Zum Glück seien Kopftuch/Schleier in Bern kein Problem, höre ich von der Integrationsstelle. Sollen wir uns trotzdem an einer Diskussion zu diesem Thema beteiligen?
Bestimmt, denn Schleier sind nicht immer sichtbar!
Heute müssen wir uns einsetzen für Integrationsangebote, müssen und dürfen in den Schulen fördern und fordern, die Mädchen Stärke und Selbstbewusstsein lehren, sie bei der Berufsausbildung und im Studium unterstützen. „… das Rückgrat des Patriarchats sind die patriarchal sozialisierten Frauen“.
Wenn wir, besonders in der Mittel- und Oberstufe in den Tagesschulen mehr Knaben als Mädchen antreffen, weil den Eltern die Ausbildung ihrer Söhne wichtiger erscheint, sollten wir diese Gelegenheit nutzen, die Knaben zu Demokraten zu erziehen. Das ist „mi Tüüri“ nicht einfach. Aber wir müssen! Schon vor zwanzig Jahren, habe ich mich dafür eingesetzt, dass alle Schülerinnen ins Schwimmbad oder in die Landschulwoche mitgehen und dass die jungen Frauen z.B. einen Pflegeberuf erlernen durften. In meinem Quartier war das, im Gegensatz zur übrigen Stadt, bereits ein Thema. Ich halte nichts von diesem falschen „Respekt anderen Kulturen gegenüber“, der meist nur aus Bequemlichkeit vertreten wird und auf Kosten der Frauen und Mädchen geht.
Wer weiss, vielleicht gibt es einmal eine Schweiz, in der alle das Recht haben, sozial und politisch mit zu reden und in welcher das Tragen eines Kopftuches dann wirklich freiwillig ist.

Bei Lyssa läuft eine interessante Diskussion zum Thema. Was lernen wir daraus? Ich meine aus der Länge der Diskussion in kleinen Kommentarfeldern? In Deutschland sind eine Menge Wespennester übrig. Gut, dass Bloggerinnen reinstechen.

Was läuft in der Schweiz? Blogk ist nicht bekannt genug, als dass wir das in den hiesigen Kommentaren klären könnten. Trotzdem:

Meine kleine, ziemlich fertige Meinung zu dem grossen, unendlichen Thema:

Toleranz gegenüber Intoleraten hat Grenzen. Schleier haben freiwillig zu sein. Es gelten immer die Gesetze des „Gastlandes“. (Gesetzes-)Änderungen sind im Schweizerlande demokratische Prozesse. An diesen sollen sich alle beteiligen können, die hier leben und arbeiten.

Die „vordere“ Nacht träumte Albert schon wieder von ihr. Sie mähten zusammen Gras – stillschweigend, Marie mit ihren unverwechselbaren Bewegungen, so wie sie auch in anderen Träumen an ihm vorbei ging, in denen er in einer fremden Wirtschaft sass und den tanzenden Paaren zusah.

So war es auch im wirklichen Leben. Marie tanzte jeden Tanz, nur einmal bei der Damenwahl auf der Bütschelegg blieb sie sitzen, holte keinen auf den Tanzboden. Beim Feldschiessen machte Albert den Kranz und Marie gratulierte ihm, der nur stumm da stand. In den vergangenen 65 Jahren sprach er nur einmal mit Marie. Das war an der Landesausstellung 39, als die Theatergruppe des Männerchors nach Zürich reiste. „Veillon“ hatte in der oberen Etage einer Halle eine Musterwohnung eingerichtet.
Marie rief von unten: „Was isch dert obe?“
Albert von oben: “ Es Himmelbett.“
Mit den Frauen hat’s nie so recht geklappt, obwohl Albert ein flotter Reiter war auf seinem Kohli „Basilisk“. Einer hatte er eine Karte geschrieben und ein Buch geschickt. Das Buch kam wieder zurück mit dem Bescheid, sie fühle sich noch zu jung für eine Bekanntschaft.

Marie hat dann einen Hummel aus dem Guggisbergerland geheiratet und Albert ist ledig geblieben. An der Grebt von Beyeler Gödu vor ungefähr 15 Jahren sass sie ihm schräg gegenüber. Er konnte sie nur anschauen, fand keine Worte.
Letzhin hat er ihre Telefonnummer haraus geschrieben. Nein, heute möchte er keinen Kaffee, auch kein „Stückli vom Beck“.
Etwas gebückt, den Kopf zwischen den hochgezogenen Schultern, macht sich der alte Mann vor dem Einnachten auf den Heimweg. Die Katzen müssen gefüttert werden, und wer weiss, vielleicht ist heute d e r Abend, an dem er Marie anrufen wird.

… du hast wunderbare Zukunftsaussichten, denn ab 2007 wirst du zusammen mit allen anderen an 365 Tagen im Jahr genau das tun können, worauf du gerade Lust hast. Wo? In dem für Europa einzigartigen Zentrum, dem Ort des 21. Jahrhunderts, wo Freizeit, Unterhaltung, Gastronomie und Einkauf verschmelzen.
Libes Kind, du wirst über die lichtdurchflutete Mall schlendern. Das öffentliche Leben wird völlig neu definiert werden. Dieses zeitgenössische Paradies, geschaffen von einer internationalen Persönlichkeit der Architektur wird den ramponierten Ruf unseres Stadtteils, von den Medien oft als „Unort“ beschrieben, aufwerten! Bis dahin müssen aber noch Berge von Erde versetzt werden. Zum Glück gibts aus dem Oberland einen Haufen Schutt, mit dem der Röstigraben vor meinem blogk aufgefüllt werden kann. Wir werden das Tor des Westens sein, „durch das die modernen Verkehrswege entlang jahrhundertealter Pfade in Richtung Westschweiz führen“. Wir gedenken der eingewanderten Burgunder und Alemannen. Damit wir der Romandie im täglichen Leben näher rücken, sind entsprechende Strassennamen geplant. Libeskind, auch 2007 wird es noch keine Gleichberechtigung der Geschlechter geben: Die gewählten Namen bezeichnen zehn verdiente Männer und fünf Frauen! Eine mögliche Postadresse könnte dann so aussehen: Herr Aston George Swampillai-Sturzenegger und Frau Tabea Sturzenegger Swampillai, Gilberte-de-Courgenay-Strasse 453 / 4 B, 3028 CH-Bern. Wir beide haben natürlich jeder Zeit einen umfassenden Rundblick auf die Baumaschinen und ihre frisch angelegten Pisten, die Rohre, durch welche die Erde über die Autobahn transportiert wird, die Betonmischtürme, die nachts beleuchtet sind und das Bauarbeitercamp. Alles sieht proper aus. Sauberer als der Waisenhausplatz oder die Münsterplattform. Nachdem wir, du, Kind und ich viele Jahre lang zugeschaut haben, wie diese Felder gepflügt wurden, wie die Kartoffeln, der Mais, der Weizen und die Sonnenblumen gediehen, wie die Krähen hinter dem Pflug her flatterten und die beiden Bussardpärchen ihre Kreise zogen, befinden wir uns auch hier in einer Zeit des Umbruchs.

so hast du in der Not. Man könnte meinen, „Die-Da-Oben“ hätten diese Weisheit nie gehört, denn „in der Zeit“ haben „sie“ etwas anderes gemacht. Weshalb rege ich mich gerade jetzt darüber auf?
Vor mir liegt die „Gartenlaube“ Nr. 18 aus dem Jahr 1911. Da steht neben einem Mädchen in Matrosenkleid, welches eine Sparbüchse in der Hand hält:
Du m u s s t zehn Mark sparen, wenn du auch nur zehn Pfennig in die Sparkasse hineingeworfen hast, denn die Kasse verschliesst sich nach dem ersten Einwurf und öffnet sich automatisch nach dem Einwurf des hundertsten Zehnpfennigstückes. Sie registriert sichtbar jeden Einwurf von Zehnpfennigstücken, bis zehn Mark voll geworden sind. Auch für den Einwurf von Zehnhellerstücken eingerichtet. Kein Schloss! Kein Schlüssel!
Dieses Wunderding kostete nur 3 Mark. Sparen ist nicht immer schmerzlich und schlecht, aber die Fantasie darf einfach nicht fehlen.

Schweizer zum Tamilien, den er kennt:
„O hallo, gud morning, du ju häv a tiket? Auer trafikminister had not a tiket. Hi pey sörtyfäiv fränks for not kamming in prisen.“
Der Tamile lacht. Er hat ein Jahresabo. Ihm kann so was nicht passieren.

Auf dem Wahlplakat neben der Kirche haben „sie“ der Edith und der Regula weisse Vampirzähne gemalt. Alex trägt seinen Zahn mitten auf der Stirn.
Vor dem „Gübelin“ sitzt eine junge Frau im Rollstuhl, streckt mir mit traurigem Blick einen Plastikbecher entgegen. Neben dem Eingang zum „Schweizerhof“ klappert ein Mann in Trainerhosen mit weissen Seitenstreifen mit einer Münze in einem Becher. Vor dem Eingang zum „PKZ“ spielen zwei junge Burschen Saxophon und Gitarre. Vor ihnen steht eine leere Blechschachtel.
Auf der Gasse neben dem „Loeb“ singt einer Chansons. Vor dem „Küttel“ spielen zwei junge Männer Handharmonika. Die Musik vermischt sich mit derjenigen der beiden Musikanten zwischen „Globus“ und „Vatter“. (Gitarre und Geige). Vor dem „FCW“ steht ein Mann mit einem kleinen Jungen. Beide singen aus voller Kehle. Die hohe Kinderstimme ist bis in die „Migros“ zu hören. Mit dem Singen der Schweizer und Schweizerinnen stehts anscheinend nicht mehr zum Besten. Finden wir doch in unseren Reihen nicht einmal mehr Leute für den Song Contest 2005. Bitter, bitter!
In den Nachrichten wurde gemeldet, dass in Deutschland 1 Million Kinder unter der Armutsgrenze leben. Das ist allerdings bitter, denn der Kanzler wird nichts für sie tun können, hat er doch schon ein armes Kind aufgenommen.

Der Herr Schweiger ist ausgebrannt. Und deshalb sehen wir in den Medien ganz viele FDP-Frauen wie gehabt mit Foulards aber neu mit besonders schmucken Ginkoblatt-, Speer- und Schneckenbroschen. Sie sagen uns, wie „träauurig“ sie sind und dass „ds Wichtigscht“ sei, dass „dä Rolf“ wieder gesunde. Die FDP hat inzwischen echt an Frauenprofilen gewonnen und sollte ernsthaft über eine Namensänderung nachdenken. Frau Drägt Brosche.

Einerseits ist für mich klar, dass in einem von der Stadt betriebenen Museum normale Arbeitsplätze entstehen müssen. Andererseits meine ich, dass man engagierte und interessierte Pensionäre nicht abweisen sollte. Warum das Projekt nicht auf die ganze Stadt ausdehnen? Ein Verein „Rentner für Kunst“ (RFK), der wichtige Arbeiten in allen Museen übernimmt, für die niemand zahlen kann. Schulklassen beim ersten Anlauf ins Museum helfen, Schliessfächer erklären, Kranke oder ältere Menschen im Rollstuhl durch die Museen rollen, Menschen mit Behinderungen führen. Die Schwelle senken, Kunst zugänglich machen. Es gibt so viel zu tun in dieser Stadt. Sollte ich einmal finanziell abgesichtert und gesund in Rente gehen können, werde ich gerne einen Besen in die Hand nehmen.

Nein, mit dem Bus fahre sie nicht mehr in die Stadt, erkärte mir eine gute Bekannte, seit über zwanzig Jahren mit einem Nordafrikaner verheiratet. Dieser Lärm, der Schmutz, die vielen Ausländer seien ihr einfach zuwider, und sie nehme lieber das Auto. Mir sind diese täglichen Fahrten in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer ein Vergnügen. Trotzdem möchte ich sie nicht missen, denn ich treffe die unterschiedlichsten Menschen, gehöre dazu auf dieser West-Strecke der Stadt.
M., eine junge Frau aus dem Quartier erzählt mir, sie sei immer noch auf Lehrstellensuche. Vor einigen Tagen durfte sie bei der Post schnuppern und einen Briefträger auf seiner Tour begleiten. Das gefiel ihr sehr und auch der Briefträger war äusserst zufrieden, konnte M. doch immer mit ihm Schritt halten. Auch den schweren Postwagen schob sie ohne zu murren den Berg hinan, was bis jetzt noch keiner Frau gelungen war. Nun darf M. in einigen Tagen zum Multicheck antreten. Den kennt sie schon von anderen Betrieben. Die junge Frau hat keine Hoffnung, diesen bei der Post zu bestehen. Jeden Tag bekommt sie von den Eltern 10 Franken. Wenns wieder nicht klappt mit der Stelle, muss sie „zur Soziau“.
Auch N. möchte endlich eine Lehrstelle finden. Seit zwei Jahren arbeitet sie in einer Kinderkrippe und möchte Kleinkindererzieherin werden. Sie hat schon unzählige Bewerbungen geschrieben, aber auf eine Lehrstelle melden sich bis zu 60 Leute. N. träumt davon, ins Militär zu gehen und Hundeführerin zu werden. Sie könnte ihren eigenen Hund mitnehmen.
S. kommt zusammen mit seiner Mutter von einem „Tag der offenen Tür“ in einem Gymnasium zurück. Der Campus gefällt dem Knaben. Die Mutter findet die Architektur der Anlage aber ziemlich spiessig und sähe es gerne, wenn der Sohn für sein Studium eine baulich klarere und geschmackvollere Institution wählen würde. Sie will aber nicht beeinflussen. Da S. in allen Fächern talentiert ist, bis in einigen Tagen aber ein Schwerpunktfach angemeldet werden muss, rückt die Frage der Architektur auf den zweiten Platz.
Ich sitze neben einer ehemaligen ABM-Verkäuferin. Sie erzählt mir von der neuen Stelle bei Migros. Nein, die Arbeit im Untergeschoss des Glasgebäudes macht ihr nichts aus. Die teuren oberen Etagen mit Tageslicht hat Migros an andere Geschäfte vermietet. Bei ABM gabs für die Mitarbeitenden nie etwas zum Geburtstag. Bei Migros ist das anders. Die Frau hat zum ersten Mal in ihrem Verkäuferinnen-Leben einen Blumenstrauss und einen 20 Franken-Einkaufsgutschein erhalten!

erspart die Zimmerfrau,
hilft aber nicht bei ausgeleierten Scharnieren.
So bestellte ich im August den für die Liegenschaft zuständigen Schreiner, denn seit Wochen hängen die Schranktüren im Badezimmer durch. Gestern erschien Herr S. mit seinem Werkzeugkasten, entschuldigte sich für die lange Wartezeit: Die Gattin führt seine Agenda, vergisst hie und da die Termine einzuschreiben, bucht doppelt. Ja, ja, da geht leider manchmal etwas schief.
Als erstes hob der Fachmann die Badezimmertür aus den Angeln und kippte diese an die neu tapezierte Wand. Frau eilte mit polsterndem Barchent herbei, mahnte zur Vorsicht. Kurz darauf ging die Lampe über dem Lavabo in Scherben.
„Exgüsee. Heute ist für mich einfach Freitag, der 13. Habe schon ein Glas Schrauben fallen lassen.“ Herr S. machte sich leise auf die Suche nach einer neuen.
„Also doch nicht so schlimm mit dem Tag,“ meinte er eine halbe Stunde später lächelnd und begann mit der Montage der neuen Lampe. Nun gab es aber einen Wackelkontakt oder war etwa die Birne durchgebrannt? Wieder hörte ich etwas fallen.
„Exgüsee.“ In der hohlen Hand von Herrn S. lag die Steinfigur vom Tablar.
„Ds Froueli het ds Füessli bbroche.“ Sorgfältig legte er es neben den Blumentopf. Bis zum Mittag sei er sicher fertig mit den Schränken, aber „villicht verschrisse-n-i no dr Duschvorhang.“

Ich möchte schreiben, aber ich weiss nicht wie. Mein Tamagotchi ist weg! Ich habe es kurz auf einer Bank vergessen und dann hat es jemand genommen. Ich habe noch mit der Taschenlampe gesucht unter der Bank und auf dem ganzen Tschuttiplatz. Und meine Uhr habe ich neben das Goal gelegt, weil man die als Goali wegen dem Wehtun und Kaputtgehen nicht anbehalten kann. Dann hat sie M. genommen und verstellt und sich krumm gelacht, als ich nicht mehr wusste wieviel Uhr es war und Papa sauer wurde, weil ich zu spät nach Hause kam und das Glas von der Uhr war plötzlich auch kaputt.

Man hat meinen ganzen Besitz vernichtet.

Juppiiii! Ich habe frei! Die Lehrerin hat einen Ausflug. Und zu Weihnachten bekomme ich mein erstes ferngesteuertes Auto.

Der Tag fing keineswegs vielversprechend an. Um 06:00 Uhr war’s stockdunkel und es regnete. Kein Wunder, dass ich mein Gesicht mit Nachtcreme einschmierte. Mit Tageshoroskopen kann man mich jagen, aber heute warf ich beim frühmorgendlichen Bündeln der Zeitungen einen Blick darauf: Ich soll mir keine Sorgen machen, wenn ich heute Schlüssel verlege oder Gegenstände fallen lasse.
„Kein Grund zur Panik, was beweglich ist, ist in Bewegung und kann verloren gehen. Flexibilität in jedem Moment hilft sehr.“ Danke! Es reichte noch schnell für einen Blick ins stadtblatt zu den Gemeinderatswahlen 2004. Die Überschrift auf Seite 4 ist leider total misslungen. Ich werde die BUI-Direktorin trotzdem wieder wählen.
Im Ladenzentrum teilte mir Herr H. munter mit, dass morgen wieder „Wucheteilig“ sei. Zu diesem Ereignis bekomme ich immer eine Tafel Lindt, die er aus seiner „Chuttebuese“ zieht.
Der Bus war bis zum letzten Platz besetzt, und ich konnte nur die rechte Seite „Bund“ lesen. Im Bahnhof wurden Rubbellose verteilt. 1. Preis: Ferien in einem Luxushotel in der Karibik. Die Leute rubbelten mit Geldstücken, Kaffeelöffeln, Knöpfen … nichts.
Am Arbeitsplatz durfte ich ein bisschen über Rosa Bloch-Bollag recherchieren. Diese brillante kämpferische Marxistin ist nicht eines mysteriösen Todes gestorben, wie der Wissenschaftler aus Zürich vermutete. Sie starb 42 jährig, 1922, an einer missglückten Kropfoperation. (Historisches Lexikon der Schweiz, Annette Frei Berthoud).
So blieb leider vieles ungesagt.
Der Nussbaum verlor in der vergangenen Nacht die letzten Blätter. Ich klaubte die Nüsse aus dem nassen Gras, liess den Elstern noch ein paar.
Zu Hause hatte ich ein Mail aus Ulan Bataar, „World’s Coldest Capital“, wo Freunde bei Hammelsuppe und Hammelravioli bei nächtlichen -20° auf den Zug nach Peking warten.
Schlüssel habe ich heute keine verlegt und auch nichts fallen lassen. Allerdings hat sich das Bewegliche tatsächlich bewegt und mit der Flexibilität ist es so eine Sache, besonders für Frauen …

streichen die Elstern durch den Nussbaum, der Regen tropft in die Rosen, die Sicherung brennt durch, und die Verbindung zum Server hinunter in die Nebel verhangene Stadt ist gekappt.
Der abgemagerte „Bund“ ist gelesen und so blättere ich in „Wöchentliche Mittheilungen aus den interessantesten Erscheinungen der Literatur zur Belehrung und Unterhaltung für alle Stände“ No. 35, vom 1. Sept. 1844. Und siehe da, diese Wochenschrift,
25 Btz. für sechs Monate, hat nicht weniger zu bieten, als einen heftigen Blogk-Text für das Jahr 2004:
„… aber diejenigen, welche aus einer Epoche herstammen, wo sie an der Spitze aller umgebenden Kreaturen zu stehen dachten, können ihr Vorrecht nicht vergessen und es ist wahrhaft lächerlich, die Ansprüche des verwitterten Adelsstolzes zu sehen, die schwerlich niedergelegt werden dürften, ehe man ihre Besitzer an der Seite derjenigen Menschen bettet, die sie verachteten, und auf das hochmütige Herz eine Schaufel Erde wirft.
Nirgends aber findet sich in der Schweiz … der alte Kastenstolz in so ausgezeichneter Auflage als in Bern, das von jeher die Heimath desselben war. … und man darf nicht sehr in die Vergangenheit zurückschreiten, um sich zu überzeugen, dass in ihrem Kreise jeder Mensch gering geschätzt wurde, mochte er noch so gut, geistreich und talentvoll sein, wenn er nicht gleich ihnen das Patriziat an der Stirne trug.“

Dem unbekannten Erzähler sei hier gedankt.

In der Klasse von 3rd ist auch ein Junge aus Vietnam mit Eltern, die uns an Gepflegtheit Meilen voraus sind. Er hat 3rd erzählt, dass er für jedes vergeudete Reiskorn einen Wurm wird essen müssen. Im goldenen Jenseits.

3rd isst auch auf, ich habe ihn immer vollgequatscht mit an Arthritis leidenden Bäuerinnen, den polnischen Feldarbeitern, den Lastwagen und ihren übermüdeten Fahrern, dem Kerosin, dem Kochgas, dem Warmwasser, den unterbezahlten Verkäuferinnen und sonst allem, was es so braucht, bis der Reis im Teller ist.

Zwei Methoden, die wirken.

Block-Bewohner reden viele Sprachen und fast jede hat noch eine Superspezial-Abweichung und behauptet von sich, ganz einmalig zu sein. In meinem Blockeingang (der sich romantisch „Hauseinang“ nennt) sind das:

2 Albanisch (einmal die mazedonische Variante)
1 Hindi
1 Urdu
1 Serbisch
1 Kroatisch (das sich seit Jahren um die Unterscheidung vom 1 Serbisch bemüht)
2 Kurdisch (der türkische Teil)
3 Berndeusch (1x altbacken, 1x Knacki-Style, 1x Block-Style)
1/2 Türkisch (da gemischt)

Block-Bewohner unterhalten sich unter anderem via Gegensprechanlage („Lehrfahrausweis“ „Coiffeur“ „Manikür“ „B-Ausweis“ „Sozialamt“ „Schulzahnklinik“ werden nie übersetzt). Das geht wunderbar, es gibt nur eine Leitung und kosten tut es nix. Weil sowieso nie jeder jeden versteht, ist auch wurscht, dass jeder jeden hören kann.

24.09.04: Todesanzeige aus Israel von E.M.

„… they had separated from us for ever. Mirjam was gone at January and Micha just now, at 14th of September. Both were born in Berlin in 1908 and knew each other 70 years, loving like a couple of pigeons until they last day … „]

Liebe Mirjam,
Lieber Micha
in der Kleinen Welt habt ihr für den Frieden gelebt. Es ist tröstlich zu glauben, dass ihr ihn nun in der Grossen Welt gefunden habt.

BeAhava
C.

TATEN STATT WORTE. AGIR, PAS PARLER. FATTI, NON PAROLE.

Diesen Claim von Migros finde ich toll. Die ganze Werbung ist gut. Und besonders die.

Archivalia bringt es auf den Punkt. Ich kenne Vorgesetzte, die sollten sich das hinter die Ohren oder sonstwohin schreiben, wenn sie jeweils zum Container pilgern, weil sie sich gerade mal eben im Besitze einer „Licence to kill“ wähnen. Aber das sind nicht die wahren Archivare, sondern die Mäzene, die halt immer das Gefühl haben, dass ihnen alles gehört, auch wenn sie längst eine Stiftung sind. Möge der Schutzpatron der Bibliotheks- und Archivmenschen, der Nachgeborenen und der Schreiberlinge solch Gewissenlosen (oder Verwirrten?) sanft ein Bein stellen.

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