Ein Plakat habe er aufgehängt, daneben einen rosa Büstenhalter und ein Wäschesäcklein. Immer und immer habe er demonstriert, wie sich die BH-Haken in der Wäschetrommel einhängen und so die Maschine blockieren – deshalb das Wäschesäcklein. Das gehe ärgerlicherweise besonders den Frauen, die erst in der Schweiz eine Waschmaschine kennen lernten, zu einem Ohr rein und zum andern raus.

Wie bei den Wäschewagen redet der Hausmeister hier an eine Wand. Natürlich steigt er auch in seiner Freizeit in die Waschküche, falls sich wieder etwas verhakt hat.

Im Block neben den Bahngeleisen, nicht weit von dem unseren entfernt, seien übers Wochenende alle Keller ausgeräumt worden. Den weissen Lieferwagen habe niemand verdächtig gefunden. Die Bewohner hätten angenommen, dass jemand umziehe. Es sei nur ein Schloss geknackt worden, dann hätten sich die Diebe durch alle Kellergatter hindurch gesägt und alles rübisundstübis entwendet: Autopneus, Wein, Sportartikel, Möbel und eine beträchtliche Menge an Goldschmuck und teuren Uhren, welche die ganz Schlauen in einem Kinderbadewännchen oder einem Sonnenschirm sicherer und erst noch billiger versteckt glaubten, als in einem Banksafe. „Ja, Gottfriedli, hat denn niemand das Sägen gehört?“ „Nein, sie haben immer nur gesägt, wenn ein Zug durchfuhr.“

Vom Zug kann man also sagen: „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.“

Besonders, wenn man Besuch habe, sei es unangenehm mit den neuen Nachbarn. Am schlimmsten, wenn die Gäste an Einfamilienhäuser oder bessere Quartiere gewöhnt seinen oder gar Vorurteile Berns Westen gegenüber hätten. Da liessen die Klischees grüssen, und man komme schon ein bisschen in den Erklärungsnotstand, wenn das benachbarte Paar sich heftig anbrülle, Türen zugeworfen würden und Möbeln und Geschirr holterdipolter rumflögen. Das Schlimmste seien die Schreie und das Weinen der Frau. Am Anfang sei man ja hingegangen und habe geklopft, um das Ärgste zu verhindern. Das habe aber nichts gebracht. Der Mann habe behauptet, bei ihnen sei alles ruhig, nur s e i n e jamaikanischen Nachbarn hätten sich wieder einmal um eine Frau gestritten.

Passiert das mir, tue ich so, als ob das normal wäre, erwähne kurz, dass das Paar es schwer habe, mache einige Andeutung zu diesem „Schwer“ und die Besucher sind zufrieden, denn nun haben sie endlich einmal Häusliche Gewalt direkt gehört.

Übrigens: Zum Einwandern aus einem nicht EU-Staat brauche es nur gute Ideen. Man leihe sich im Familienclan 1000 Euro, kaufe damit einen bulgarischen Pass und schon sei man – die Schweizer sind blöd – in der Schweiz. Der Cousin von Behar wird nächste Woche erwartet.

Es nimmt mich doch immer wunder, was die kleinen Krähen so „lesen“.

Wohin damit?

Gespannt bin ich natürlich besonders auf die
vom jungen Leser markierte Seite.

Luft holen

„…und vor allem:
ich kann erst mal tief Luft holen.“

weitere Tricks

Falls es nach tiefem Luft holen, noch weitere Tricks braucht:
Wut zum Fenster raus brüllen,
dickes Kissen verprügeln,
Wut in den Boden stampfen … usw.

Muss mal alle ausprobieren, besonders nach dem Lesen von Tageszeitungen.

Ariel S.

Foto aus: BaMahane, 12. Juni 1967, S. 38

Es war an einem heissen Nachmittag in Jericho Mitte Juni 1967. Ich besuchte Freunde im israelischen Militärcamp. Im Kaumschatten einer zerfledderten Palme briet sich ein Soldat ein paar Spiegeleier, welche in Kartons gestapelt neben dem Kocher standen. Andere versuchten mir beizubringen, einen Kreisel an einer Schnur zu zwirbeln, als sich in flottem Tempo ein Jeep näherte, ein staubiger Wilder lachend über die Tür sprang und einige Worte mit dem Offizier wechselte. „Passt gut auf die Araberin auf“, meinte er, zwinkerte mir zu, salutierte unter die Palme und war schon wieder weg.
Ich erinnere mich, dass nach diesem Blitzbesuch Arik Sharons, des obersten Befehlshabers der Region, wir jungen Leute überzeugt waren, dass das Schlimmste vorbei sei und nun alles gut werden würde.

In den vergangenen acht Jahren wurden mir unzählige Fragen gestellt (für mich unsichtbar steht auf meiner Stirne: Fragen jederzeit erwünscht!!).
Zu meinem Erstaunen wurde ich oft gefragt, was eigentlich mit dem Sharon sei, man höre so nichts. Einige waren enttäuscht, dass ich auch nichts wusste.
Nun durfte er abtreten, ohne dass alles gut ist.

immer und ewig

Fotoalben gabs bei uns keine, dafür eine Fototrucke (Schachtel), in welcher wir Kinder gerne stöberten. Bis ins hohe Alter erzählte uns die Mutter Geschichten zu den abgebildeten Personen, so lebhaft und präzise, als wäre sie noch gestern mit ihnen zusammen gewesen, während sie sich an alles, was vor fünf Minuten war, nicht mehr erinnern konnte.
Nach langer Zeit nehme ich einige Schachteln des Nachlasses meiner Eltern zur Hand, schaue mir besonders die alten Hochzeitsfotos an – und bin ganz gerührt. Dabei versuchte ich diese Anlässe mit wenigen Ausnahmen zu meiden. Von der Verwandtschaft wurde ich oft und gerne zu Hochzeiten eingeladen, galt ich doch als die, welche Schwiegermutters selbstgedichtetes Gedicht lustig vortrug, dem Griesgrämigsten ein Lächeln entlockte, schnell eine Dekoration für unangemeldete Gäste „ersann“ und aus dem stets paraten weissen Stofftaschentuch und einem Blütenzweig den vergessenen Brautstrauss ersetzte.
Marie, Ida, Lina, Dorli, Frieda, Ruthli, Hanni, Margaretha, Johanna – diesen jungen Frauen hier zwischen Emme und Simme steht ein arbeitsreiches Leben bevor.
Sie haben das Beste daraus gemacht.
Und hört nicht auf mich. Heiratet und macht viele Fotos!

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Eis 1

Alle streben und eilen,
und suchen und fliehen einander,
Aber alle beschränkt freundlich die glättere Bahn.

Alles gleitet unter einander,
die Schüler und Meister,
Und das gewöhnliche Volk, das in der Mitte sich hält.

Jeder zeigt hier, was er vermag;
nicht Lob und nicht Tadel
Hielte diesen zurück, förderte jenen zum Ziel.

Von einem begeisterten Eisläufer

Eis 6 Eis 7
Eis 8 Eis 9
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… habe ich mich neben zwei Hütchen-Schnurrbärte-Tischbomben ins neue Jahr geschlichen – nur mit einigen *Büchern bepackt und bar jeglicher guten Vorsätze. Der Weihnachtsschmuck samt Krippenfiguren wurden dieses Mal termingerecht nach den Dreikönigen in Keller und Grossvatertrögli versorgt. Alles sauber angeschrieben: „Ochs, Esel, Hirte, Eichhorn. Sorgfältig auf weicher Unterlage auspacken.“ Man will’s zur Sicherheit nur gesagt haben, falls… Ein abgebrochenes Schafohr oder Ochsenhorn wäre ärgerlich. Dabei ist mir schon klar, dass es – mitüüri – grössere Probleme gibt, als Ochsenhorn und Schafohr.

Heute koche ich, wie jeden Donnerstag, für die ganze Familie: Dörrbohnen und Fleisch aus der Region in einem bretagneblauen Creuset-Topf aus Montpellier, gewürzt mit Knoblauch aus dem Kosovo, Loorbeerblättern aus Sevilla, einigen Kräutern aus Marokko und Italien, Salz aus der Camargue und Rauchsalz aus Albuquerque, New Mexico (und gesünder als die Kristalle, mit welchen Walter und Jesse so werkeln).

Creuset in Bretagne Blau

Wenn man das Wort noch hören könnte, wäre das glatt ein Multikultitopf.
Zum Dessert gibts eine Stachelbeeren-Quarkcreme (Stacheln aus dem Garten tiefgefroren) und dazu eine luftige Panettone.

*Ich finde die Bücherlisten der Blog-Frauen immer spannend und lese sie mit grossem Vergnügen, obwohl ich selten einen Titel kenne – geb’s gerne zu. Danke herzlich für alle Büchergeschenke und -tipps!

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Neujahrskarte um 1910

Neujahrskarte um 1910 aus dem Nachlass von Albert,
unterschrieben: Familie Hofmann, Tannegg)

Was tut wohl die Rose zur Winterszeit?
Sie träumt einen hellroten Traum.
Wenn der Schnee sie deckt um die Adventszeit,
träumt sie vom Holunderbaum.
Wenn Silberfrost in den Zweigen klirrt,
träumt sie vom Bienengesumm,
vom blauen Falter, und wie er flirrt.
Ein Traum, und der Winter ist um!

Aus:
Kaléko, Mascha: Werke aus dem Nachlass Bd. I, München : dtv, 2012, S. 546, ISBN 978-3-423-59087-7

Wie in beinahe jeder Familie gab es bei uns im vergangenen Jahr viel Schönes, aber auch Schmerzliches zu erleben. Sich aufeinander verlassen zu können und liebe Freunde zu haben, ist ein Glück und dafür danke ich allen!

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… Voll sparen will der Bundesrat erst bei künftigen Witwen, die heute noch jung sind.

Aus: „Der Bund“ zu den
Sparplänen des Sozialministers Alain Berset, 23.12.13, S. 1

Als die reformierte Kirche Ende der achziger Jahre den Jugentreff schloss und den Beitrag an die Quartierbibliothek (Fr. 4000.-/Jahr) mit der Begründung aufkündigte, die Angebote würden ja hauptsächlich von „Nichtchristen“ genutzt, trat sie aus der Kirche aus. Der Pfarrer bat sie inständig, diesen Entschluss zu überdenken und sich wenigstens ein Türchen … Die Austrittsgründe möge sie doch bitte einem Ausschuss des Kirchgemeinderats darlegen. Sie unterschrieb das Austrittsformular bei der Kirchensekretärin Frau Freudiger, die ausserdienstlich ins Büro kam (der Gerechtigkeit halber muss geschrieben werden, dass auch ihr Pensum um 15% gekürzt worden war). Somit fiel das Türchen zu.
Das war vor 25 Jahren.

Da der Schnee anstatt auf der Erde im Sprunggelenk sich anhäuft, also kein festlicher Schneespaziergang, beschliesst sie, wieder einmal in die Kirche zu gehen. Die Auswahl der Events im Quartier sind vielfältig: „Kirche im Quartier“, „Familiengottesdienst mit anschliessendem Nachtessen“, „Festliche Mitternachtsmesse“, „Christnachtfeier“, „Gemeindeweihnacht“, „Weihnachtsgottesdienst mit oder ohne Abendmahl“. Sie wählt Familiengottesdienst „Mitsingweihnachten“ da sie gerne mitsingt, d.h. im Alter nun gerne mitbrummt. Sie weiss unzählige Strophen auswendig, aber leider werden die Lieder in der Kirche alle zu hoch angestimmt.

Zusammen mit zwei willigen Familienmitgliedern marschiert sie unter dröhnenden Glockenklängen (der moderne Turm ist viel zu niedrig), vorbei an den Reihenhäusern, deren Fenster festlich scheppern, zur Kirche. Rechaudkerzen in Konfigläsern weisen den Weg. Das Gotteshaus ist gut besetzt. An drei Rottannen (einheimisch, anspruchslos, preisgünstig) brennen die Kerzen. Keine Kugel verdirbt die Schlichtheit. Ausser dem Notebook auf dem Pult vorne im Schiff hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert.

Sogar der grosse Stern hängt noch an der Wand, in den Achzigern gepatchworkt von den Dienstagsfrauen der Kirche.
Man hat sie damals zu diesem geselligfrohen Sticheln Nähen auch eingeladen. Obwohl sie zu dieser Zeit mit der Nadel flink umgehen konnte und so manch altes Kleidungsstück in herzige Kinderkleidchen umnähte, hielt sie sich von diesen Dienstagsfrauen fern. Ihre Freundin Heidi hat das nicht getan, trat in die bereits eng zusammengesteppte Gruppe ein. Heidis Dienstagsstiche an den Sternenschnipseln wurden von der Oberdienstagsfrau jeden Montag aufgetrennt, weil zu wenig fein. Heidi verliess, völlig zerknittert und zerstochen die Frauengemeinschaft noch bevor „der Stern“ alle seine Zacken hatte.

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„Letzte Weihnachten hatten Sie eine Nobilis“, hilft der Forstwart meinem Gedächtnis nach. „Stimmt, wissen Sie von allen Bäumen, wohin sie gehen?“ Nein, von allen wisse er es wohl gerade nicht, aber doch von den meisten. Sind Christbäume für ihn wie Bücher für mich? Noch heute weiss ich von sehr vielen Leuten, welche Bücher sie bei mir vor Jahren gekauft oder in meiner Bibliothek ausgeliehen haben.
Heuer sind die Nobilistannen (aus dem Aargau) zu hoch fürs Wohnzimmer. Wir nehmen eine Nordmann aus der Region. Der Baum habe unter Hagelschlag gelitten, deshalb sei ein Ast etwas „blessiert“ und deshalb sei auch der „Tuller“ (die Spitze) etwas krumm. Wir kaufen sie trotzdem. Auch wir sind ja nicht unverhagelt durchs Jahr gekommen.

An jeder dieser Edeltannen hänge eine Leiche, wird später meine Tochter von einem Arbeitskollegen (Smartphonebesitzer) aufgeklärt, es sei diejenige des georgischen Samenpflückers.
Der Tannenbaumverkäufer vor dem Orangen Riesen glaubt nicht, dass das auf seine Bäume zutrifft. Sie seinen allesamt aus der Schweiz, ja, sogar aus dem Kanton Bern und er glaube nicht, dass da georgische Samen im Spiel seien.
So oder so ist der Kauf ökologisch unkorrekt. Das sehe ich ein, nachdem man mich auf einen entsprechenden Radiobericht hinweist. Besonders die Nordmanntanne sei in der Aufzucht keineswegs genügsam. Sie wolle als werdender Christbaum gehätschelt und gepätschelt werden, wachse nur langsam, sei krankheitsanfällig und ein richtiger Finöggel, der nach bestem Boden verlange, auf welchem gescheiter Salat und anderes Essbares angepflanzt würde. Nach Tanne rieche sie auch nicht.

Also nobis Nobilis und Nordmann fürs nächste Jahr?
Niemals möchte ich ein Sargnagel der armen georgischen Samenpflücker sein. Nächste Weihnachten schmücken wir eines der zahlreichen Buchen- oder Eichengrotzli aus dem Wald hinter dem Block. Deren blutte Äste seien ohnehin historischer als die genadelten, habe ich gelesen. Das Thema muss am Familientisch besprochen werden.

Linda

Zeichnungen aus der Basisstufe 1, 2013 (Kindergarten bis 2. Klasse)

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Vielmehr als das Schweizer Wort des Jahres 2013 beeindruckt mich das Wort „Tischarchitektur“, welchem ich in diesem Monat auf weihnächtlichen Lifestyleseiten begegne.
Als ich vor einigen Wochen Freunde besuchte, sie waren eben umgezogen, hatten wir meiner Meinung nach eine „Tischarchitektur“-Diskussion. Mit ihnen zügelte nämlich auch ihr ovaler Nussbaumholztisch. Nun waren sie überzeugt, dass das antike Möbelstück nicht mehr auf den modernen teppichfreien Betonboden zwischen die unverputzten Betonwände passe. Da meine Freunde schon einen Esstisch aus Beton bestellt hatten, konnte ich sie nicht mehr umstimmen – leider, leider.
Erst vor Kurzem realisierte ich, dass zur „Tischarchitektur“ mehr gehört als blutte Tische. Da ich nutzlosem Wissen nicht abgeneigt bin, befasste ich mich kurz mit diesem Architekturzweig, den man pflegen solle – z.B. für Feste und wenn der Chef zum Essen komme.
Hoffentlich bringen wir bis Weihnachten diese Architektur ein bisschen hin: naturverbunden, archaisch, taktil, elegant, stylisch, funktional, futuristisch, amorph (?), anspruchsvoll komplex, sinnlich inspirierend, expressiv, dynamisch mit choreographierter Schönheit (Werbung Rosenthal und Ritzenhoff).

Einen besinnlichen 3. Adventsabend wünsche ich!

Hooch hinauf
Foto: Driss Manchoube, Frühling 1987

Auch vor dem Geburtstag meiner jüngeren Tochter am 10. Dezember öffne ich Archivschachtel, blättere in Alben und Zeichnungen, lese Briefe in ihrer grossen schwungvollen Schrift mit meist ähnlichem Schlusssatz: „Liebe Ima, ich rufe dich vor dem Kino (bevor der Bus, der Zug fährt, die Schule anfängt, nach der Flötenstunde, dem Essen, den Aufgaben) schnell an, damit du mir bitte, bitte, bitte die Erlaubnis gibst …“

Als Alleinerziehende sieht man wahrscheinlich besonders gerne Fotos, auf welchen die Kinder glücklich sind.
Weit und breit war ich die einzige Mutter, die kein Haustier erlaubte, obwohl in allen Erziehungsbüchern zu lesen war und in Müttergruppen diskutiert wurde, dass die Verantwortung und der Respekt für so ein Tierchen zentral wichtig sei im Bezug auf die kindliche sozialemotionalgeistige Entwicklung.
Weder Hund, noch Katz‘, Vogel, Schildkröte, Maus, Kaninchen, Hamster, Meerschwein, Fisch wurden Familienmitglieder im 13. Stock. (Ganz klar, dass ich verantwortungsbewusst und respektvoll zu den Ferientieren schaute, welche mein Kind grosszügig aufnahm.)

Inzwischen ist aus dem Hochhauskind ohne Haustier eine engagierte, verantwortungsbewusste, sozial kompetente und mitfühlende Heilpädagogin geworden.
Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, und ich wünsche viel Glück fürs neue Lebensjahr!

Kinderspiel
Foto: Driss Manchoube, 09.1983

Vor dem Geburtstag meiner älteren Tochter am 6. Dezember öffne ich Archivschachtel, blättere in Alben, lese Briefe in Schriften von erstem Kraxel bis zierlich hingeworfen mit dem Schlusssatz: „Liebe Ima, ich hoffe, du kannst meine Schrift entziffern.“
Nein, muss ich mir eingestehen, aber macht nichts, die Blätter sind dekorativ und oft mit kleinen Skizzen verziert.

Dieses Foto habe ich besonders gern. Wahrscheinlich deshalb, weil es eine schöne Seite des Block-Lebens zeigt – viele Kinder, eine Menge verkehrsfreien Platz und in der Nähe von Klo und Kühlschrank.

Inzwischen hat sich vieles verändert, aber wie vor dreissig Jahren ist es wichtig, dass das Seil zuverlässig geschlagen wird und man „drinnen“ genug Raum zum „Gumpen“ hat.

Herzlichen Dank für das unvergessliche Fest im „Beaulieu“, das du, liebe Tochter, will man einem Mitglied der Familie glauben, gewählt hast, weil es wie „Banlieue“ klingt.

Eis auf Neufundland
(Fotos vom 6. April 2013, Flug Paris – Houston, TX)

In dieser „Class“ bin ich schnell als Flug-Greenhorn zu identifizieren, denn niemand klebt so lange und dicht am Fenster, wie ich. Zwölf Kilometer unter mir liegen – so weit das Auge reicht und scheinbar menschenleer – die Gletscher, zugefrorenen Seen und Flüsse von Neufundland. Da ist bin ich schon froh, wenn alle Luftteilchen vorbildlich um die Tragflächen strömen.

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Eine Gruppe Jugendlicher springt um mich herum, als ich gegen Mittag aus dem Tram steige. Die Knaben lachen und stossen sich gegenseitig, tragen trotz der Kälte weder Mützen noch Jacken. Dazu gehört ein dünnes Mädchen mit Brille, welches sich an dem Gejohle nicht beteiligt.

Ich: „Tschou zäme. Isch öppis? Heit dr eigentlech ke Schuel?“
Jugendliche: „Momol, mir hei e-n-Uftrag, aber mir säge nüt. Säg nüt, Tschännu.“
I: „Säget nume, was dr z’säge heit. Es lütet ja gly.“
J: „Auso, mir säges: ‚Dir sit e Schande für d’Umwält‘.“
I: „Ig, e Schand für d’Umwält?“
J: „Ja.“
I: „U de dir, was syt de dir? Späteschtens we dir de so alt sit wie-n-i, sit de dir o e Schande für d’Umwält.“
J: „Mir meine gar nid richtig öich, äs isch nume Gspass.“
I: „Das söll e Gspass sy? Wie chömet dr druuf?“
J: „Dr Äbdu het Geburtstag u het sech gwünscht, dass mir emene Erwachsene gö ga säge ‚Dir sit e Schande für d’Umwält.“
I: „Das isch em Äbduh si Geburtstagswunsch? Säget das enang nie, das isch eifach gemein. Mir macht das nüt us, i kenne Ching wi dir sit guet. I dr weute Klass sit dr?“
J: „I dr Füfte, bir Frou Käller Veronica.“
I: „Göt iz ine, süsch erfrüret dr no. Tschou zäme, es anders Mal.“
J: „Adiö, e schöne Tag no.“

Die Knaben und das Mädchen kraxeln den Hügel hinauf, hinter welchem das Schulhaus liegt. „Das isch e huere Nätti“, höre ich sie sagen.

Eine Gruppe von sieben Fünftklässlern darf den Unterricht verlassen, um auf der Strasse einer fremden Person zu sagen, sie sei eine Schande für die Umwelt, weil sich das ein Schüler zu seinem Geburtstag wünscht?
Obwohl es in meinem Umfeld von Lehrerinnen und Lehrern nur so wimmelt und ich selber Jahre in und um Schulen verbracht habe, wird mir diese Institution immer fremder.

Die letzten zwei Wochen sass mir der Schnee hartnäckig im rechten Sprunggelenk, bis er sich dann endlich entschloss, sich auf der übrigen Welt zu verteilen.

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Pfännchen und Kuchenformen aus Kupfer, HolzlöffelTellerTassen aus aller Welt, Gläser mit getrockneten FrüchtenKernenTeigwaren, Körbchen mit Kräutern, BlumenSalzteigkränzchen, ZwiebelKnoblauchzöpfe sind ein hübscher Schmuck für Küchen.
Ich habe die Kennedys. Ewigjung und strahlend lächeln sie seit einigen Jahren hinter meinem Kellentopf hervor.

Erst zu dritt

In einer noch TV-losen Zeit, zwischen den hintersten Ausläufern des Langen Berges, gab es 1963 mindestens zwei treue JFK-Fans: den Bastler dieses Werks – Illustriertenseiten in Zinn gerahmt – (evtl. Albert?) und meine Mutter, die das Bild jahrelang hütete.

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Es gibt immer wieder Situationen, in welchen ich mir besonders alt vorkomme. Zum Beispiel bei einem zufälligen Blick auf den Komposthaufen nach dem Kochunterricht. Ich weiss, es ist mega uncool, sich Gedanken über weggeworfenes Brot, Spaghetti, frische Salatblätter, dicke Kartoffelschalen zu machen. Auch Sparschäler (in der Schweiz erfunden), Frischhaltebeutel, leckere Speisen aus Resten sollte ich vergessen. Immerhin lernen die Schülerinnen und Schüler, dass man alles, was übrig bleibt, in die Kompostkiste werfen kann. So wird in der nächsten Generation die Zahl der verstopften Kloschüsseln hoffentlich etwas abnehmen.

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