Fingerhut neben Zwiebeln

In der letzten Zeit verbringe ich viel Zeit im Garten, denn ich lese kaum mehr Zeitung und schaue wenig Nachrichten. Interessanterweise fragt mich niemand nach meiner Meinung zum „Nahen Osten“, obwohl viele wissen, dass ich in dieser Gegend einige Jahre verbracht habe. Darüber bin ich froh, denn ich muss mir dann auch keine Patentlösungen von Leuten anhören, die jahrausjahrein ungestört schlafen dürfen.
Nicht nur, dass der Regen den Stachel- und Johannisbeeren geschadet hat, auch der Kugelfisch, den wir Berner fürs neue Tierpark-Aquarium kaufen wollten, ist einer Überschwemmung im Keller des aargauischen Fischhändlers zum Opfer gefalllen – Pech, nun ist Geduld gefragt, denn diese Fischchen sind selten.
Solche Probleme nehmen viel Platz ein in unseren Zeitungen.
Gerade habe ich einen Fingerhut neben Borretsch und Zwiebeln gepflanzt – giftig neben essbar. Oleander in friedlicher Nachbarschaft mit Frauenmantel, Rainfarn und Salbei. Im Garten ist’s möglich.

Diese Idylle wird im Moment von einer Gruppe Nachtbuben gestört, die über den Zaun klettern, allerlei kaputt machen und ihren Müll hinterlassen. Eigentlich gibt es hier herum zahlreiche Plätze, wo sie sich aufhalten könnten, aber diese sind frei zugänglich und deshalb überhaupt nicht cool.

Im Rüegsauschachen ca. 1946

Grossmutter Elise G. mit ihrer ersten Enkelin, ca. 1946

I söll doch bitte zum Geburtstagsapéro öppis säge, hei miner Töchtere gmeint.
Wie macht me das, ohni dass es e Art vorzogni Grabred wird?
I has probiert:

Weme gsung u zwäg sibezgi cha wärde, isch das es Glück u nid sälbverständlech.

Ganz ohni Regle u Wiisheite vo de Altvordere wärs allwäg nid so guet gange. I ha es paar drvo notiert, wo ni euch nid möchte vorenthalte. Wär weiss, villicht chöit dir die einti oder angeri bruche.

Mi Grossmueter, d Rosa Schenk, het mir, woni no chlyn bi gsi, d Angscht vor wilde Tier gno, wo im Troum oder in Würklechkeit eim so chönnti begägne. „Stang eifach a Wägrand u sing es Lied,“ het si grate. Si het das nid sälber ustänkt. Es isch im „Schäflihirt“ gstange, däm Blettli, wo dr Brüederverein für d Jugend monatlech useggä het. D Grossmueter het mer es Bildli zeigt mit eme gfürchige Löi drufe. „Also, wen i däm ‚Gott ist die Liebe’ singe, macht dä mir nüt“ ha ni gwüsst.
Speter het de dr Vater albe vo mene Kolleg verzellt, wo die Singregle nid het kennt u em Löi darum i d Schnure ine greckt heig bis zum Schwanz hingere u ne de grad – ruckzuck – lätz gmacht heig. I bi nume einisch im indische Dschungu churz amene Tiger begägnet, für nes Lied häts gar nid glängt.

Mit mire angere Grossmuetter, dr Elise Glauser Pfeiffer, bin i öppe a dr Ämme uf dr Rüeggsousite ga spile. Mängisch si mir o uf dr Holzbrügg i ds Wasser abe ga luege. Wemer lang gnue uf d Ämme gluegt hei, hei mer gmeit, mir fahri.
Schiff fahre het mer gäng gfalle, sigs uf em Meer, ufeme Kanal oder uf em Thunersee.
Wi mir ja vo üsem Unggle Graf Ärnscht wüsse, sött me sech der Wunsch nach ere Thunerseefahrt müglechscht schnäll erfülle. Dr Ärnscht isch nämlech gschtorbe, bevor är no einisch uf em See isch gsi.

Das i chli verchlemmt bi u sicher ke Meischterin i dr sexuelle Ufklärig, ligt nid a mine Eltere. Wo ni öppe füfi bi gsi, hei si mer gseit, wie das geit mit de chlyne Ching. Dr Liebgott schickse vom Himu obenabe u si chömi blutt uf d Wält – „nackt und bloss“. I bi de mängisch lang am Fänschter gschtange u ha ghoffet, so nes Bebe gse abezsägle. Aber nüt ha ni gseh, u i has vo däm Libgott fiis gfunge, dass er o Bebe blutt abeschickt, wes chalt isch u rägnet.

Drum bin i froh dass dir alli guet sit glandet.

I ma mi erinnere, das i lang zwe grossi Wünsch ha gha, nämlech e Isebahn Wage voll Wule u e Isebahnwage voll Büecher. Vo beidem hani i als Ching gäng zweni gha. Es Strängli Wulle het für mi Fuessgrössi lang nume für ei Socke u ds Börtli vom zwöite glängt.

Dr „Schäflihirt“ isch jede Monet cho u i ha ne scho bevor das i i d Schuel bi cho, sälber chönne läse. Iprägt het sech mir die Gschicht vom chlyne Negerbüebli us em heisse Afrika, wo mit sire Mueter het ufe Acher müesse ga. D Muetter het vil Fuhre ghacket u äs het ds Meiss dri gleit, wie d Mueter ihm het gseit. Aber äbe, das Büebli hets de nid eso genau gno, was me de ersch speter gseh het, wo die Saat isch ufgange.
Das isch für mi e Lehr für ds Läbe worde.

I ha eigentlech zum Isebahnwage voll Büecher wölle cho.
I dr Oberschuel hani 2 Büecher i dr Wuche dörfe näh. Es het eifach i dam Bibliotheksschaft vo der Sek Riggischbärg nume wenig ha. De hani de no chönne die Büecher etlehne, wo dr Unggle vore Schuelkollegin währet em Studium het gläse u deheim im Stöckli het la lige: Schopenhauer, Veterinärmedizinisches, Förschtergschichte vom Ludwig Ganghofer u Bärgstigerromän vom Gustav Renker.

(mehr …)

Meertruebeli

Dieses JOHANNisbeer-Foto zum Beitrag ist nur scheinbar unpassend (aus meinem Garten)

Ginge es nach den Jungspunden, würde die Frauenorganisation in meiner Partei aufgelöst. Sie sei nicht mehr zeitgemäss, denn schliesslich hätten wir, argumentieren die jungen Genossen, abgesehen von einigen Kinkerlitzchen, die Gleichstellung der Geschlechter erreicht. Allenfalls könne man ja eine Art Geschlechterbüro einrichten.
Wieder typisch, denke ich. Eine super funktionierende selbsttragende Organisation, die sich – weil für Frauenanliegen – für die ganze Gesellschaft einsetzt, wird demontiert und irgendjemand soll irgendwie irgendwo irgendwann ein neues, „auch den Männern zugängliches“ Büro aufmachen.

Dass Männer nicht vernächlässigt, gar ausgeschlossen werden, dafür setzt sich neuerdings auch eine SVP-Stadträtin ein. (Ich mag gerade nicht verlinken.)
Wie bitter sei es z.B. beim Schweizer Frauenlauf Bern für die Männer, nur Zuschauer am Strassenrand sein zu dürfen, obwohl sie doch täglich joggen (während ihre Frauen einkaufenkochenwaschenkindervonderkitaabholenputzen?) und sie mit ihren kräftigen Waden den Lauf problemlos bestreiten könnten, wenn man sie nur liesse. Ein reiner Männerlauf muss her! Die rechte Stadträtin wird ihn für ihre unterdrückten Brüder organisieren. Das ist sie ihnen schuldig, denn zusammen mit zehn SVP-Männern darf sie schliesslich als einzige SVP-Frau im Stadtrat sitzen.

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über die Frauen schreiben, denen ich in der vergangenen Woche begegnete.
Ein paar Notizen auf meinem Zettel:
Suzanne: „Manchmal liege ich in den Bohnen, schaue in den Sternenhimmel und merke, wie klein ich bin.“
Lotti: „Als ich jung war, machten mich Wörter wie ‚Ewigkeit‘, ‚unendlich‘ und ‚Universum‘ fast wahnsinnig.“
Therese: „Nachdem ich den ganzen Vormittag anspruchsvolle Kundinnen und Kundinnen beim Kauf von Vorhängen und anderen Dekostoffen beraten habe, lege ich mich in der Mittagspause im Sousol des Geschäfts auf eine Liege zwischen die neuesten LED-Vorhangkollektionen. Da kann ich super abschalten.“
Marie-Luise: „Mit dem Literaturpreisgeld will ich einen Hühnerhof bauen mit einem starken in die Erde gesetzten Zaun gegen den Fuchs. Dann reichts vielleicht noch für einen Wintergarten.“
Leni: „Als Politikerin ist es schwierig, Freundschaften zu schliessen, die das Amt überdauern.“
Louise: „Nächsten Monat werde ich anfangen, jungen Kriegswitwen in Sri Lanka Englischunterricht zu geben, damit sie die Aufnahmeprüfung in eine Schule bestehen. Diese Frauen gehören zu der alleruntersten Kaste und haben sonst null Chancen.“
Franziska: „Ich bin daran, intensiv Italienisch zu lernen, weil ich mich im ‚Movimento AvaEva‚ engagiere. Als Biologin biete ich den ‚Grossmüttern‘ u.a. Wanderungen zum Thema ‚Pflanzen‘ an. Die Frauen helfen mir mit der Sprache, so dass mir das Italienische immer leichter fällt.“
Kea: „Dass es dem Kalifornische Mohn in deinem Garten nicht zu gefallen scheint, ist nicht deine Schuld. Ich habe ihn in meinem Garten in Kalifornien ausgesät und nichts ist passiert.“
Madeleine: „Als Grossmutter brauche ich ein grosses Auto und eine grosse Kuchenform.“

In diesem Jahr gibts Johannisbeeren in reichen Mengen – es ist ein Geben und Nehmen in Form von leckeren Kuchen und Konfitüren. Gelee für die Spitzbuben wird auch noch eingekocht.

Hulk

(„Blumenmädchen“ das Grüne ist von Jeff Koons, Foto: FAZ, 24.06.14)

Natürlich ist meine Freundin Caroline selber gross, trotzdem konnte ich’s nicht lassen, ihr den klugen Rat eines Mannes für ihren ersten Besuch der Art Basel mit zu geben:
Schaue nur – Kaufe nichts! (Simon de Pury, Kunsthändler).

Hier das „klitzekleine querschnittchen-appetithäppchen von der art basel“ für die Daheimgebliebene:

Liebe Frau Blogk
um es grad vorwegzunehmen, ich fand die art basel ganz famos. wir waren zu viert, schwärmten aber im zweierteam durchs geschehen. mittags kurz eine sehr überteuerte bratwurst und ebensolches wasser einverleiben, dann gings weiter. geschaut hab ich viel, gekauft natürlich nichts. wenn man für ein gütterli wasser schon 6.50 bezahlt, liegen schiele, botero, miró … nicht mehr drin.
es hatte hammersaumässiggute werke! frisch gewagtes, zum beispiel ein asiate, der zig hundert murmeln zusammenklebt. zu sehen war ein krieger, sitzend, lebensgross. ich stelle mir schon mal gerne vor, wie der körbeweise glasklare märmle in seinem atelier zu stehen hat. vielleicht ein wenig chaotisch werkelt, die glaskugeln auch den boden bekugeln, der künstler in fiebriger andacht am werk, rutscht aus, wahrscheinlich nicht murmelnd, sondern sich laut artikulierend! unsereins, die des fernöstlichen nicht mächtig sind, nicken trotzdem mitfühlend.
aber nicht nur die kunst hatte es mir angetan, auch die leute waren sehenswert. wie schillerndschrill gezierte fische, gleiten sie, oft im schwarm, vorüber. wunderbar!
ich finde auch jeff koons immer erfrischend (ja, der mit der Cicciolina, sagt frau Blogk). er arbeitet mit metall. das fertige produkt scheint schwebend leicht. seine kunterbunten werke sehen aus wie die ballontierchen, die clowns, vielleicht auch superclowns? … für kinder anfertigen. ausgestellt war ein aufgeblasener badedelfin mitsamt haltegriffen und ventil. so gut! die dinger sehen wirklich federflockigleicht aus. wenn man aber klopft, was man natürlich nicht soll, tönt es metallisch. sehr verspielt, sehr vergnüglich sowas zu sehen.
nach fünf stunden intensiver kunstkonsumation waren wir doch recht knille. so viele eindrücke. ich habe heute morgen im radio gehört, dieses jahr gab es einen besucherrekord, und das die art basel die grösste kunstmesse der welt sei!!! wusste ich nicht.
nächstes jahr gehe ich gerne wieder!

ganz ungekünstelte, dafür herzliche grüsse, sende ich dir in deinen montagabend.

Caroline

Kefen I Kefen II

Als vor einigen Tagen zu später Stunde ohne jegliche Vorwarnung und wie durch Geisterhand mein Faden zum Weltnetz riss, galt meine erste Sorge dem unvermeidlichen Kontakt mit dem Contactcenter meines Anbieters.
Ich gehörte zu denen mit den schlechten Callcenter-Erlebnissen. Umso erfreuter war ich, mit einer freundlichen Beraterin zu sprechen, die mich, ohne auf mein Alter oder Geschlecht hinzuweisen (Stecker nicht eingesteckt, Computer nicht aufgestartet, haben Sie überhaupt einen Computer …), durch eine Liste möglicher Fehler lotste – zwar ergebnislos, aber über ihren Feierabend hinaus. Ein Techniker sei nicht zu umgehen, und der werde mich am nächsten Tag anrufen. Als Herr Guggisberg sich wie versprochen am andern Morgen meldete, bat ich ihn, auf dem Weg zu mir noch schnell im Verteilerkasten an der Melchstrasse vorbei zu sehen, es könne ja sein, dass sich dort die Kabel … Das tat Herr Guggisberg und stellte sogleich fest, dass ich „ausgeschlauft“ wurde. Weshalb, das könne er sich auch nicht erklären. Umgehend werde er mich wieder „einschlaufen“ und alles sollte wieder klappen. Merci vielmal, das tat es!

Schon lange hatte ich keine netzlosen Tage. Ich las das dicke Buch fertig, dazu ein paar Kritiken von schlauen Leuten und einige andere Bücher zum Thema. Jeden Tag schwamm ich einsame Runden in „meinem“ noch sehr kalten Bad, jeden Tag schaute ich im Garten vorbei, zupfte dort, grub hier, hackte überall ein bisschen, schaute den Pflanzen beim Wachsen zu und besuchte die Nachbarinnen in ihren Gärten.

Heute habe ich die ersten Kefen geerntet. Sie sind süss und saftig.

Kefen & Co. Rosen

An die Abstimmungssonntage in meiner Kindheit erinnere ich mich noch. Vater ging dann „gsunntiget, geputzt und gestrählt“ der Kirche zu, um etwas Wichtiges zu erledigen, was wir Kinder, die mit der Mutter daheim bleiben mussten, nicht verstanden. In meiner Erinnerung scheint an diesen besonderen Sonntagen immer die Sonne.

Heute stehe ich früh mit dem ersten Vogelgezwitscher auf. In aller Ruhe will ich mich dem Ausfüllen des Stimmzettels widmen. Zuerst gilt es, den billigen Amtsumschlag richtig zu öffnen. Nämlich nicht oben im Falz (Bitte nicht hier öffnen!), sondern beim schlecht perforierten Streifen weiter unten. Denn den ausgefüllten Zettel muss ich in diesem Umschlag wieder zurück senden. Damit meine Stimme nicht etwa ungültig wird, halte ich mich strikt an die Anweisungen und fest an die bezeichnete Ecke:

Festhalten

Immer wieder gibt es Leute, die von mir wissen wollen, wie ich stimme oder wen ich wähle. Daraus mache ich kein Geheimnis, stosse manchmal auf Erstaunen, wenn ich z.B. einen Parteigenossen nicht wähle, gegen eine „Wohnzone für alternatives Wohnen“ oder gegen sonst etwas bin, das auf den ersten Blick sozial daher kommt.
Die Volksabstimmung vom 18. Mai 2014 ist ein richtiger Brocken, ist meine Meinung doch zu eidgenössischem, kantonalen und städtischen Belangen gefragt.

(mehr …)

Aus meinen Reisenotizen vom 15./16. April 2013

Gestern
wurden Zimtkolibri, Kugelfisch, Ohrenqualle, Mistkäfer und Schneeaffe
geehrt. Das finde ich löblich, denn sie gehören – wie die Wanzen – auch zum Ganzen. Ich habe mir kurz überlegt, wen oder was ich zum Tag der Erde ehren würde.
Wenn auch im Vergleich zu Zimtschneekugelohrenmist, recht unoriginell (zu oft fotografiert) und wahrscheinlich auch zuwenig bio-divers, das hier:

The View

Das Navajo-Hotel „The View“ im ersten Morgenlicht vom Wildcat Trail aus gesehen.
Alle Balkone sind nach Osten ausgerichtet und haben …

Ins Tal

… diese Aussicht!
Kurz nach 6 Uhr morgens. Noch ist um diese Zeit kaum jemand auf dem Wildcat Trail unterwegs, obwohl ein Greenhorn wie ich darauf wartet, dass er im Garacho zwischen East Mitten Butte und Merrik Butte auf feurigem Pferd heransprengt. Aber nichts dergleichen, nur auf einer Felsplatte etwas abseits des Weges ein Geländewagen mit Alutrailer, davor einige Männer eifrig am Telefonieren – Filmleute von Lone Ranger?
Immer weiter fahren wir hinein ins Monument Valley, welches eigentlich gar kein richtiges Tal, sondern eine weite Ebene ist, aus welcher sich die unglaublichsten Felsformationen erheben, von Riesen fallen gelassene Blöcke in Form von Kamelhöckern, Daumen, Fäusten, Totempfählen, Thronsesseln, Frauengestalten (Three Sisters).

Fasziniert schauen wir zu, wie die Sonne aufgeht, machen ein paar Fotos, auf welchen wir neben den Felsen aussehen wie Winzlinge. (Auch das Auto, ein Infiniti QX 56, steht für einmal klein da unter einem so mächtigen Thumb-Butte und lässt die Motorhaube hängen. Ist es sich doch gewohnt, von japanischen Touristen, Polizisten entlang des Rio Grande, Hotelpersonal und Berner Grossmutter ohne Führerschein und Fanin von Fahrkomfort, bewundert zu werden. (Entsch …, über Autos schreibe ich sonst nie.)
Obwohl es Abertausende von Monument-Valley-Fotos gibt, sogar in unserem Quartieranzeiger wurde letzthin eins publiziert, geben nur die folgenden Aufnahmen von 2nd, female diese einzigartige Morgenstimmung wieder – der Beginn eines unvergesslichen neuen Erdtages – für uns Touristen.
Hier gibt es Navajo-Familien, die 16 Kilometer vom nächsten Brunnen entfernt leben.
(mehr …)

Tulpe mit Kind

Eine Osterblume für die Grossmutter

Nach dem Spiel Eierfärben ist vor dem Eierfärben.
Nie hätte ich gedacht, dass sich die Offene Karfreitagstür im Block über vierzig Jahre halten würde. (Auch dieser Satz ist eine Repetition).
Alte und Junge, neue und langjährige Färberinnen und Färber sind in den Gemeinschaftsraum gekommen, um in einer gemütlich chaotischen Runde ihrer Ostereier zu färben. Die drei Rechaudplatten waren bis aufs Äusserste gefordert, denn in diesem Jahr wollten 300 Eier gekocht werden – eines schöner als das andere. Wunderbarerweise fehlt es uns nicht an Nachwuchs. Mit Begeisterung, Geschick und Ausdauer ordneten die Kinder die Kräuter auf die zerbrechlichen Schalen und wählten geziehlt den Farbsud aus. Dazwischen wurden Züpfen, Brote, Käse und Kuchen verputzt. Zum Glück kam der Hausmeister pünktlich aus den kosovarischen Bergen zurück, denn auch die Kaffeemaschine wurde bis zum Äussersten gefordert und verlangte nach ihrem „Barista“.
Danke allen für die sehr feinen Gaben aufs Kalte Büffee und 2nd2nd, female für die Mithilfe bei Vorbereiten!

Für die Daheimgebliebenen gabs heute den traditionellen Osterbrunch mit Nestsuche für die Kleinkrähen und Tütschen für alle. Osterhasenverächterin (besitzt eBook Reader) wurde mit 1080 g Lesefutter beschenkt, juppi!!

Eier mit Kraut

Schöne Oster- und Pessachtage wünscht allen die Blogk-Familie

Grenzgebiet

Schafherde um Pobergjë im Westen von Kosovo

Nein, den Dia-Abenden bei herum gekommenen Freunden traure ich nicht nach, auch nicht den Umschlägen, welche man gegen korrekten Abholschein im Fotogeschäft ausgehändigt bekam, nachdem man eine Woche auf die Entwicklung der Ferienfötis gewartet hatte.
Mir kann man mit „Handy“-Bildern aus allen Gegenden der Welt eine Freude machen! Ich schaue dann auf Karten nach, suche Informationen zu den Orten, zur Kultur, der Geografie, den Tieren und Pflanzen – komme vom Hundertsten ins Tausendste, erinnere mich an meine eigenen Reisen – einfach super spannend!

Heute regnet es in Deçan, im gebirgigen Grenzgebiet von Montenegro und Albanien.
2nd2nd, male besucht für ein paar Tage seine Verwandten in einer der 36 Ortschaften dieser Grossgemeinde.
Hier einige Frühlingsimpressionen aus dem Grenzgebiet:

Sonnenplatz

Ottomanen unter freiem Himmel warten auf Gäste mit Sitzleder

(mehr …)

Juppi!

… noch ein bisschen Tanz und Fussball im leeren Bassin, denn schon bald kommt der Stadtbach, dann heisst es nur noch schwimmen.

(mehr …)

White Sands

(Reisenotizen vom 12.04.2013)
Im Hintergrund nach Westen die San Andres Mountains …

Ledig habe sie Dupont geheissen und sei dann bei ihrem Besuch in der Schweiz tatsächlich in einem „Hotel Du Pont“ übernachtet, erzählt die Managerin des Bookshops. Ich kaufe eine Postkarte und eine Einkaufstasche aus ökologischem Material im Info Center des National Monuments, dann schaue mir den Film über die Entstehungsgeschichte dieses Naturwunders an.
Denn wieder bin ich an einen Ort gekommen, von dem ich noch nie gehört hatte: White Sands. Der Name ist irreführend. Es ist nicht Sand, sondern feiner Gips, der sich als strahlend weisse Dünenlandschaft über 470 Quadratkilometer vor den Besuchern ausbreitet. Man kann sie auf markierten Wegen – den Trails – in verschiedenen Längen durchwandern.
Ein bisschen mulmig wird mir schon, als 2nd, male und 3rd, male zwischen den Gipshügeln auf dem Alkali Flat Trail verschwinden. (Verirrte sollten sich nur oben auf die Düne setzten, damit sie von den Rangern gefunden würden).
Tiere und Pflanzen haben sich an die aussergewöhnlichen Bedingungen angepasst, so dass der blasse Gecko nur ein Vorüberflitzen ist. Hier und da ragen spitze Laubblätterbüschel von Yuccas mit ihren Blütenrispen aus den Dünen während ihre Stämme tief darin versteckt bleiben. Der Gips unter den Füssen fühlt sich kühl an.
Einige Kinder schlitteln auf Plastikbobs, keine sichtbaren Testflüge, keine Dreharbeiten für Brautkleider oder Autos, weder Mountain- noch andere Biker und auch keiner, der die Kleider vom Leib reisst und sich vor lauter Natur nackt über die Dünen schmeisst.

Später dann auf der einsamen Interstate 70, überholt uns – gesetzteswidrig schnell – ein Soldat auf dem Motorrad. Seine Uniformhose flattert im Wind und das Hemd bläht sich auf dem Rücken auf.

(mehr …)

Olivenöl

Olivenöl von Haddsch Boras

Mit einem langstieligen Löffel rührt meine Nachbarin den goldbraunen Inhalt des Glases sorgfältig um. Das kostbare Arganöl müsse wieder mit der Mandel-Honigmasse vermischt werden. Anschliessend gibt sie jedem etwas Amlou in ein Tellerchen. Eigentlich bin ich auf ein Frühstück mit Kaffee und Gipfeli eingestellt, aber nun siehts mehr nach „Berber“ aus. Während wir beiden Frauen Brotstücke in Amlou tunken, Kaffee trinken, dazu frische Ananaswürfel essen, lerne ich eine weitere Persönlichkeit aus dem fernen Magreb kennen: Haddsch Boras, Produzent dieses weltbesten Amlou (mit Mandeln und nicht etwa mit den billigen Erdnüssen).

Er hält diskret den grössten Teil der regionalen Fäden in der Hand, trägt ausser an Festtagen immer einen blauen Arbeiter-Overall, packt an, seis an der Ölpresse, bei den Bienenstöcken, der Ernte der Arganmandeln und Oliven, auf seinen Fangbooten, beim Ausnehmen der Fische, dem Seifensieden oder in seinen Hotels. (Meine Nachbarin nimmt an, dass der Overall eine Tarnung ist, denn Monsieur Boras hasst es, ständig von Bittstellern belagert zu werden). Der „Häsh“ (Haddsch) schätzt die Gesellschaft von Europäern, kauft Ölpressen ausschliesslich in Deutschland, hilft Fremden bei Schwierigkeiten mit Behörden oder wenn ihnen z.B. die Autoreifen aufgeschlitzt worden sind – aber sein Gott ist der Einzige. Die Moschee im Ort liess er bauen. Am Freitag ist Couscous-Tag, das heisst, dass die ganze Region zum freien Essen eingeladen ist. Dann übernimmt Boras‘ Frau – ebenso Mekka gepilgert und deshalb „Häsha“ (Haddscha) – mit ihrer kräftigen Stimme das Kommando über die Helferinnen.

Bis wir das Amlou aus den Tellerchen gewischt haben, höre ich noch einige Geschichten aus der Gegend von Essaouira, Sidi Kaouki, Tamanar und Agadir.
Zum Olivenöl schenkt mir die Nachbarin auch noch eine Argan-Seife.

Arganseife

Juppi, schon bald werde ich falten- und cellulitefrei sein, eine makellose Haut, seidig glänzendes Haar und nie mehr rissige Nägel haben! Sobald dieses Wunder eingetreten ist, werde ich hier ein Foto aufschalten.

Jeden Abend telefoniert Frau Stoll aus dem 11. Stock mit ihrer Tochter in der Innerschweiz. Nun ist die Neunzigjährige während des Gesprächs über das Telefonkabel gestolpert. (Kabellos kam für sie nie in Frage). Der Hausmeister, bereits im Pyjama, erhält von Frau Stolls Tochter einen Notruf. Eilig zieht er sich an. Für solche Fälle hat er einen Wohnungsschlüssel von den Angehörigen erhalten.
Er findet die Gestürzte ins Kabel verwickelt auf dem Boden vor dem Küchentisch.
Zuerst stellt er sich der Frau vor und sagt, dass er ihr jetzt helfen werde aufzustehen. „Ja, ja, Sie sind der mit den schönen Zähnen“, meint Frau Stoll und lässt sich stützen, während der Hausmeister am Handy die Tochter hinter den sieben Bergen beruhigt.
Eigentlich kam die alte Frau in die Küche, um etwas zu essen, aber es ist nichts da. „Mögen Sie Reis? Ich habe für meine Kinder welchen gekocht und hole Ihnen gerne etwas.“ Hurtig bringt der Hausmeister Reis und Gurkenscheibchen, setzt Wasser für Kaffee auf.
Frau Stoll fühlt sich wohl und erzählt trotz der späten Stunde munter von ihren Lieblingen, den Katzen. Alles in der Wohnung ist mit Katzenbildern geschmückt, natürlich auch der Lavabostöpsel. Auf dem Tischset ist eine Aarelandschaft mit grüner Wiese abgebildet und darauf ein winziger roter Punkt. Das sei ihr VW Golf, den man ihr weggenommen habe. Noch immer schmerzt die Trennung von ihrem geliebten Auto. So etwas verkraftet man nie mehr. „Sie müssen den Kaffee trinken, solange er noch warm ist,“ sagt der Hausmeister. Nein, ins Altersheim möchte Frau Stoll nicht, da sind lauter fremde Leute. „Aber ich bin doch auch fremd und nun reden Sie schon nach wenigen Minuten mit mir,“ gibt der Hausmeister zu bedenken, „Sie würden dort viele antreffen, die sich mit Katzen auskennen und Sie wären nicht mehr allein.“
Wer weiss, vielleicht kommt es einmal so weit, aber nicht jetzt, jetzt möchte Frau Stoll noch ein bisschen Musik hören von ihrem besonderen Liebling. Der Hausmeister hilft mit der CD, wünscht eine gute Nacht und verspricht, am Morgen wieder vorbei zu schauen.
Den nächsten Abend wird „Aeschbi“ übernehmen, bis dann wieder die Tochter aus dem Innern der Schweiz anreist, um sich um die Mutter zu kümmern.

Eulenziehen

Bern Touristik hat das „Eulenziehen“ oder „Uhuläuten“ ins Frühjahrsprogramm aufgenommen!

Eigentlich wollte ich in den vergangenen kalten Tagen über die erste Primmelpracht, den Rhabarber, die Lilien und Rosen (Pfingst und Kletter) berichten, über den aus dem Unrat geretteten Winterjasmin und die warme Sonne auf Vorhang und Balkon. Auch über meinen Optimismus, dass die zarten Salatstüdeli im zugedeckten Frühbeet, bei uns „Couche“ genannt, auch bei -10° nicht schlapp machen würden. Passende Bilder lagen schon parat. Ich hätte das gemacht mehr für mich, als für die Blogkleserinnen und -leser, weil ich mich jeden Frühling wundere, dass die Vögel singen und alles wieder spriesst und ausschlägt, trotz Abgasen und anderen Malträtierungen.
Daraus wurde nichts, denn neben allen schrecklichen Nachrichten aus der restlichen Welt, wurde wieder einmal über ein bis anhin ungelöstes Bernerproblem berichtet: Die Saatkrähen – laut, respektlos jedem Autodach und Velosattel gegenüber, unordentlich und leider schlau und unerschrocken. Aber diesmal wirds besser, denn Hilfe kommt aus Deutschland in Gestalt lebensgrosser Plastik-Uhus mit beweglichen Flügeln!

Zu beneiden ist das Quartier, welches nun durch Handantrieb, d.h., durch Ziehen (bitte alle mitmachen!) an der Schnur, die Uhuflügel flattern lässt und so die Krähen in die Flucht treibt „an den Ort, an welchem sie niemanden stören“, wie unser Stadtvater meint. Da es diesen Ort in der Schweiz nicht gibt, wird in den umliegenden EU-Ländern eine Masseneinwanderung durch die Luft befürchtet. Daran glaube ich nicht, denn es gibt schon einige Krähen, die das „Eulenläuten“ cool finden.

(mehr …)

„Wir sind ein Spital, eine gewisse Grundruhe ist nötig,“

meint Bernhard Leu, Direktor Infrastruktur von Inselspital und Spitalnetz Bern, der seit vielen, vielen Jahren von Bushaltestellen auf dem Insel-Areal träumt.
Ein bisschen wird unsere Geduld aber noch auf die Probe gestellt, denn auf einer „Flüster-Baustelle“ dauert alles etwas länger, dafür ist aber die Grundruhe gewährleistet. Merci vielmal!

(siehe Der Bund, 12.03.14, S. 21)

Eine der unzähligen „Liebeserklärungen“ an ihr Quartier von der Facebook-Gruppe „Du bisch vo Bethlehem …
(im Moment 2243 Mitglieder):

Bethlehem by night (von Tamara und Noel, Musik: The Darque-Roads)

Heimfrass

Fräulein Sophie, Küchenzarin, Herrin über Speisekammern und viele kleine Helferlein. Hier mit Salatkorb, Gschwellti-Zaine und Gnagi-Platte. (Alle Fotos: H.P. Hoffmann, ca. 1964)

Foto: Paul Senn, ca. 1940, aus dem Blechteller essen

Wenn wieder einmal jemand nicht Schuld sein will, erinnere ich mich an meine Zeit als junge Heimerzieherin (!) in einem Bernischen Knabenerziehungsheim anfangs der 60er Jahre. Oberster Herr war der „Vater“, stets untertänigst umwuselt von einer ahnungslosen „Mutter“. In ihrer Führungsarbeit wurden die beiden von langjährigen treuen Mitarberinnen, alles alte „Fräulein“ und Meisterinnen im Ausdenken von perfiden Strafen, unterstützt. Junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten neben ihnen einen schweren Stand, ausser man wurde selber „schwererziehbar“, dann liessen sie einen widerwillig in Ruhe.
Ab und zu gab es einen Lehrer in der Heimschule, der sich dafür einsetzte, dass die Buben gerne lernten und auch Spass dabei haben durften. Der Unterricht war das Leichteste im Leben eines Heimkindes, gab es doch jeden Tag die Arbeitsverteilung, die Jüngeren und Schwächlichen zu Hausarbeiten in Garten, Küche und Waschküche, die Älteren zur Arbeit in den Ställen und auf dem Feld.
Nie erhielten die Buben Besuch. Es war noch die Zeit, als man dachte, sie würden im Heim bessere Menschen ohne Kontakt zu Eltern und Verwandten.
Es fiel mir schwer, das Knabenheim für einen Auslandaufenthalt zu verlassen. Ich habe keine Ahnung, was aus diesen Jungen geworden ist.

Nur einmal in einem Winter vor vielen Jahren, als ich in einer Buchhandlung arbeitete, betrat ein seltsamer Vogel den Laden und setzte sich neben den warmen Ofen. Aus wässerig blauen Augen sah er mich an und lächelte, als würde er mich kennen. Er war barfuss, die Hosenröhren hatte er mit braunem Band an die Beine geklebt. Auch um seine blonden Haare hatte er Klebeband gewickelt. Es sah aus wie eine Dornenkrone. Nach einer Weile stand er wortlos auf, lächelte, hob seinen Papierbecher zum Gruss und ging von dannen.
Ich bin sicher, dass es Christian gewesen ist, der Junge auf dem letzten Foto.

Schule 1
(mehr …)

Er sitzt im „Höfli“ vor einem Glas Rotem, rote Rose und Ehrenurkunde hat er neben sich auf den Tisch gelegt. An der heutigen HV ist er für 45 Jahre Parteizugehörigkeit geehrt worden. Als Lokführer sei er jahrelang „das Kreuz“ gefahren: Romanshorn-Genf, Basel-Domodossola, sei dann in die oberen Etagen der Schweizerischen Bundesbahn aufgestiegen. „Weisst, ein Bürojob,“ meint Küre und nippt an seinem Glas. Für den heutigen Anlass habe er auf den Englischkurs der Pro Senectute verzichtet. Nein, er plane keine Amerikareise, er sei oft „drüben“. Dann erzählt er von seiner Tochter, die er besucht und die in der Nähe von New York lebt. Genauer genommen auf Long Island, noch genauer in den Hamptons. „Wow, eine Supergegend!“ sage ich und sehe vor mir weisse Strände und teure Star-Villen aus „Gala“. (Ist Küres Tochter vielleicht sogar ein Kindermädchen in einer Promifamily, geht es mir durch den Kopf).
Seine Tochter sei sehr lieb – Küre strahlt vor Stolz. Bei kühlem Wetter wärme Fränzi Vaters Pyjama im Tumbler an. Die Tischrunde ist völlig hingerissen von diesem originellen Liebesbeweis. Bitte, weiter erzählen! Die Tochter sei nicht nur sehr lieb, tut uns Küre den Gefallen, sie sei auch sehr schön! Der Mann hat unsere volle Aufmerksamkeit. Lieb und schön gepaart – ein Wunder! Nun wage ich endlich zu fragen, was Fränzi in dieser illustren Gegend so mache. „Sie modelt für Yves Saint Laurent die Pelzkollektion, dafür sind die ganz jungen Models nicht geeignet“, erklärt uns der Fachmann. Vor Kurzem sei sein Schwiegersohn zum Admiral der US Navy befördert worden. Wunderbar sei auch seine Enkelin, habe an ihrem Grossvater den Narren gefressen, sei talentiert und fleissig, bringe immer gute Noten nach Hause. In Amerika gehe halt kein Talent verloren. Stundenlang könnten wir Küre zuhören – ein stolzer, glücklicher Mann. Er müsse einfach nur gesünder essen, schimpfe seine Schwester, immer sitze er vor Rotem, Brot und Salami, damit müsse endlich Schluss sein.

Küre gibt mir noch die Adresse von Fränzis Model-Agentur. Die Frau ist wirklich schön: dunkle Chrüselihaare, strahlend blaue Augen – eine Venus von Bümpliz in den Hamptons.

Seit der HV gibt es eine stets wachsende Anzahl Männer, die ihren Schlafanzug im Tumbler vorgewärmt haben wollen – der Backlash ist programmiert.

Saumoore

Frau Wutz, in der schweizerischen Volkssprache „Moore“.

Kleekuh

Kuh Liesel, „Kleekuh“ oder „Dumme Kuh“

Was Kleekühe, blöde Gänse, Suppenhühner, dumme Mooren, Schnäderenten, Brillen- und Klapperschlangen, Nebelkrähen, Zimtzicken, alte Drachen und freche Kröten so alles erfunden haben – eine Mini-Auswahl zum heutigen Internationalen Frauentag:

Kaffeefilter,
Wegwerfwindeln und Babytrage,
Computersprache, Büstenhalter, Minirock,
Scheibenwischer, Fernsteuerung für Torpedos, Strumpfhosen,
Hochseesignallicht, Paketfallschirm, Leichtgewichts-Brillenglas,
Anschnallkontrolle für Reisebusse, Armschiene für Schlaganfallpatienten,
Tausende von Lehrmitteln, winzige Handylautsprecher
und Multihyperlink, Klosterfrau Melissengeist,
Kernspaltung, Geschirrspülmaschine …

(mehr …)

Sonntagsbrot

Schratten und Täler des restlichen Sonntagsbrots im Abendlicht

Eigentlich sollte es vergangene Nacht eine Züpfe (Butterzopf) werden. Gegen Mitternacht wog ich richtig, knetete tüchtig, liess an warmem Ort aufgehen, rollte zwei Stränge, flocht flugs, liess wieder aufgehen. Warf nach einer halben Stunde einen Blick auf mein Werk – es war inzwischen fladenartig, ein bisschen rechtslastig in die Breite gefallen. Welches Güegi hat mich nur gestochen, nach dreissig Jahren wieder so etwas backen zu wollen? Kläpfen könnte ich mich.
Zu Butterzöpfen habe ich ein gespaltenes verflochtenes Verhältnis. In meiner Jugend kamen sie äusserst selten auf den Tisch. Später zelebrierte meine Schwiegermutter jeden Samstag besonders das Aus-dem-Ofen-Nehmen dieses Teigbabys. Streng und ohne Ausnahme verhinderte sie jegliches Anschneiden am Samstag. Die Züpfe kam stets jungfräulich unter Schwiegervaters Sonntagsmesser.
In der Siebzigern, als wir im Block besonders gesund kochten, viel handarbeiteten, Beeren sammelten, bei jedem Wetter mit den Kindern durch den Wald stapften, aus Selbstgetöpferten assen, gabs den Sonntagszopf – solange, bis er irgendwann meinem Partner verleidete und er ihn das Bünzligste vom Bünzligen fand. Subito nahm ich mir vor, nie mehr je-mann-den mit Züpfen zu belästigen.
Weshalb musste es, nach so langer zum Glück leicht einzuhaltender Zopfbackabstinenz gerade jetzt sein? Letzte Nacht schmiss ich dann den Teig in zwei Cakeformen, bestrich mit Ei, verpasste ihm mit einem schaften Messer einen Mittelschnitt und übergab ihn für vierzig Minuten dem Ofen.
Das Resultat überzeugten mich nicht, obwohl ein unbestritten feiner Duft die Wohnung durchzog. Nach der kurzen Nacht telefonierte ich meinen Frühstücksgästen und bat sie, einen Zopf aus der Bäckerei mitzubringen. Sie weigerten sich, obwohl sie mit dem Fahrrad an einigen Bäckereien vorbei kamen. Was ich auch gebacken hätte, sie würden es essen, sei’s getoastet oder eingebrockt in Milchkaffee.
In der Gesellschaft solcher Gäste fand ich dann die Brote ganz fein, ohne dass gebrockt oder geröstet werden musste. Wer weiss, vielleicht entflicht sich ja endlich mein Verhältnis zu den Butterzöpfen.

(mehr …)

« Vorherige Seite — Nächste Seite »