Fr. 19 Mai 2017
… im vertikalen Dorf.
Familie Hausmeister ist dem Aufruf der Stadt Bern gefolgt und hat im Block einen Neighbours’ Day organisiert. Die von der Stadt zur Verfügung gestellten Einladungen sahen ziemlich altmodisch aus mit lauter weissen Menschen vor langweiligen sterilen Häusern auf grüner Agglomerationswiese.
Heute früh regnete es in Strömen und Winterjacken waren angesagt. Zusammen mit seinen Helfern stellte der Hausmeister draussen ein Zelt und zwei Grills auf, dazu im geräumigen Hauseingang Esstische, einen Zeichentisch für die Kids, Bänke, Stühle und Matten für die Krabbelkinder.


Es gab unglaublich viel zu essen quer durch die Küchen der Welt. Die vietnamesichen Frühlingsrollen, der tamilische Schoggikuchen, das Huhn an scharfer Sauce nach einem ghanesischen Rezept, die kosovarische Pitte, die bernischen Schinkengipfeli und Zitronenmuffins fanden bei mindestens hundert Nachbarinnen und Nachbarn regen Zuspruch. Die Grills waren fest in Männerhand, und auch hier gab es grosszügigen Nachschub. Gefallen haben mir die Gespräche mit den Nachbarn. Bis zu welchem Alter darf man sich mit einer FC Bayern Mütze (Original) im Quartier zeigen? Höchstens bis ins dritte Lebensjahr, sonst sei YB angesagt, witzelte mein Nachbar, der einen Kiosk betreibt. Frau Scherz, Jahrgang 1942, outete sich als lebenslange treue Fanin der Berner. Sie kennt alle Stadien in der Schweiz, war immer mit dem Vater unterwegs zu den Spielen. 17 Jahre alt war sie, als 63’000 Zuschauer zusammengepfercht im Wankdorfstadion das Spiel der Jungen Buben gegen Reims mitverfolgten. War das eine Stimmung – unbeschreiblich – als Geni Meier dieses legendäre Tor schoss! Ein geschichtsträchtiges Spiel – unvergesslich, da waren sich der Mann vom Kiosk und Frau Scherz einig.
Da ich mich für alles interessiere (wenn ich Zeit habe), hörte ich auch Frau und Herrn Egger rechts neben mir gerne zu, als sie mir von ihrem früheren Leben auf dem Land in einem Berner Herrenstock mit wunderbaren alten Parkettböden und einem Bach durch den Garten samt Sprigbrunnen erzählten. Aber nun seien sie froh, im Block zu leben mit Lift und ohne Schwellen.
Die Kinder kümmerten sich nicht ums Wetter. Gespannt warteten sie darauf, dass die Hüpfburg aufgeblasen wurde.
















