Heute habe ich eine Antwort zu den 0.5-Liter Milchbeuteln erhalten.
Sie zeigt mir, wie schwer von Begriff ich bin:

Sehr geehrte Frau C.
Vielen Dank für Ihre erneute Rückmeldung.

Mehrere Faktoren sind zu nennen, weshalb es keine 0.5 Liter Milchbeutel hergestellt werden. Produktionstechnisch ist es nicht möglich, eine Viereraktion mit 0.5 Liter durchzuführen, da die Maschinen dafür nicht eingerichtet sind. Des weiteren müssen Mindestanforderungen erfüllt sein, welche die 0.5 Liter Milchpackungen erfüllen müssen. Diese sind jedoch nicht gewährleistet und es gibt deshalb keine Qualitätssicherheit.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Angaben weiterzuhelfen und grüssen Sie freundlich.

N. B.D.

Kundenberaterin M-Infoline

Heiter wie der Frühlingsmorgen

Blumenstrauss

möge stets Dein Leben sein

Himmelguck

Fern von Kummer ohne Sorgen

Bodenguck

wie der goldene Sonnenschein

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Wieder einmal sitze ich an einem Tisch mit vielen Leuten, von welchen ich nur drei kenne. Wieder stelle ich fest, dass die Paare aneinander kleben, unbedingt nebeneinander oder sich gegenüber Platz nehmen wollen und die Einzelpilze sich exgüseeischhienofrei am Rande hinsetzen. Es ist nicht so, dass ich Essen mit Unbekannten liebe, aber manchmal sind sie nicht zu vermeiden, und als Fan des Unnützen Wissens komme ich immer auf meine Rechnung.

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Nachdem ich in diversen Filialen des Orangen Riesen nachgefragt hatte und mir niemand eine Antwort geben konnte, konsultierte ich die Infoline. Meine beiden Fragen waren so kompliziert, dass ich nach einer Woche ein nettes Mail erhielt, in welchem man mir mitteilte, dass die Abklärungen „etwas länger als erwartet“ dauern würden.

1. Frage:
Weshalb gibt es keine Nachfüllbeutel mehr für Extra Konfitüren?

Infoline:
Die Nachfüllbeutel hatten jahrelang Qualitätsprobleme, die wir leider nicht beheben konnten. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, die Extra Konfitüren Beutel aus dem Sortiment zu nehmen.

Konsumentin:
Habe ich jetzt jahrelang Konfitüre mit Qualitätsproblemen gegessen? Wie wurde ich dadurch in meiner Gesundheit geschädigt?

2. Frage:
Weshalb gibt es die 1/2 Liter Milch nicht als 4er-Packung zu kaufen,
so wie die 1 Liter
?

Infoline:
Die Nachfrage nach den ½ Liter Milchbeutel ist noch zu klein. Deshalb gibt es nur den 1-Liter Beutel.

Konsumentin:
Den 1/2-Liter-Beutel kann man aber schon seit einigen Jahren kaufen. Bei meiner Frage geht es um die 4er-Packung.
Ausserdem werden täglich Millionen von Produkten angeboten, nach denen überhaupt niemand gefragt hat.

Infoline:
Mit diesem Schreiben möchten wir die Sachlage klären. Wir hoffen, es gelingt uns.

Konsumentin:
Mit diesem Schreiben wurde für mich nur eines klarer: wenn nach und nach die umweltfreundlichen Verpackungen bei Riese M verschwinden, kann ich ja die Gläser beim näher gelegenen Riesen C einkaufen.

Die Schmierseife im Nachfüllbeutel hat wahrscheinlich auch unter jahrelangen Qualitätsproblemen gelitten. Sie wird wohl deshalb wieder in äusserst soliden Plastikflaschen verkauft.

Ich rede mir ein, dass ich es längst aufgegeben habe, Aussenstehende von der Lebensqualität in meinem Quartier zu überzeugen, schliesslich wohne ich laut Medien nicht in einem „Hochhaus“ oder einem „Block“, sondern zusammen mit zu vielen „Ausländern“ in „Betonklötzen“, „Wohnmaschinen“, „Chüngeliställen“, „Bunkern“ oder sogar in einem „Ghetto“.
Solches kümmert die Juniorinnen des FC Bethlehem wenig. Die Fussballerinnen mit „Migrationshintergrund“ kicken, weil es sie glücklich macht und sie sich ein Leben ohne Fussball nicht vorstellen können. In ihrer Club-Hymne besingen sie die Pizza: Ein immer gleicher Boden, der mit den unterschiedlichsten Zutaten belegt werden kann und gut schmeckt.
Gerade habe ich den erfrischenden, berührenden, humor- und kraftvollen Film „Pizza Bethlehem“ gesehen und empfehle ihn hiermit wärmstens weiter.

Asche aus Island
(Aussicht aus dem 16. Stock, 09:00)

Nun ist sie auch bei uns angekommen.

Das fragt man sich jedes zweite Jahr. Man wird älter, ist eigentlich zu alt für so etwas. Dazu ist zu bedenken, dass das Ganze nicht gratis ist, ja, ehrlich gesagt sogar teuer, eine Geldmacherei. Herausgeschmissene Fränkli. Dafür gäbe es mindestens ein paar warme Winterschuhe. Ausserdem ist es ein kurzer Spass und erst noch ein männerlastiger, nichts für echte Feministinnen.
Ich jedenfalls habe 2 Panini-Hefte für Freitag bestellt!

Sie …

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Ob ich nicht auch fände, dass die Zeiten im Moment besonders schlecht seien? Leute brächten sich um oder seien depressiv. Junge Eltern könnten wegen Geldsorgen nicht schlafen und ständig höre man im Bekanntenkreis von unheilbaren Krankheiten. Unter den Lehrerinnen und Lehrern grassiere eine extreme Berufsflucht. Zahlreiche litten unter einem Burn out, welches sie beim Anblick eines Klassenzimmers in kalten Schweiss ausbrechen lasse. Auch mit der Integration stehe es nicht zum Guten. Es sei immer noch gang und gäbe, dass muslimische Väter ihre Familien in ihr Herkunftsland zurück schickten, sobald die Töchter alt genug seien für den Schleier. Bräute würden von den ausländischen jungen Männern in die Schweiz eingeführt und nicht selten daran gehindert, sich im neunen Land selbständig zu bewegen oder sogar die Sprache zu lernen. Die Heirat mit einer Schweizerin oder einem Schweizer bedeute in den meisten Fällen die Verstossung aus der Familie, wenn nicht aus der ganzen Sippe. „Gemischte“ Enkelkinder würden von den ausländischen Grosseltern verleugnet.
Im Vergleich zu den täglich in den Medien gezeigten Gräueltaten, Kriegen und Katastrophen seien solche Sorgen ja vielleicht nur Sörgelchen. Trotzdem sei das ein schwacher Trost, wenn einem alles über den Kopf wachse.
„Was tötet mich nicht, macht mich stark“, meint meine kroatische Arbeitskollegin.
Die Frage ist nur, wann?

Hassan will sich selbständig machen und ins asiatische Take-away-Geschäft einsteigen. Ein Lokal dafür hat er bereits gemietet. Für die Mitarbeitenden ist ein Klo mit Lavabo vorgeschrieben. Wäre vielleicht bei einer Haussanierung etwas Brauchbares zu finden? Hassan fragt seinen Freund, den Hausmeister. Dieser kennt einen Bauarbeiter, welcher im Moment verantwortlich ist für das Herausreissen der sanitären Anlagen in einem Block. Sobald das Gesuchte in gutem Zustand auftauchen sollte, werde der Mann vom Bau sich melden. Der versprochene Anruf kommt. Die beiden Freunde machen sich auf zum Bauplatz. Hassan hat Höhenangst und mag nicht in den Baulift steigen. So fährt der Hausmeister an der Aussenwand hoch und wird vom Arbeiter in die Dachwohnung im 13. Stock geführt. Trennwände, Küche und Decken sind bereits rausgerissen. Kloschüssel und Lavabo kann der Hausmeister mitnehmen.
Bevor er die Wohnung verlässt, filmt er sie mit seinem Handy.
„I ha fasch müesse gränne,“ erzählt er mir später.

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Ich hab dich ja so lieb

Statt Schoggihühner, die total ausgestorben zu sein scheinen, setze ich Goldhasen mit Glöckchen in die Nester. Ausser mir scheint kein Mensch die Osterhenne zu vermissen. Kleines Mädchen und Kleines Bübchen gehen auf die Suche und freuen sich ungemein an ihrem Nest und den neuen Badehosen.

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Mit der Kräutersuche war’s heuer nicht so einfach. Ein Aprilschnee bedeckte die zarten Pflänzchen, und den Hauswänden entlang fuhr eine scharfe Bise. Trotzdem tat ich mein Bestes fürs traditionelle Eierfärben bei mir im 16. Stock. Ich kroch abseits der Hunderouten unter Büsche, umrundete Baumstämme auf der Suche nach dekorativem Grün und trat dabei xmal auf meinen Schal beim Erklettern sämtlicher Schlittelhügel im Quartier.
„Offene Tür“ am Karfreitag gibt es bei mir seit ungefähr dreissig Jahren. Damals war an diesem Tag alles geschlossen. Viele Familien im Quartier, der christlichen Feiertage unkundig, hatten es verpasst, am Gründonnerstag bis 16 Uhr genügend Essen einzukaufen. Natürlich war es mir nicht möglich, alle Hungrigen zu speisen, und einige hätten auch nichts angenommen. So kam ich aufs Eier Färben. Die Kinder waren an diesem meist nasskalten Tag beschäftigt, konnten Züpfe und Käse essen und eine Schachtel Ostereier nach Hause nehmen.
Hier ein altes Foto von 1993:

Quartierkinder 1993

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Morgen

… die Sonne am Wochenende. (ca. 07:30 -)
Man wagt, noch warm eingepackt, einen Gang über Bundesplatz und -terrasse, wo junge Hunde spazieren geführt werden und die Bise das nächtlich Erbrochene gnädig trocknet. Auf der Brücke sieht man, trotz Netz, nur die Stellen, an welchen ein Hinunterspringen kein Problem wäre. Dann gehts hurtig dem „Naturhistorischen“ zu in die Wärme zu Barry, Bernhard und Vivienne und ihrem ausgestopften Vermächtnis. Kleinesmädchen und Kleinesbübchen kennen sich hier besser aus als ich, drücken auf Knöpfe und Tasten, bringen so Güggel zum Krähen und Krokodile zum Knurren, malen auf Bildschirme und müssen in den unzähligen finsteren Nischen ständig gesucht werden. Dann gibts Hotdog und Schoggikuchen neben dem Museumskiosk mit dem ganzen Klimbim, der in Regalen und an drehbaren Ständern angeboten wird. Erstaunlicherweise wollen die Kleinen davon nichts haben, und nach einigen Stunden des Suchens und Erforschens gehts im völlig überfüllten 14er wieder Richtung Westen.
„Das war ein schöner Sonntag“ habe ich als Kind immer ans Ende der Aufsätze zu diesem Thema geschrieben.

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Wo ni das Plakat ha gseh, hani mine Ouge nid trout. Bruun! Das darf doch nid wahr si! Lideni unger ere Art vo Sehschwächi? Blau u Gäub git Grüen, hei mer als Ching scho gwüsst. Das aber Rot u Grüen Bruun söu gä, isch mer nöi. Da hiuft o das gäube Rändli um die vier Batze ume nüt. Jedesmal vor de Wahle wärde mir mit em hässlechschte Wärbemateriau konfrontiert, wo me drmit im Autag nid emau chönnt e Muggesprey verchoufe. Aber für d’Politik schiint’s z’länge. Warum regenimi eigentlech uf?

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„Achtung:
Bitte beachten Sie, dass News ihre Aktualität mit der Zeit einbüssen können“ lese ich auf einer internen Seite „meiner“ Institution.
Das gibt mir zu denken. Sind News immer noch News, wenn sie ihre Aktualität eingebüsst haben? Muss ich diese Meldung beachten, weil es eben News geben könnte, die News bleiben, obwohl sie ihre Aktualität womöglich schon eingebüsst haben?
Einerseits zum Verrücktwerden, andererseits kann ich mich von dem schrecklichen Ereignis ablenken, welches sich gestern zugetragen hatte. Ein junger Mann brach nachts in den Block ein und stürzte sich von einem der obersten Stockwerke in die Tiefe. Er wohnte in einem Einfamilienhaus.
Wir sind alle noch ganz benommen. Ein intensiver Tag, dieser gestrige 8. März, an welchem wir Frauen extrem gefordert wurden und dabei den Internationalen Tag der Frau beinahe vergassen.

Zum beinahe vergessenen Jubiläum „175 Jahre Volksschule“ hier die Titelseite meines liebsten Lesebuchs. Endlich habe ich eine bezahlbare Ausgabe gefunden, illustriert von Ernst Kreidolf und bearbeitet u.a. von Elisabeth Müller

Was vor 175 Jahren aufgeschrieben wurde:

Jedes Kind hat Anrecht auf Bildung
Der Schulbesuch ist obligatorisch
Der Unterricht dauert das ganze Jahr
Im Sommer sind es 18, im Winter 24 Stunden pro Woche
Pro Jahr gibt es 8 Wochen Ferien

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Mit der Lohngleichheit von Frauen und Männern stehe es wieder ein bisschen besser schlechter, habe ich gelesen. (Wars denn schon einmal gut?)
Macht nichts, denn wir Frauen haben dafür eine Waschmaschine, einen Geschirrspüler, ein Dampfbügeleisen, einen Staubsauger, einen Tiefkühlschrank, einen Onlineshop, ein iPhone, eine Mikrowelle, ein Auto, Annas-Best-Salat und den Vorwaschfleckenspray. So bleibt uns viel Freizeitistgeld, in welcher wir Bücher lesen, Musik hören, fein kochen für liebe Freunde, Sport treiben, reisen, uns weiterbilden, Pferde stehlen und vieles mehr.
Doch superalles …

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In der Familien gibt es kleine Geschichten, welche durch Generationen immer wieder erzählt werden. Hier eine, an welche ich in der vergangenen Woche oft gedacht habe.
Meine Mutter war eine kämpferische Frau. Das machte sie bei vielen nicht besonders beliebt. An ihrem Grab standen diejenigen, für welche sie sich ständig „in die Nesseln gesetzt“ hatte. Als sie dem Verpächter auf die Schliche kam, dass dieser im Vertrag die Fläche des Pachtlandes nach oben „korrigiert“ und den Zins jahrelang dafür eingestrichen hatte, sagte sie „Lugihung“ zu ihm. Dummerweise war auch der Notar zugegen, welcher die Beschimpfung bezeugen musste. Meine Mutter erhielt eine Busse von 100 Franken. Das war zur damaligen Zeit ein Vermögen, und sie hätte das Geld „anderweitig“ gebraucht. „Das reut mich nicht, ich habe es diesem Lugihung gerne bezahlt“, sagte sie bis ins hohe Alter und freute sich jedes Mal köstlich in der Erinnerung an das Gesicht des Beleidigten.
Diese Geschichte und noch einige mehr haben mich geprägt. „Lugihung“ sage ich kaum noch. Meine letzte ausgeteilte „Beschimpfung“ liegt 17 Monate zurück und kam aus der Pflanzenwelt. Ich habe jemanden „junge Trübu“ genannt. Das war gar nicht gut! Meine ganze Familie wird dafür bestraft, indem wir bei einer Hausverwaltung keine Wohnung mehr bekommen und auf der „Schwarzen Liste“ stehen. Ups … Entsch …
Mit diesem Bericht schliesse ich die Kategorie „Totalsanierung“ ab.

Bern West by night 1

Den ganzen Tag braust der Wind um den Block, pfeift durch Lüftungsschächte, wirbelt über Balkone, rüttelt und zerrt an allem, was er zu fassen bekommt. Der Lärm ist ohrenbetäubend, und man denkt an die Donner-Bigeli von früher.
In den Nachrichten werden unter anderen Bilder von einem eingestürzten Block in Conceptción gezeigt. Im 16. Stock ist er abgebrochen.
Wir haben uns wirklich nicht zu beklagen. Unser 16. Stock steht noch und mit ihm das ganze Hochhaus.
Am Abend legt sich der Wind, nur ungern. Ab und zu heult er wieder auf und jagt die Wolken über den nächtlichen Himmel.

Die Tickets fürs abgesagte Konzert im Kultur Casino in Bern sind weiterhin gültig, nur müssen die Freunde und Fans noch etwas langer auf Lang Lang warten. Nämlich bis zum 26.06.2010. Der Popstar hat sich „eine Entzündung am rechten Zeigefinger zugezogen, die ihn zu einer ca. einwöchigen Pause zwingt “ – oh, oh.
Marwas chinesischer Physiotherapeut glaubt nicht an diese Gebresten. Er weist darauf hin, dass gegenwärtig in China Neujahr gefeiert wird. Solche Feierlichkeiten sind eine tiefe Goldgrube für einen Lang Lang. Europa im Februar kann da beim besten Willen nicht mithalten.

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