es aufffallend still. Sprach- und Mathematikbuch ruhen in den Tiefen der Schultaschen. Diejenigen, welche sie stören müssten, schlafen unter Kissen und Decken auf den Sofas. Draussen geht ein Regenschauer nieder.
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Eine Pionierin

Durch ein Teleskop bestaunt eine wissbegierige Maus jede Nacht den Mond. Ihre präzisen Beobachtungen führen sie zum überraschenden Ergebnis, dass der Mond eine riesige Kugel aus Stein ist. Als sie aber versucht, ihre Artgenossen über den steinernen Himmelskörper aufzuklären, stösst sie auf Unglauben. Jede Maus sollte schliesslich wissen, der Mond ist aus köstlichem Käse gemacht! Beherzt, das Gegenteil zu beweisen und ermutigt durch eine erfahrene Flieger-Maus (der gealterte Protagonist aus „Lindbergh„), entschliesst sich die kleine Maus, zum Mond zu fliegen.

Fabienne Eisenring, ganzer Text hier
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Auf dem früheren Feld „Blumen zum selber Schneiden“ sind die Neubauten seit Ostermontag um zwei Stockwerke gewachsen. Weiter ins Tal – von uns „Täli“ genannt – hinein und hinauf sind die Wiesen saftig grün. Neben Schafen und Katzen strecken schottische Hochlandrinder und schwarze Angus-Mutterkühe ihre Nasen ins Gras. Leichter Regen fällt, wir sagen dem „töiderle“.
Wie immer, wenn’s auf den Langen Berg geht, bleiben wir auch heute in der vorgeschriebenen Geschwindigkeit ein Verkehrshindernis. Ab und zu hält die Fahrerin deshalb an einer geeigneten Stelle an, damit die Pressierten überholen können. Auf der Höhe angekommen ist nichts mit Bergsicht. Schwere Wolken hängen über den schneebedeckten Graten.
Trotzdem ist heute der Tag, an welchem wir die Eltern-, Grosseltern-, Urgrosselterngräber bepflanzen.
Eeendlich!
Aschermittwoch, die Passionszeit, Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, Ostermontag, ja, sogar Muttertag blieben die Gräber ohne jegliche Blust.

Der Friedhof ist menschenleer und eine unerwartete Tristesse befällt mich, die nicht mit dem trübkaltnassen Wetter zusammenhängt. Immer mehr Gräber werden mit Zierkies und Ziersplitt zugeschüttet gestaltet. Trostlose Bienenwüsten. Krass könnte man sich fragen: „Wo gibt es für eine Biene einen besseren Platz zum Verhungern, als auf einem Friedhof?“
Ein alter Mann pflanzt einen Rosenstock auf ein Grab. Letzte Woche war er in Italien, erzählt er. Costa Ligura mit San Remo. Zum ersten Mal am und im Meer. Kalt, aber wunderbar.
Ja, jeder mache es dem anderen nach mit diesem „Grien“ auf den Gräbern. Das sei auch so mit dem Gras Mähen. „Hütigtags“ werde so oft gemäht, dass die Gräser nicht mehr absamen könnten. Schon jetzt gebe es nur noch Löwenzahn. Wenn einer mähe, mähe der ander einmal mehr und so gehe mit den Jahren alles dahin. Leider können wir dem Mann nicht widersprechen.

Auf die Elterngräber pflanze ich eine Erdbeerstaude neben Nelken, Lavendel, Thymian und Glockenblumen, streue noch ein paar Ringelblumensamen dazwischen.

In der Kirche übt der Organist ein Kleines Präludium von J.S. Bach. Er werde es an einem Konzert am 20. September in der Kirche Uetendorf spielen. Wir seien dazu eingeladen.

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Ei 1

…eigentlich Eier gefärbt?“ wurde ich in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt.

Ja, wir haben gefärbt – in der Camargue.
Es gab nur braune Eier, aber in vielen Schattierungen. Alle Kräuter waren ledrig oder mit einem Flaum bedeckt, übrhaupt nicht „anschmiegsam“.
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Die Kleinkrähen lesen in den alten Lustigen Taschenbüchern, während der kalte Wind um den Wohnwagen bläst. Aus der Schweiz erhalten wir die Schreckensnachricht, dass Notre Dame de Paris brennt und der 96 Meter hohe Spitzturm eingestürzt ist.
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Aus allen Seitengässchen tauchen sie auf, die in Regenkleider verpackten Gestalten mit ihren gestiefelten Winzlingen an der Hand. Die Parkplätze sind « complet ». Eine lange Warteschlange ringelt sich ungeduldig vor dem Eingang zum Sea-Aquarium. Die jungen Katzenhaie werden sich heute nicht über mangelnde Streicheleinheiten zu beklagen haben. Graue Wolken versprechen noch mehr Regen. In den Weinbergen von Listel, die keine Berge, sondern eine sandige Ebene sind, gruppiert sich eine Schar Senior*Innen um ihren Reiseleiter – bunte Regenjacken in hellgrünen Rebstöcken. Vor dem Stadttor fotografieren asiatische Gäste, in durchsichtige Plastikumhänge gehüllt, die Tauben in den Mauernischen und die Topfpflanzen in den Stadtfarben gelb, rot, blau.
Die Flamingos haben sich an den Schilfgürtel des Etangs zurückgezogen. Zwei Graureiher mit Hälsen wie ausgebleichtes Schwemmholz stehen regungslos am Ufer des Kanals. Im Hafen werden die Boote geschrubbt, der Verkehrskreisel bekommt eine neue Gestaltung und die Umleitungen im Städtchen wegen Strassenarbeiten bringen ein bisschen Chaos zwischen Marktstände und Strassencafés.
Die Rösslispielfrau, seit Jahren mit griesgrämigem Gesicht (verständlich, weil chronische Rückenschmerzen), bringt ihr zweistöckiges Karussell für Kleinmädchen in Fahrt. Ich fahre als Begleitung gratis mit.
Zusammen mit den hungrigen Kleinkrähen setze ich mich auf dem Platz vom Heiligen Louis unter einen Sonnenschirm, in dessen Gestänge Heizröhren montiert sind. So wohlig von oben gewärmt essen wir gebratenen Schafskäse auf Salat, Pommes und Zitronenkuchen.

X-mal öffnete ich letzte Woche die Wetterapp der Region Bouche du Rhone: Regen, Wolken, Kälte, nur wenig Sonne. Die Zeitung riet, die Osterferien auf der wärmeren Alpennordseite zu verbringen. Sicher wären unsere Nasenspitzen, hätten wir den Rat befolgt, wärmer geblieben, aber auch über kalte Nasenspitzen lässt sich hinaus sehen.

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