Juli 2010


Leere Klammern

Nicht verwunderlich, dass mein erstes und einziges Papiertaschentuch (Enkelglace) in die schwarze Shirtwäsche gerät. Wie Kletten hängen die Fuseln am Feinen. Jeden Sommer vor den Ferien suchen mich die grössten Zweifel heim, ob ich überhaupt verreisen soll. Gibt es nicht gerade jetzt eine Menge zu erledigen? Wäre es nun nicht besonders schön in der aufgeräumten Wohnung und dem gejäteten Garten? Was, wenn irgend etwas schief geht? Habe ich alles Nötige dabei? Auch einen Hammer, damit ich die Autoscheibe einschlagen könnte, falls die Elektronik aus irgend einem Grund – Mashallah – ausfallen sollte?
Ich besorge noch eine Zeltleine mit Schnurspanner, dann hätten wirs. Hausmeisters machen zusammen mit mir Ferien, aber noch klemmt das Garagentor, die Brandklappe in Frau R.s Badezimmer konnte wieder geöffnet werden, die Sonnenstore bei W.s wird auch repariert, so wie das WC des angesäuselten Vietnamesen. Und da ist noch der Zwist in der Waschküche zu schlichten. Frau C. verlangt von Frau F. dass sie sich anpasst an die Regeln in diesem unserem Land punkto Reservemaschine und überhaupt. Die Reserve stehe für Frau C.s Defekte. Frau F. sieht das anders und braucht die Reserve für ein Zwüschedürewöschli, was Frau C. in höfliche Rage bringt.

Irgendwie schaffen wir es immer, in diesem sandigen, windigen, salzigen Platz anzukommen und auf dem Delta für einige Wochen abzuhängen – zu „tschillen“, wie das in Berndeutsch heisst.

Einen schönen Sommer!

Noch sind die warmen Jacken vom letzten Winter nicht definitv versorgt und die Füsse haben sich eben gerade in die passende Sommerbekleidung gefunden (stolpern nicht mehr an den auseinandergrittenden Bsetzisteinen der Berner Gassen) und schon flattern plumpsen die Kataloge mit der Herbst/Winter „Collection“ 2010 in den Briefkasten. Ich hoffe nun, dass sich die Frauen nicht zu zahlreich für diese Kreation entscheiden und sich mit einem Gitzihörnchen begnügen werden. Es könnte sonst zu Vekeilungen kommen unter den Lauben. Hier eine hübsche Auswahl.
Hoffentlich reicht der Hörnervorrat aus den einheimischen Beständen.
Ich jedenfalls bin zufrieden mit den kerbgeschnitzten Wetzsteinfässern aus der Hinterlassenschaft meines Vaters

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10’000 Schritte pro Tag seien ideal. Diese Zahl werde ich bis zum Abend mit Leichtigkeit erreichen, denn jetzt, um 10:10 Uhr habe ich schon 3’478. Seit vorgestern besitze ich einen Schrittzähler, das von mir gewünschte Geburtstagsgeschenk von 3rd, male. Motiviert klettere ich über Wendeltreppen, schreite durch die Lauben, suche ungenervt meinen jeden Tag anderen Weg durch Baustellen, irre zu provisorischen Haltestellen, immer in der Gewissheit, dass dadurch meine Lebensfreude gesteigert wird.
Dieses „step-by-step“ wende ich auch an, wenn ich nicht weiss, wo anfangen, weil sich irgend ein Berg vor mir türmt. Dann beginne ich mit etwas Leichtem, z. B.: eine Blume auf den Tisch stellen, die Zahngläser reinigen, die bezahlten Rechnungen ablegen … Meist gehts dann schnell weiter mit Berg abtragen, ab heute natürlich gezählt.

Deine Rückennummer wird nie mehr vergeben werden.

(Vorgesetzter zu seiner nun pensionierten Mitarbeiterin)

Yogi-Drink muess hüt no furt. Mir hei no so viu. Dä verfaut ja nume i de Ferie. I schriibe e Zedu, s’isch nume sone Frässfözu, dass d’Lüt wüsse, dass dr Yogi-Drink hüt nume e Franke choschtet. Ja, es schtimmt, hüt überchunnt me dr Yogi-Drink zum haube Priis.

Sändle, bringsch mer o eine?
Hie, Pädu, trink e Yogi-Drink, du hesch doch gärn Mocca. S’isch gsünger aus Bier.
Kuul, Yogi-Drink mit Nussgipfu! Chum, Core, nimm o eine, da treit sicher nid uuf.

I ga i Chäuer no ga reiche. Wini gseit ha: Sisch doch besser, we mene biuiger git, aus dass er no ablouft. Himbeer isch usverchouft, aber Öpfu u Mocca hets no.

Schöni Ferie!

Das Restaurant mit Blick auf Alpenkranz und lächelden See wirbt neben dem Panorama auch mit einem Kinderspielplatz. Zu erreichen ist dieser über eine Steintreppe ohne Geländer. Die Sonne brennt heiss auf Spielgeräte, Sand und Köpfe der Kleinen. Weit und breit weder Baum noch Sonnensegel. Die Terrasse ist nur mässig besetzt mit einigen Gästen aus den umliegenden Alters- und Pflegeheimen. Ich frage nach der Glacekarte und erhalte nach einiger Zeit zwei kleine Zettelchen mit den Glacearomen in Deutsch und Französisch: SchokoldeChocolat, VanilleVanille, NüsseNoisette, PistachePistache. Das entsprechende Kästchen muss angekreuzt werden, was auf dem Schiefertisch ein bisschen wacklig heraus kommt. Wir warten laange auf das schriftlich Bestellte und werden beinahe so ungeduldig wie die Kinder. Endlich kommen die Kugeln in einem schiffartigen flachen Teller. Dekoriert sind sie mit Blättern und zwei fünflibergrossen steinhart gefrorenen Geléeschnecken in Giftgelb und -grün, eine Gefahr für Gebisse jeden Alters. Wir fragen um einen zusätzlichen Löffel. Der werde gebracht, sobald sie wieder auf die Terrasse raus komme, belehrt uns die Kellnerin. Wir warten gerne und beschliessen nach einer laangen Weile, die Glace (Fr. 18 .-!) zu trinken.