März 2022


geschrieben am ersten Schultag an einer Berner Schule von einem Oberstufenschüler aus der Ukraine, 17. März 2022:

Vier russische Panzern
Einmal, kommen vier russische Panzern nach einen Dorf in der Ukraine. Die zwei von ihnen haben von anderen zwei Benzin weggenommen um mehr Brennstoff zu finden. In dieser Zeit sind die ukrainische Dorfbewohnern aus ihre Häuser gegangen und haben auf die Panzern ukrainische Flaggen gehängen. Als die russen zurückgekommen sind; sahen sie zwei Panzern mit Flaggen und begonnen sie zu schiessen. Nur nach sie diese Panzern erschossen haben, verstanden sie, dass die zu ihnen gehören. Dann kommt die ukrainische Armee und die befürchtende Panzern haben versucht durch die Brücke wegzulaufen, aber die Brücke konnte nur Autos, die max. 5 Ton. wiegen halten und deshalb sind die zwei Panzern in tiefes Wasser gefallen.

Es ist ein trüber, kalter Tag. Seit einem Monat sind die Massnahmen gegen die Coronaepidemie aufgehoben. Kleinesmädchen und ich beschliessen, ein Brot für die Familie zu backen, um das notvorrätliche Mehl etwas abzubauen. Ich muss nur wenig helfen und lasse die Bäckerin schalten und walten.

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Genügend Gründe hätte er, einmal nicht mehr zu erscheinen. Wir wären dann ohne blaue Bänder, süsse Düfte und natürlich auch ohne träumende Veilchen. Als Kind war der Frühling meine liebste Jahreszeit. Wir wohnten damals an einer Sonnseite über dem Gürbetal. Entlang des Schulwegs wuchsen Kirsch- und Apfelbäume, eine Hecke, durch welche ein kleiner Bach ins Tal plätscherte, trennte die Felder. Büschel leuchtender Dotter- und Schlüsselblumen wuchsen an seinem Rand. Ich glaube, meine Lehrerin Rosa Kestenholz war auch eine Frühlingsnärrin, denn die Lieder und Gedichte aus ihrem Unterricht sind bis heute in mein Gedächtnis eingenäht:

alle Vögel, alle / die Finken schlagen / plötzlich entronnen in aller Pracht /
von Mittag weht es lau / auf zum frohen Springen / Reis' ist Goldes wert /
Knospen schwellen / treiben wir den Winter aus / den alten, kalten
Krächzer / Brummbär, Ächzer / holder, holder Frühling / die Flur verjüngt /
sanfter, süsser Hauch / nun will der Lenz uns grüssen / aus allen Ecken spriesset /
Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte /
Loub am Boum u Schnee im Haag /
Singt's uf em Schleedornhag /
ds Härz, das isch gäng parat /
L' in­ver­no è pas­sa­to!
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Die Fremde ist ein kaltes Kleid
Mit einem engen Kragen
Ich hab´s mit meinem Koffer oft
Im Leben schon getragen
Als Einzelgänger von Natur
Wohn ich nicht gern zu Gaste
Ich hause lieber unterm Dach
Als fremd im Prunkpalaste
Ich reise ohne Stock und Hut
Und tanze aus dem Reigen
Wenn einer eine Reise tut
Dann kann er viel verschweigen

Mascha Kaléko 1907-1975: Chanson von der Fremde 
Bild: Padmacandra Meek : The Immigrants

So wie einige andere Beiträge, blieb auch dieser zum 8. März bis heute in „Entwürfe“ hängen.

Worte sind schwer zu finden. „Mein Motto war es, vorwärts zu schauen und alles hinter mir zu lassen, schnell neu anzufangen. Aber nun ist sie aufgesprungen, meine sicher verschlossene Erinnerungsschublade, und ich bin wieder eine Frau auf der Flucht, als ob es gestern gewesen wäre.“ Meine Freundin weint über sich und das Leid, welches in diesem Moment anderen Frauen widerfährt. Über vierzig Jahre sind es her, seit es sie mit Mann und drei Kindern nach einem Militärputsch in die Schweiz verschlagen hat, im Handgepäck hauptsächlich Windeln und Babynahrung.

Täglich werden neue Erinnerungsschubladen vollgestopft und der Inhalt der alten quillt heraus – schmerzlich, bitter.

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