Kraut und Rüben


Letzte sonnige Gartentage

Nun ist das Trampolin „eingewintert“. Jeden Tag füllen wir Körbe mit Laub. Die letzten Blätter werden dann, beschwert mit etwas Kompost, auf den Beeten liegen bleiben. Ich schneide die Himbeeren zurück, ernte Sellerie, Federkohl und Lauch. Wer frisst heimlich den Winterblumenkohl? Nachbars junge Katze gräbt die Blumenzwiebeln aus, spielt mit ihnen, beisst sie ein bisschen, bis ich die Zwiebeln mit Erde zudecke. Heute ist ein nasskalter Tag mit Hochnebel. Ich ordne ein paar Fotos von den letzten warmen Tagen, an welchen die Kleinkrähen aus den Schuhen schlüpfen und in Strümpfen durch den Garten rennen.

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Hochhaus im April

Einmal hat sich ein Pfarrer bei mir beklagt, dass er nicht an seine Schäfchen herankomme. Nichts wisse er von ihnen, obwohl er doch schon so lange mit und unter ihnen sei. Er hätte sich hinter einen Gartenzaun stellen, ein bisschen in der Erde graben sollen und einfach nur warten, bis sie ihn anblökensprechen.
Die Lage meines Gartens, nicht weit von einer Tramhaltestelle entfernt an einem schmalen stark begangenen Quartierweg gelegen, wäre ideal gewesen für den verschmähten Hirten. Er hätte vernommen, dass das Hundchen von Frau Rütschi beinahe blind ist, von ihrem Sohn aber heiss geliebt wird, so dass der bald Vierzigjährige gar nicht von Mutter und Tierchen weg ziehen mag. Krankheiten von ganzen Generationen, schlimme und glimpflich abgelaufene, wären ihm im Detail geschildert worden, samt Therapien schulmedizinisch und homöopathisch. Lehrerversicherungskasse, Banken, frühere und heutige Finanzkrisen, Deutsche in unseren Krankenhäusern (sehr nett und mitfühlend), Wellnessbäder (Solbad Sigriswil noch besser als „Beatus“ Merligen), Ferien im Tirol wo Mann das Handörgeli mitbringen darf, alles (und mehr) hätte der Pfarrer unter freiem Himmer durch den Maschendraht erfahren. Auch Erziehungsprobleme und -fragen, Ehen, Freundschaften, glücklich oder traurig beendet, mühsame Nachbarn, Umzüge, Geburten, von schwer bis ganz „ring“, „gfitzte“ Enkel, erfolgreiche Kinder, Minarette ja oder nein, Meinungen zu Kriegen, Mord, Todschlag, Teppichboden, Platten oder Parkett hätten ihm ein Bild seiner Gemeinde gegeben. Aber nun ist er schon lange weg, der unglückliche Gottesmann, wurde in den Synodalrat (Bürojob) gewählt und alles, was er nie vernommen hat, weiss jetzt ich.

Nur zu gerne würde ich einmal eine Bombe – eine Malvenbombe natürlich – werfen, wie dieser Maurice Maggi.

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Am Zaun

Nie hätte ich geglaubt, dass man durch einen Maschendrahtzaun so viele Geschichten erzählt bekommt. Als ich im Frühling mit den Gartenarbeiten begann, gingen mir die ständigen Kommentare der Passanten ein bisschen auf die Nerven und ich nahm mir vor, den Zaun blickdicht zu begrünen. Die Schnecken taten sich dann aber an den Winden-, Reben- und Bohnensprösslingen gütlich und übrig blieb nur …

Geissblatt

… das Geissblatt – von Sichtschutz keine Spur. Die Leute gehen hin und her, von und zur Tramhaltestelle, bleiben weiterhin stehen und erzählen mir ihre Geschichten durch die Maschen. Sie erinnern sich an Gärten, die sie selber einmal hatten und verloren, von der Arbeit, die sie einmal hatten und verloren, von der Gesundheit, die sie hatten und verloren, von den Hunden, Katzen, Kindern, die sie hattent und verloren. Seitdem die Blätter und Stängel spriessen und wachsen gibt es keine Ratschläge mehr, sollte ich aber dann …

Rhabarber

… Rhabarber, Stangenbohnen oder Himbeeren zuviel haben,
man wäre dann schon Abnehmer.

Aussaat in Toepfe

Sonnenblumen
Prunkwinden
Glockenreben
Topfwicken
Hosta
Astilbe
Frauenherz
Gartennelke

Das Apfelbäumchen habe ich schon letzten Frühling gepflanzt

Leergepickt

Der Kernevorrat, den Vater im letzten Sommer vor seinem Tod angelegt hat,
reicht noch für Jahre. Heuer standen die Blumen hoch und leuchtend im
Schulgarten zwischen den Hochhäusern. Die Vögel taten sich gütlich daran,
und ich hoffe, dass sie bei ihrem Flug über Malta nicht abgeknallt werden.

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Sie huschen leichtfüssig über Gartenwege, verschwinden zwischen fetten Stängeln, wuchten mächtige Broccoliköpfe aus Stauden, braten Spanferkel und Lämmer, spielen schwermütige Weisen auf Handorgeln, hämmern und graben, bohren auch ab und zu wie die Merliger von Merligen (im Ausland: Schildbürger von Schilda), philosophieren unter schattigen Weinranken, versuchen vehement, aber vergeblich, ihre eigenen Familiengarten-Regeln durch zu bringen, sinnieren über das, was vorbei ist und hoffen, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist – nämlich gut. Zwar ein bisschen schlechter als früher, aber was will man? Es ist, wie es ist: eben beinahe gut.
Wenns blitzt und donnert über dem Familiengarten Bottigenmoos und der Regen in diese üppigen Parzellen prasselt, dann ist es so richtig gemütlich. Man jasst, rüstet Bohnen für den Winter, hisst mit Elégance mit einem selbstkonstruierten Haken Bierflaschen aus dem im kühlen Boden eingelassenen Kehrichteimer, trauert über zu Ende gegangene Beziehungen, blickt auch gefasst dem Tod entgegen und lässt sich immer wieder trösten vom Garten, der „einem wie ein weicher Mantel umarmt.“
Zusammen gehalten wird das wundersame, multikulturelle Völkchen von zwei Dingen: dem Vereinspräsidenten, einem Italiener, welcher auch beim Giessen die Kravatte nicht auszieht und dem Garten-Eden-Berndeutsch, welches sich sehr weit vom Emanuel Friedlischen entfernt hat und von allen Willigen verstanden wird.
Nach „Pizza Bethlehem“ ist dies ein weiterer berührender Film über Menschen aus Berns Westen. Gedreht hat ihn einer der Gärtner.

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Salat

Vater Schnack, Mutter Schnick und ihr Kind Schnockeli haben schon eifrig daran gezupft, aber trotzdem ist für die Gärtnerinnen und Gärtner noch etwas übrig geblieben. Man müsse der Freude viel rechnen bei den selbst gezogenen Salathäuptern. Das tun wir, chräbelen, lockern, decken Glas darüber oder auch nicht, je nach Schnee in den Niederungen.

Sie …

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Sonnenkerne

Als ich 1984 in die Wohnung im 13. Stock einzog, gab es auf dem Balkon zwei verkümmerte Föhren mit vielen immergelben Nadeln. In den Blumenkästen hatten die Mieter vor mir eine „Kopostanlage“ eingerichtet, die penetrant vor sich hin stank. Vater und Albert kamen mit Säcken, schaufelten die verfaulten Küchen- und Grünabfälle raus und füllten neue Erde in Kübel und Töpfe. Es dauerte noch einige Sommer, bis ich wusste, welche Pflanzen dem Wetter in dieser Höhe stand halten konnten. Besonders robust waren diejenigen, deren Samen vom Wind oder den Vögeln aufs Dach getragen wurden. Ab Ostern bis im November verbrachten meine Familie und meine Freunde so viel Zeit wie möglich hoch oben über der Strasse unter freiem Himmel. In diesem Jahr grünte und blühte es in den Kästen und Töpfen, dass es eine Freude war, die Himbeeren und Erdbeeren waren süss, die Kräuter wohlriechend und ich kochte viele Liter Minzentee.
Und so tue ich jetzt, was man soll: Aufhören, wenns am Schönsten.

Staengel Hosta Rebe Mauer Butten Hortrose 1 Spur Aztekengold Sonnenhasel

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