Obwohl streng protestantisch erzogen, denke ich an Ostern nicht zuerst an die Auferstehung Jesu, obwohl mir in der Sonntagsschule dieser schwere, auf die Seite gerollte Surchabisbockistein stets drastisch beschrieben wurde. Ich erinnere mich an den Komiker Emil, der an einem Kreuzworträtsel knorzt und beim kirchlichen Feiertag „Ogtern“ einsetzt. (Leider finde ich das Video nicht mehr.)
Eier gefärbt haben wir nur in der engsten Familie. Wir alle waren so müde. Schon nach kurzer Zeit liessen Färberinnen und Färber von den Eiern ab und suchten sich ein Schlafplätzchen. So kam es, dass nur noch meine Freundin Marwa und ich die Stellung und das Traditionsfädchen hielten.
Immerhin reichte es auch dieses Jahr, einigen kleinen und grossen Nachbar*innen ein Näschtli zu schenken.
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Eigentlich hatte ich, zugehörig der Risikogruppe, das Kästchen „Inselspital“ angekreuzt. Das bedeutet, dass ich DIEIMPFUNG im Impfzentrum des Inselspitals bekommen wollte. Auf wunderbare Weise erhielt ich aber einige Stunden nach meiner Registrierung den Bescheid, dass ein Impfteam mich zu Hause aufsuchen würde. Ich müsse mich aber gedulden, man würde sich dann per Telefon melden. Interessant, ich hatte nichts gegen diesen einzigartigen Service einzuwenden. Nachdem ich mich sieben Wochen geduldet hatte, kam der versprochene Anruf. Laut und sehr langsam wurde mir im Walliserdialekt mitgeteilt, dass ich an diesem Vormittag die erste Impfung erhalten würde. Es kamen dann ein junger Mann und eine Frau um die Fünfzig, welche beide von der Aussicht – Alpen bis ins Luzernische, Voralpen bis ins Freiburgische und Jurahügel bis zum Weissenstein – aus dem 16. Stock fasziniert waren.
Sie verabschiedeten sich in normaler Lautstärke.

Drei Wochen später kündigte mir eine Frau Mürgi per Telefon die 2. Impfung an:
„Mir chöme im mittlere Morge.
Äs cha gäng wider Verzögerige gä.
Tüet de nid grad drvo loufe, we mer no nid grad da si!
Mir chöme sicher.“
Natürlich versprach ich Frau Mürgi, nicht davon zu laufen und auf das Team zu warten.
Während der Wartezeit fotografierte ich einen Teil meiner Osterdekoration, denn es wurde einem in den Medien gegen den Pandemiekoller ja immer wieder geraten, u.a. die Wohnung zu dekorieren:
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Rochel hatte schon lange nicht solch eine Nacht gesehen. Der Mond spazierte mitten am Himmel, und um ihn herum waren tausend Sterne ausgeschüttet, glitzernde Brillanten. Die Luft warm, leicht und frisch, kein bisschen Wind …

Aus: Scholem Aleijchem: Stempenju, Ill.: Anatoli Kaplan

Leipzig : Reclam, 1989
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Da kann’s stürmen, schneien, bei Minustemperaturen einem den Wintermantel um die Waden winden oder sogar erdbeben, der Frühling ist da und mit ihm der Bärlauch. Der Orange Riese überschlägt sich gerade mit Produkten, welchen saisongemäss dieses Wildkraut beigemischt wird: Brat- und Lionerwürste, Schinken, Fusscreme, Käse, Antischuppenschampoo, Brotaufstriche, Teigwaren, Saucen, Salate, Möbelpolitur gegen Wasserflecke … Verarbeitet mag ich Bärlauch jedenfalls nicht mehr sehen.
Den ganzen Winter über hat mich der Verlust des Gartens geplagt. Den Fussweg dem Zaun entlang vermied ich, denn ich wollte mir den tristen Anblick der leergeräumten Beete und des nun mit Abfall verschmutzten Sitzplatzes ersparen. Im Januar machte ich einmal einen „verbotenen“ Besuch im Garten, um so viele Schneeglöckchenbüschel auszugraben wie ich tragen konnte. Diese pflanzte ich dann in die Rabatten vor den Block. Zusammen mit dem Hausmeister und zur Freude einiger Bewohner*innen jätete und hackte ich anfangs März auch das Kräuterbeet vor dem Haus. Wir klaubten die unzähligen Zigarettenkippen, die bei uns täglich von den Balkonen vom Himmel fallen, zwischen Rosmarin- und Lavendelbüschen raus, bis alles „e gueti Falle“ machte (gut aussah). Vielleicht war ja jetzt die Zeit gekommen, wo ich mich auf das „Chräbele“ von Blumenrabatten und einem gemütlichen Schwatz mit den Nachbarn – im Moment sind es glückliche Impfgeschichten – auf dem Bänklein vor dem Block beschränken sollte?
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… lokal gefeiert in Berns Westen.

Für sie git’s nüt wo’s nid git
U aus wo’s git, git’s nid für ging
Sie nimmt’s wie’s chunnt u lat’s la gah

Aus: Patent Ochsner: W. Nuss vo Bümpliz *


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… dann erwachen die alten Menschen und sie fangen an zu hüpfen wie Kälber, die zum ersten Mal nach draussen gehen.

Diese Zeilen schrieb Heinz im März 2007 an seinen Pflegevater Jakob Glauser. Heinz war schon damals seit vielen Jahren gelähmt und konnte die Arbeiten auf seinem Bauernhof nur vom Rollstuhl aus mitverfolgen.

Heute vor zwei Wochen, dreissig Jahre nach seinem Hirnschlag, ist mein Pflegebruder Heinz an Krebs gestorben.
In den ersten Lebensjahren wurden er und seine fünf Geschwister von den Eltern verlassen und dann von der „Fürsorge“ in verschiedene Pflegefamilien verteilt.*
Als Erwachsene nahmen die beiden Schwestern Nelli und Rita wieder Kontakt mit den lange von ihnen getrennten Geschwistern auf.
Dass Heinz uns als glücklicher Mensch in Erinnerung bleiben darf, ist das Verdienst seiner Frau und seiner drei Töchter.
Sie gaben ihm in diesen schweren Jahren Liebe und Halt, so dass er im Frühling mit den Kälbern „hüpfen“ konnte.

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I, diesen Feiertag hätte ich beinahe übersehen, Entschuldigung, liebe Eisbären Wandernde, wie euch die Inuit respektvoll nennen!
Den Weltpinguintag im April werde ich ankündigen, damit diejenigen, welche dieses Jahr auf Ostern verzichten möchten, eine sinnvolle Feiertagsalternative prüfen können.

Zeichnungen: Briggs, Raymond : Der Bär, Lappan 1994, ISBN 3-89082-137-5

Saharastaub schwebt über Liebewil

Nach dem samstäglichen Einkauf mit meiner Tochter holt sie zwei Becher heissen Coffeetogo im geschlossenen Restaurant. Wir setzen uns dann ins Auto und fahren aufs Land. Es dauert nur wenige Minuten und schon sind wir zwischen dampfenden Miststöcken, Reitpferden in Wärmedecken, mit Rossmist belegten Gartenbeeten (Neid meinerseits). Die Tür- und Fensterrahmen der Häuser sind noch in weihnächtlicher Tannenzweigen- und Strohsterndekoration. Auf einer braunen Wiese steht ein Kran neben Rundballen in weissem Plastik. Wir parkieren dann artig auf einem Feldweg, so dass die Hunde mit ihren Menschen noch durchkommen, trinken Kaffee aus dem Kartonbecher und schauen auf die Bergketten, manchmal hinter grauen Wolken.

Gestern fuhren wir übers Bottigenmoos nach Liebewil, welches nach Herzwil kommt. Da gibt es behäbige Berner Bauernhäuser, Speicher, Scheunen, Ofenhäuser, Ausweichstellen zum Kreuzen, kopfsteingepflästerte Hausplätze mit starken Autos.
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In seiner Kabine auf der Santa Maria führte Columbus das Logbuch der Reise.Tatsächlich führte er zwei Logbücher. In einem verkürzte er die Entfernungen, um die aufsässige Mannschaft zu beruhigen.
Aus: Sis, Peter: Folge deinem Traum – Die Geschichte des Christoph Columbua, Hanser 1992, ISBN 3-446-16515-0


Zudem hat der Mond einen grossen Einfluss auf die Luft und Witterung der Erde und durch sie auf Gewächs, Tiere und Menschen. Jedermann weiss, dass sich am liebsten um die Zeit der Mondwechsel das Wetter ändert und bricht.
Wenn wir Kalendermacher den Mond nicht hätten, wir könnten nicht jahraus, jahrein und wer’s verlangt, von Tag zu Tag, das Wetter also voraussagen, dass es manchmal wunderbarlich eintrifft.
Ja, der Hausfreund getraut sich zu behaupten, dass noch andere und ganz kuriose Veränderungen auf dem Erdball vorgehen könnten, wenn einmal der Mond rebellisch werden und nimmer kommen wollte.

Johann Peter Hebel (1760-1826) aus: Der Mond, it 956, 1986
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Das ist mein letztes Adventskalenderbild 2020.
Weit gerollt: Einkaufswagen vor einem „Supermarkt“ in Deçan, Kosovo. Daneben: gestapelte Weissmehlsäcke.

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Am letzten Badetag, das heisst, am letzten warmen Tag vor Saisonschluss, blieben meine Enkelin und ich im Wasser, bis die Bademeisterin mehrmals um Feierabend bat. Der Abschied vom Weierli fiel uns schwer, denn 2021 wird das Bad saniert. Die Terrasse bleibe aber zugänglich, damit die alten Häsinnen und Hasen die Bauarbeiten mitverfolgen können. Das wird ja lustig, dieses Baden im Kopf. Auf dem angrenzenden Tennisplatz sind Wasserfontänen zur Abkühlung geplant.
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Meine Familie hat sich damit abgefunden, dass ich manchmal vom Hundertsten ins Tausendste komme (?).
Aber Abschweifungen finde ich eher interessant als mühsam, besonders, wenn man dann endlich doch noch auf den Punkt kommt.
Hier ein Beispiel:

Was aber der britische Sozialanthropologe Timothy Ingold sagt, dass E-Mails u. SMS eine Pandemie der Gedankenlosigkeit seien, da bin ich nicht einverstanden …

schreibt mir meine Schwester Hanni. Da bin ich ihrer Meinung, denn ich freue mich jedesmal, wenn ich ein Whatsapp-Foto aus irgend einem Ort der Welt erhalte, den ich nicht kenne. Ich nehme mir dann Zeit, ein bisschen zu recherchieren. Unglaublich, auf welche Schätze man da trifft.
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Was meine Lebensjahre betrifft, bin ich sozusagen bereits auf dem Heimweg …

So fängt Finn Canonica sein Editorial in der Magazin-Nummer 48 an, und man will weiterlesen.

Ich erinnere mich an Heimwege aus Kinder- und Jugendtagen auf dem Land, als Katze Züsi nach Schulschluss auf mich wartete oder Hund Bäri mit entgegenzottelte, wenn ich aus dem Postauto stieg, um ein Wochenende zu Hause zu verbringen. Auf einem Heimweg musste ich aber auch das Muster-Vreneli mit seinem eigenen Schirm verprügeln, weil ich nicht immer „Brüllengügger“ genannt werden mochte.

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Damit sie nicht verlorengehen, gibt es auch dieses Jahr hier wieder einen Adventskalender aus den Fötis, die ich von Familienmitgliedern und FreundInnen das Jahr hindurch zugeschickt bekam.

Auf mein rechtes Sprunggelenk ist Verlass: in der Nacht hat es geschneit. Ich öffne das Fenster und schaue hinab auf das schlafende Quartier. Nur entlang der Waldmannstrasse wird blinkend und brummend der Schnee auf den Tramschienen geräumt. Es ist kurz nach 5 Uhr. Ich wechsle die Kalenderblätter, lasse die vorbereitete Gemüsesuppe köcheln und packe dann den Jungkrähen das Mittagessen für die Schule ein.

Weshalb ich zu dieser frühen Stunde so ein bisschen ein Hochgefühl habe? Am vergangenen Wochenende wurde in Bern gewählt. Der frei gewordene Sitz meiner Partei im Berner Gemeinderat erhielt meine Favoritin (Neu im Rat: 2 Frauen, 3 Männer).

Die Berner Stadtratswahl war eine Frauenwahl. Von den 80 Mitgliedern des Stadtparlaments sind neu 55 Frauen und 25 Männer.

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Etwas gleitet im Mondlicht dahin. Wer ist das nur?
Wer ist denn so spät in der Nacht noch unterwegs?

Aus: Schubert, Ingrid und Dieter: Nikolaus oder Weihnachtsmann?, 1990, ISBN 3-7941-3309-9

Am frühen Nachmittag mache ich einen Besuch bei meinen Enkelkindern im 12. Stock. Zusammen mit ihrer Mutter sind sie daran, eine kleine Tanne aus Plastik in einem Topf zu schmücken. Auf der Spitze sitzt ein silberner Vogel, an den hellgrünen Ästen glänzen winzige Silberkugeln und verschneite Tannzapfen. Um das Minibäumchen ist bereits eine Minilichterkette gewunden.
Von der Zimmerdecke hängt ein Sternenstrang mit einem Glas für eine Kerze. Kleinesmädchen schleppt einen weiss gekleideten Nikolaus herbei. Er ist beinahe so gross wie das Kind und trägt eine Laterne. Ein paar Handgriffe von Papa Hausmeister und die Laterne samt Samichlausenkragen leuchtet.
Eigentlich hätte Frau Schwebel noch eine weitere Laterne zu vergeben, aber meine Tochter winkt entschieden ab, sieht mehr als genug Lampen in der Wohnung.

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Aaretal mit Gerzensee

Und er hatte sich auch noch nie vorgestellt, wie das wäre, wenn man hoch in der Ludft dahinflöge. Das war ja gerade, als flöge man weit weg von seinem Kummer und seinen Sorgen und von allen Widerwärtigkeiten, die man sich denken konnte. (Lagerlöf, Sema : Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen, Nymphenburger Verl. 1948)

Ist es das Alter, „die Situation“ oder beides, dass bei mir viele Erinnerungen aus meiner Kindheit auftauchen, die mich selbst erstaunen? Ab und zu – wenn’s passt – bekommen die Jungkrähen etwas davon ab, (u.a. die Bambusflöten-Ratten-Geschichte).
Mein erstes Flugzeug sah ich im Alter von neun Jahren. „Ein Heliokopter!“ rief Lehrer Aerni und zeigte aufgeregt auf ein brummendes Gerät, das seltsam schwankend über dem Wald hinter der Käserei verschwand. Wir Kinder waren auf dem Maibummel und neben meiner zerschlagenen Sirupflasche war dieser „Heliokopter“ das wichtigste Ereignis des Tages.

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Es ist spannend zu spüren, wie die neuen Übungen ganz andere Muskelpartien bewegen, die wir schon längere Zeit vergessen haben, schreibt mir meine Schwester Hanni über ihre Physio im Therapiebad. Mir scheint, dass ich seit dem 23. September (Saisonende im Schwimmbad) von den über 650 Muskeln nicht einmal die 50 in meinem Gesicht bewege.
Gestern, an diesem martinssömmerlichen Sonntag, widmete ich mich wieder einmal dem TMB-Kreuzworträtsel im „Magazin“. Obwohl es nicht zu den Schwierigsten gehört, war ich trotzdem froh, einigermassen hurtig das Lösungswort zu finden (HEIZPILZSAISON). Bei 23 waagrecht Randständiger a.D. und Namensvetter der Ikone aus Courgenay setzte ich die 5 richtigen Buchstaben subito ein (hatte ja schon das senkrechte S von den Humus aufbereitenden Bintjefressern).

Seitdem auch der Garten eingewintert ist, bleibe ich morgens gegen sechs Uhr noch eine Weile auf dem Bettrand sitzen, schaue, wie der Tag beginnt und was das Wetter so macht. Manchmal steigt der Nebel auf meine Fensterbank, auf welcher eingewanderte Käfer nach Wärme krabbeln oder es hängen Wolken tief über den Bergketten und der Stadt. Dann gibt es diese Sonnenaufgänge, wo sich die Alpen gestochen scharf von einem orangen Himmel abheben. Absolut dramatisch wird es ca. acht Tage nach einem Wirbelsturm in der Sahara. Durch den Saharastaub in der Luft bekommen sogar die Hauswände der Hochhäuser etwas ab von dem goldroten Licht.

Ein Umgewöhnen an „die Situation“ ist es schon, nachdem ich mein Leben lang dazu angehalten wurde, statt mit der Faust dreinzuhauen (habe mich gerade mit „Fust“ verschrieben, da ich auf eine neue Waschmaschine warte), das Gespräch zu suchen, auf den anderen zuzugehen, wenn nötig, ihm/ihr die Hand zu reichen oder in Trauer wie in Freunde zu umarmen, ein Krankenbsüechli zu machen, mir Zeit für einen Schwatz am Gemüseregal des Orangen Riesen zu nehmen. Damit ist jetzt Schluss. Trotz meiner Vermummung und der stets angelaufenen Brille werde ich erkannt und in nötigem Abstand begrüsst, was mich ein bisschen wundert. Das kann nur an meiner Postur und der Kleidung liegen, denn beide sind seit Jahrzehnten immer gleich.

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