Di. 5 Sep. 2017
Es dämmerte bereits und nieselte nur noch, als sie das Haus erreichte. Das Wasser des Sees schlug gegen das Ufer, und die Nachtigallen sangen ihr letztes Lied. Die Grasmücken und die Rohrsänger waren schon aufgewacht, und in der Ferne wieherte ein Pferd. Damals wusste sie es nicht, aber diese Gräusche würden sie ein Leben lang begleiten. Jenseits von diesem Ort und dieser Zeit würden sie in ihre Träume und Albträume eindringen und sie an das erinnern, was sie getan hatte…
Das bin natürlich nicht ich, sondern Alice Edevane aus dem „Seehaus“.
Ich stehe erst gegen acht Uhr auf. (Um 03:04 Uhr hat mein Telefon geklingelt, o Schreck!! Ein Anruf aus Tonga. Ich habe nicht abgehoben.)
Das Wetter weiss noch nicht so recht, was es will, aber Apps versprechen Sonne gegen Mittag. Vor dem Anziehen beantworte ich ein paar Nachrichten auf dem Handy, räume auf, lüfte die Wohnung und bündle die gelesenen Zeitungen. Erst jetzt finde ich auf meinem Nachttisch das Zettelchen meiner Enkelin mit Herz und I love you, darauf liegt eine rosa Flamingofeder. So lieb, dieses Kind!
Heute kann ich wieder einmal meine Haare richtig kämmen, nachdem ich mich seit Wochen mit feuchten Strähnen abfinden musste.
Bevor ich Kaffeewasser aufsetze, widme ich mich den Geranien auf dem Balkon, die farblich immer noch nicht zusammenpassen, aber in Gemeinschaft mit Efeu und Rosmarin doch ganz passabel aussehen. Gerade habe ich gelesen, dass einer seinen Basilikum jeden Tag streichelt. Das tue ich den Geranien nicht an, breche nur Verblühtes weg, gebe ab und zu ein bisschen Dünger und giesse regelmässig.
Der Glockenturm spielt das „Munotsglöckelein“ und die Schulkinder rennen in die grosse Pause.
Zum späten Frühstück öffne ich ein Glas Konfi vom letzten Jahr, Mirabellen aus Frankreich, ein bisschen säuerlich. In diesem Sommer habe ich zu den Mirabellen Aprikosen genommen. Das gab eine sehr feine Konfitüre.
Inzwischen ist der Himmel blau. Eigentlich könnte ich zum Schwimmen gehen. Die Wohnung sagt nein, ich müsse Staub saugen und den Badezimmerboden feucht aufziehen. Ich sage nein und lese mich durch die liegen gebliebenen Zeitungen: Sommer vorbei, erste Nikolauslebkuchen in einigen Geschäften, Interview mit dem Hassprediger von Nidau, Berichte über die Abstimmungsvorlagen für den 24. September, Unwetter …
Um 14 Uhr gehe ich in den Garten. Nach den Regentagen gibt es viel zu tun. Ich säe Nüsslersalat und Winterspinat, jäte, schneide trockene Zweige zurück, hacke ein bisschen und esse ein paar Karotten, wische mit dem Reisigbesen die ersten Herbstblätter zusammen. Mit Feder- und Rosenkohl, dazu Spinat und Nüssler sollte auch im Winter etwas Grünes auf den Tisch kommen.
Im „Schwick“ (im Nu) vergehen die Stunden zwischen den Beeten. Eigentlich ist man ja nie fertig, aber wenn nach dem Jäten und Giessen alles wieder ordentlich aussieht, ist man sehr zufrieden und kann’s nicht lassen, einige Fotos zu machen.
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