Die Einstein-Leckerli mit Honig, Nüssen und einem Marzipanbild des Meisters verdienen sicher grosses Lob. Ausser den Konditoren haben sich noch zahlreiche andere -oren und -orinnen angestrengt, aus dem Einstein-Jahr ein Event für Jung und Alt, Eilige, Sportliche, Wissensdurstige aus nah und fern und für jeden Geldbeutel zu machen – Physik für den kleinen und den grossen Hunger. Ende 2005 müsste jedes Kind wissen, wer da für Versicherungen, Privatschulen, Computer, Hustensirup, Haargel die Zunge rausstreckt. Solltet ihr samstags Männer antreffen, die in Filzpantoffeln auf dem Markt einkaufen, kann es sich nur um Einstein-Fans handeln.
Neben dem „Popstar der Physik“ wurde seine intelligente, musikalische, originelle und sozial kompetente Schwester Maja, wie so viele Schwestern berühmter Männer, völlig vergessen.
1908 schloss diese an der Universität Bern ihr Studium der romanischen Philologie, italienischen und französischen Sprache und der Literatur magna cum laude (lat. mit grossem Lob) ab.
Maja war ihr ganzes Leben lang innig mit ihrem Bruder verbunden, war seine Sonne und er die ihre. Von den Faschisten vertrieben, fand sie bis zum Tod Unterschlupf bei Albert in Princeton/USA.
Mehr über dieses ungewöhnliche Frauenleben in einer schwierigen Zeit könnt ihr in folgendem Buch lesen. Eine Frau, Historikerin und Archivarin der Universität Bern, hat beharrlich und mit grossem Engagement für uns geforscht:
Rogger, Franziska : Einsteins Schwester

Tiefst betroffen ist man hier im Hauptstädchen in diesen Tagen besonders über den Tod des Papstes. Gerade letzten Juni hat man ihn doch noch auf der Allmend gesehen. Aber, wie ein TV-Sprecher betroffen mitteilte:
„Geahnt hat man es schon lange, dass der Papast einmal sterben würde …“
Betroffen ist man hüben und drüben auch über den Angriff einiger Schüler auf einen Lehrer in Biel. Letzte Woche wurde dieser von Jugendlichen zusammen geschlagen, als er auf dem Pausenplatz Erstklässler beschützen wollte. Der Präsident des Lehrerdachverbandes Herr Zemp fordert härtere Strafen, die Polizei, Kriseninterventionsteams, mehr Zeit zur Betreuung schwieriger Schüler.
Momentane Betroffenheit hat auch die Nachricht ausgelöst, dass Bern Schweiz weit die meisten Rechtsradikalen besitzt.
Noch betroffener sind wir darüber, dass diese immer jünger sind und, laut Inlandgeheimdienst, bald aus dem Kindergarten kommen werden.
Eingermassen betroffen stellt der Schulinspektor aus Berns Westen fest, dass im Mobbingfall von 3rd „anscheinend eine Not vorhanden“ sei und man das geschlagene und nach allen Regeln der Mobbing-Kunst gequälte Kind doch in die Erziehungsberatung (031 633 41 41) bringen solle. Bis heute ist es den Verantwortlichen in der Schule nicht gelungen, die Situation in dieser 4. Klasse in den Griff zu bekommen. 3rd wird im Sommer eine Privatschule besuchen.
Völlig betroffen stellt man fest, dass neue Opfer bereits ausgewählt sind.
Siehe auch

Aldin drückt die Smarties-Rolle noch etwas tiefer in die Erde.
Blinera zieht den leeren Abfallsack hinter sich her.
Christoph trägt in spitzen Fingern einen leeren Eisteebeutel.
Deborah schaukelt schnell ein bisschen.
Egzon springt mit Anlauf auf den Chips-Sack.
Fatima fängt herumwehende Schokopapierchen ein.
Gulasch türmt Coladosen auf.
Hilye erklärt, dass nichts von dem Abfall der ihre sei.
Irfan befreit Büsche von Plastiksäcken.
Jennifer spachtelt Kaugummi an der Unterseite der Parkbänke ab.
Kevin füllt seinen Sack mit Abfall aus dem öffentlichen Papierkorb.
Liliana sitzt nur so da.
Manhdin und Ngoc-Ngân machen Haselruten.
Olivia sammelt Teile eines toten Fahrrads ein.
Pascal putzt den einen Teil des Pausenplatzes.
Qendrim putzt den anderen Teil.
Raquel rafft zusammen, was anstatt im Caritas-Container im Blumenbeet gelandet ist.
Subarathy bringt Blineras Abfallsack gefüllt zurück.
Terence kickt einen luftlosen Fussball.
Undine geht.
Vinuska streitet mit Olivia um die Klingel vom toten Rad.
Wendy will sie auch.
Xhemile klaubt Papier und Tannadeln aus den Abflusslöchern.
Yagmus isst etwas.
Zeus ist stolz auf den grossen Abfallberg.

Alles begann letzten Oktober, als ich dem Verwalter Herr Rolf B. aus Bü. mitteilte, dass unsere Haustür nicht mehr ins Schloss fällt. Hätte er damals die Türe zuverlässig reparieren oder ersetzen lassen, wäre das alles nicht passiert.

Am 19.10.04 kam der Schreiner zum ersten Mal. Jedoch bereits am 11.11.04 meldete ich wieder, dass die Türe nicht von selbst schloss. Der Verwalter versprach, sich darum zu kümmern. Anfang des neuen Jahres schrieb ich ihm, ich würde mich selber darum kümmern und ihm die Rechnung schicken, da Zeugen Jehovas, Spendensammler aus Sri Lanka, Scherenschleifer und sonstige unangemeldete Gäste freien Eintritt ins Haus hätten. Er antwortete, das sei nicht nötig, er werde den Schreiner noch einmal aufbieten. Am 21.2.05 informierte ich ihn darüber, dass das Schloss wohl ersetzt werden müsse und erklärte ihm, dass das vielleicht an der Temperatur oder an der Feuchtigkeit liegen könnte, die das Holz verziehe. Er wünschte mir einen wunderschönen Tag und schrieb, er werde sich sofort darum kümmern. Dazwischen führte ich immer wieder Gespräche mit den NachbarInnen. Am 11.3.05 verlangte ich erneut von ihm, die Türe richtig und endgültig reparieren zu lassen.

Am 12.3. dann wurde eingebrochen. Die Waschkasse wurde demoliert und ausgeraubt und einige Kellertüren standen nun offen. Es wurde Wein und Likör geklaut. Herr Rolf B. erlaubte sich, mich zuerst über seinen Gefühlszustand, der Nebel und der Schnee vernebeln mein Gemüt, aufzuklären, bevor er Stellung bezog. Er werde bei der Firma Muesmatt sofort nachfragen, ob es Probleme bei der Reparatur gab und bezweifle, dass der Täter von ausserhalb kam. Dieses Greenhorn kennt wohl die „Contact“- Wohnungen vis-à-vis nicht. Herr Rolf B. gab dann ohne meine Zustimmung meinen Namen an: dem Schreiner Herrn Fuchs, der die Kellertüren reparieren sollte, der Polizei, wegen der Anzeige und auch dem Elektriker, der den Münzkasten an der Waschmaschine durch einen Kartenkasten ersetzen wird. Ich telefonierte, öffnete die Tür, erklärte, zeigte, führte, gab zu Protokoll und verabschiedete x Leute, von denen ich die einzige bin, die dafür nicht bezahlt wird.

Der Verwalter klärte mich weiterhin über sein Wohlbefinden und über seine Pläne auf, der Frühling ist mega schön, die Wärme und Helligkeit bringen mein Gemüt wieder auf Hochtouren, ich freue mich auf meinen kleinen Wohnwagen in Avenches und mach mich jetzt auf die Socken, um Ihnen als Dankeschön für Ihren Einsatz ein Sträusschen Blumen zu ergattern. Ich habe Sie ein bisschen ins Herz geschlossen mit Ihrer aufgestellten und frischen Art – soll im übrigen keine Anmache sein.
Am 24.3 05 schrieb ich ihm kurz und bündig, ich wolle keine Blumen sondern eine sichere Haustür. Worauf er mir sofort antwortete: Ihre E-Mail stimmt mich traurig, doch werde ich veranlassen, dass der Türschliesser ersetzt wird, damit die Türe besser ins Schloss „knallt“. Schöne Ostern.

Inzwischen ist ja auch der Elektriker gekommen und hat mir alle Karten in die Hand gedrückt. Ich musste die Waschfrauen und –männer in das neue System einführen und ihnen die Karten verteilen. Ich habe jetzt die Verwalter- und Hauswartskarte in Obhut, obwohl ich weder das eine noch das andere bin. Der alten Frau, die das Münz holen wollte, habe ich die Situation auch geschildert und sie zu Herrn R. Bärtschi in Bü. geschickt, der allerdings gerade in Avenches Ferien macht.

Am 1. 4. 05 sendete ich ihm zwei Listen. Eine mit allem, was ich im letzten halben Jahr für diese Türe gemacht habe und die zweite, wer welche Karte benutzt. Sonst kann ja niemand abrechnen.

Die Miete ist gestiegen, kein Wunder, aber die Türe schliesst auch heute nicht.

Als ihr Vater 1576 verstarb, übernahm Martha Ougenweyd seine Lehre (Schule). Als Besoldung erhielt sie, laut Säckelmeisters Rechnung, jährlich
2 Saum welschen Weins (334,34 Liter). Als die Lehrgotte Ougenweidina verstarb, hinterliess diese ihrer Tochter Sara Schürer, verwitwete Fischer nicht nur ihr Amt, sondern auch noch das kleine Gut von 200 Pfund. Da es Sara „weder des Temperaments, der Energie noch der Wirkungslust“ mangelte, „tritt sie uns als eine überragende Lehrerpersönlichkeit entgegen“. Als Inhaberin der „grossen Lehre“ (Schule) erhielt sie den Beinamen „Grosse Lehrgotte“. Da die Schulkinder nur unregelmässig für den Unterricht bezahlten, war Sara, jung verwitwet mit vier Kindern, sehr froh, als ihr im Jahre 1595 vom Rat 5 Pfund an Geld und 1 Mütt Dinkel zugewiesen wurden. Mit 1 Mütt Dinkel konnte man, nach Abzug des Müllerlohnes, einen Zentner Brot backen. Im folgenden Jahr hob der Rat die Besoldung der „Grossen Lehrgotte“ auf mehr als das Doppelte an! Unter dem Mutternamen Sara Ougenweid erhielt sie nicht nur 10 Pfund für eine „Badenfahrt“ zugesprochen, sondern auch noch 10 Pfund „zum gutten jar“.
Die Berner Herren wussten eine vorzügliche Lehrerin also zu schätzen!
Wie diese frouw sich erfolgreich für eine Mädchenlehr (Mädchenschule) einsetzte, kann man in in der Diss. phil. 1925 von Ida Somazzi nachlesen: Geschichte der obrigkeitlichen Lehrgotten im alten Bern

Ich habe die Arbeit dieser ebenfalls vorzüglichen Lehrgotte gerade katalogisiert.

Seit gestern früh hängt vor der Eingangstür ein Flachduvet (200×210) am Geländer. Ich bin erstaunt, dass es niemand zu vermissen scheint.

Eierkunzt

färbt
sucht
funden
gessen

In Alberts Familie bekamen die Männer zu Ostern ein Dutzend mit Zwiebelschalen gefärbte Eier. Für die Frauen waren deren acht vorgesehen. Die Schulkinder aus den Weilern der Sonnseite hatten mehr Eier in ihren Körbchen als die Dorfkinder von der Schattseite, wo die Hühner noch im letzten Schnee scharrten. Jedes Familienmitglied passte auf seine Eier auf wie ein „Häftlimacher„, damit ja keines in einem falschen Magen verschwand. Lieber liess man eines verfaulen, als dass man eins verschenkte.
Seit dreissig Jahren gibt es bei mir im Hochhaus einen Karfreitag der offenen Tür. Wer Zeit und Lust hat, kann zum Eierfärben, Plaudern und Essen kommen. Mindestens zwei Dutzend der Ostereier werden an die Nachbarn verschenkt.

Wie jedes Jahr lud 1st heute zum Eierfärben ein. Mich dünkt, in diesem Karfreitagskreis waren noch nie so viele Sprachen vertreten. Die 17 Leute hätten in folgenden Sprachen kommunizieren können: Schriftdeutsch und Dialekt, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch (aus Andalusien und aus Bolivien), Kurdisch (Krmantsch), Türkisch, Arabisch, Hebräisch, Albanisch, Schwedisch oder Norwegisch, Russisch und wäre mein Schwager auch gekommen, hätte er uns auf Chinesisch gesagt, wie ungern er (in diesem Kreis oder grundsätzlich?) Eier färbt.

Ich wünsche euch allen frohe Ostern und uns etwas mehr Kommentare!

Tschüss, Salut, Ciao, Adios, Güle güle, Tung, Selam,…

Gestern mussten wir in der Schule Zähne putzen mit der Zahnärztin und der elmex-Gelée-Fluorid-Zahnpasta. Als wir fertig waren, haben wir mit der Zahnärztin etwas ausprobiert. Sie hatte ein Ei mitgebracht. Dieses bestrichen wir zur Hälfte mit elmex-Gelée-Fluorid-Zahnpasta. Dann legten wir das Ei in ein Glas mit Essig drin. Der Essig sollte die Säure des Zuckers darstellen und das Ei den Zahn. Wir liessen es dort, während wir ein Blättchen mit Fragen ausfüllen mussten. Zum Beispiel: „Ich putze jeden Tag drei Mal ……….. [da mussten wir „2-3″ einfügen] Minuten die Zähne.“

Als wir das Ei wieder aus dem Essig herausnahmen, war es auf der einen Seite ohne elmex-Gelée-Fluorid-Zahnpasta voller Bläschen und auf der anderen Seite mit elmex-Gelée-Fluorid-Zahnpasta sah es noch ganz normal aus.

Bevor sie gegangen ist, hat uns die Zahnärztin gesagt, meistens esse sie das Ei noch, zum Beispiel gestern hat sie es vor unseren Augen und Zähnen gegessen. Aber einmal hatte sie es zu lange im Essig gelassen „u de isches de glych nümme so guet gsy.“

Natürlich tut das unser Stapi nicht persönlich. Dazu hat er seine Ghüder-Mannen – und die sind auf Zack! Ich habe heute früh auf die Hotline „Unrat im öffentlichen Raum“ angerufen, denn ich möchte, dass der Fussweg von der Bushaltestelle ins Quartier vor Ostern geputzt wird. Unter 079 669 40 00 meldet sich Herr Meyer. Für den Fussweg ist er nicht zuständig, wenn nichts verkotzt ist und es nur eine reguläre Reinigung braucht. Aber er gibt mir die Nummer von Herrn Wyss, der den Putzplan kennt. Im Büro Wyss spreche ich mit Frau Gilgen, die mich an Herrn Schmid, den Leiter der Strassenreinigung im Kreis 3 verweist. Herr Schmid ist unter seiner Büronummer nicht zu erreichen. Gut so, der Mann ist dort, wo er gebraucht wird! Ich wähle seine Handy-Nummer und schon ist er da. Ja, der Fussweg wird noch vor Ostern gereinigt. Herr Schmid ist eben vor Ort gewesen: „Schitter sieht es aus“, bestätigt er mir „die Büsche und Bäume haben sie in den letzten Tagen alle abgeholzt, dazu noch der Dreck vom ganzen Winter. Wir kommen!“
Bei so viel Freundlichkeit hake ich nach: „Könnten Sie den Fussweg ins benachbarte Quartier auch noch …“? „Wir schauen, was unsere Kapazitäten sind.
Wenns reicht, gehts.“
Ich danke und betone, wie wichtig die Arbeit der Strassenwischer sei, in diesem Fall unentbehrlich, denn ich würde sonst in eine grauenhafte Tristesse verfallen.
Dass die Bäume und damit auch die Vogelnester dem einzigartigen Bauprojekt „West-Side“ weichen müssen, kann ich nicht verhindern. Aber die Osterglocken und Narzissen sollten doch vom Unrat befreit werden. Welches Schneeglöggli kann wachsen, wenns eine Cocibüchse übergestülpt behält?
Ausserdem werden, wie jedes Jahr, wieder zahlreiche Oster-Spazierende aus besseren Quartieren am westlichen Stadtrand erwartet. (Auch wenn geputzt ist, möchten sie hier nicht wohnen). Aber der Wald, der Bach und die Matten sind ein Glück für Herrchen und Hund und Frauchen. Wir tun als „GastgeberInnen“ unser Bestes …

Eine meiner Winter-Sorgen war es, dass das Bussard-Pärchen in diesem Frühling nicht mehr auftauchen würde. Denn sein Jagdrevier, die Südwiese neben meinem Block, wurde in den letzten Monaten von grossen Baumaschinen festgewalzt und zu erdigen mausfreien Bergen aufgetürmt. Aber vorgestern, oh Wunder, waren die Vögel wieder da, segelten im Aufwind unter mir und kreisten dann über den Matten und Wäldern im Norden. Hochhäuser wie die unsrigen in Waldesnähe eignen sich prächtig für die ersten Flugversuche des Nachwuchses.
In einigen Wochen werden wir das miauende, verzweifelte Hiäh, Hiäh der Jungvögel hören, wenn sie zuerst ängstlich sich am Dach festkrallen, nach und nach mutiger über den Abgrund zum Block gegenüber segeln.
Wahrscheinlich vertreiben die Greifvögel dann den Taubenschwarm, der sich den ganzen Winter über immer wieder auf meinem Balkonvorsprung das Gefieder putzte.

In der Schweiz gibt es davon unzählige, seis in den Bergen, im Emmental, im Gantrischgebiet, in der Stadt, die zeitweise eine einzige Baustelle ist, vor meinem Block, wo das erste Libeskind-Einkaufszentrum der Welt entsteht.
Der Röstigraben, Abgrund zwischen DeutschweizerInnen und Welschen, ist sogar im Ausland bekannt.
Es gibt auch den Graben zwischen Stadt und Land. Diesen überquere ich jede Woche einmal im Postauto um meinen betagten Eltern im Haushalt zu helfen. Obwohl ich viele Jahre in diesem Bilderbuchdorf am Jakobsweg verbracht habe, ist es für mich noch heute beinahe unmöglich, einer Unterhaltung zu folgen, bei der es um alt eingesessene Familien geht. Sie werden nach ihrem Hof, dem Vornamen oder dem Amt eines Vorfahren benannt und jeder neuen Generation angepasst: Chorrichters Fritzus Fritzes Fritz, Franzes Öttus Fridu, Chaschpers Brächts Käthi, verwandt mit Chaschpers Peter, Postautochauffeur, auch Kloster-Peter oder Pöschtli-Peter genannt, nicht verwandt mit Klosters Käru, glaube ich. Hublers Fridu und Statthalters Housi waren in den frühen Zwanzigern die Bösen Buben, die den Pfarrer im Pfarrhaus einschlossen, die Tür mit einer Kette verrammten, einen Nachthafen dran hängten. Der Pfarrer entkam durchs Fenster. 90jährige Einheimische erinnern sich noch heute an den verspäteten Predigtbeginn. Dieser Hubler Fridu war überhaupt ein Grossartiger (Prahlhans), fuhr er doch sogar mit dem Jauchefass zweispännig durchs Dorf. Zbindens Bärtu, verwandt mit Z’Ammens, kennt man unter dem Familiennamen der Mutter, da diese aus einer reicheren Familie stammte als sein Vater. Brüggmatters Dölfu und Rüedu waren zugezogen aus einem Hof über einem schattigen Graben …
Die neue Zeit hält aber stetig Einzug ins Dorf und mit ihr auch Familiennamen, die man im Telefonbuch findet. Am Dorfeingang wird emsig gebaut, von der Landwirtschaft allein leben nur noch wenige. Die Sauberkeit hinter dem Haus habe nachgelassen und einen „gezöpfelten“ Miststock finde man auch nicht mehr. Wie ich im einzigen Dorfladen höre, sind die EFH-Mütter froh, dass ihre Kinder nicht den Gefahren der Stadt ausgesetzt sind. Die Gemeinde hat sich bis jetzt auch erfolgreich dagegen gewehrt, den gesetzlich reglementierten regionalen Kulturbeitrag an die Stadt zu bezahlen.

Ich habe heute das Modul „Gesprächsführung“ abgeschlossen. Ich freute mich schon die ganze Woche auf den Tisch beim Italiener, den meine Kollegin für uns fünf reserviert hat. Wir zukünftigen HeilpädagogInnen sprachen über den Globus, die Bedeutung der bevorstehenden Feiertage, Ziegen, Persepolis, streikende Griechen, gleitschirmsegelnde Iranerinnen, dealende Hawaiianer, israelische Bekanntschaften, und die verschiedenen Techniken der Beinenthaarung.

Liebe 2nd! Du hast doch einen guten Link, unter dem in Kürze erklärt wird, von wo der oder das Weblog kommt und was es eigentlich ist. Meine KollegInnen waren interessiert, aber haben diese Entwicklung irgendwie verpasst. Vom Swiss Blogaward habe ich zu dem Zeitpunkt noch nichts gehört. Der hätte sie nach dem Wein sicher zum Lachen gebracht. Muss ich mir jetzt henne Mühe geben, wie ich was schreibe?

Aus: „Die Frau und das Haus“, Nr. 161, 22.01.1949
von Yolanda Guslinger-Ribel

Ueberfüllte Eimer werden mit Warnungszetteln beklebt und im Wiederholungsfalle nicht mehr geleert.
… Es ist daher den Frauen anzuraten, platzraubende Abfälle wie Storzen, Melonenschalen, verblühte Blumensträusse (Gladiolen) mit der Hackmaschine zu zerkleinern:

„Den Ghüder niedlich herzurichten
Gehöre zu des Weibes Pflichten“

Knochen sind den Hunden zu geben. Nussschalen, Zwetschgensteine, Apfelkerne und ähnliche harmlose Kleinigkeiten lassen sich, ohne Wissen des Hausmeisters, sehr wohl der Abort-Abzeug-Abschwemme (abgek.: A.A.A.) zuführen. Kirschensteine sind zu verschlucken oder als Wärmespender in Säcklein abzufüllen:

Der Kirschenstein massiert den Darm,
In Säcklein gibt er im Winter warm.

… Immerhin wird alten oder kleinen Eimern durch kräftiges Aufschlagen auf den Wagenrand nachgeholfen, bis sich die Hausfrau zum Ankauf eines neuen entschliessen kann:

Hei, wie das Leeren lustig schallt,
Die Schläfer aus den Federn knallt.

Hier nur eine kleine Auswahl von süffigen Sprüchen, die der Hausfrau helfen sollten, „in Zukunft etwas freudiger sich belehren und erziehen zu lassen“.

Das NZZ-Folio ist ein wichtiger Teil des medialen Gesichts der Deutschschweiz, während eher Bildungsbürger die NZZ lesen, gehört „das Folio“ von links bis rechts zum Monat. Das März-Folio widmet sich dem „Jugo – Wer soll das eigentlich sein?“ und ist einfach aus-ge-zei-chnet. Schon das Titelbild mit dem Dampfkochtopf, ist genau… passend halt. Weil eben nicht vieles uns alle verbindet und auch nicht die Jugos.

Weil ich nicht weiss, wann der Link tot sein wird (die NZZ geht da ziemlich bescheuerte Internet-Pfade), tippe ich ein wenig ab und zitiere Darko Cetojevic, den Redaktor der „Südostschweiz“:

Das grösste Risiko für die Integration der Zuwanderer aus Kosovo, Kroatien, Serbien, Bosnien oder Mazdonien ist die Situation der jungen Leute mit mangelhafter Bildung. Denn darin liegt die Ursache ihrer schlechten Zukunfstaussichten, ihrer Frustration und ihrer Straffälligkeit. Schuld daran ist aber nicht die Gesellschaft, schuld sind in erster Linie ihre Eltern, die sich weigern, am Leben in der Schweiz wirklich teilzunehmen. So sind sie für ihre Kinder keine Leuchttürme im stürmischen Meer des Erwachsenwerdens. Hier gilt es anzusetzen, nüchtern und tatkräftig. Jede Art von Hysterie ist dabei fehl am Platz. Genauso wie Tabus.

Regelmässige Leserinnen und Leser wissen, dass das des blogk Rede ist. Es braucht den Willen, die Schweiz mit ihren schwerfälligen demokratischen Gesetzeswegen und ihrem proviniziellen Charakter, der nicht per se nach Neuem lechtzt, als zweite Heimat anzuerkennen. Alle Jugendlichen müssen von ihren Eltern Unterstützung erfahren, keine Eltern dürfen erwarten, dass ihre Kinder schon vor Volljährigkeit die ganze Familie hüben und drüben durchfüttern. Viele müssen ihr Weltbild anpassen, auch wenn es sie hart ankommt. Und von uns „Einheimischen“ wäre es nichts als gastfreundlich, den „Neuen“ unsere Gesetze besser zu erklären und sie als Leitplanken zu etabieren und nicht als Beamtenwillkür als Individuallösung, die sich nach dem Engagement von einzelnen richtet. Es kann nicht angehen, dass ein kleiner Umzug ausreicht um völlig anderen Gegebenheiten – gerade in Bildungsinstitutionen – gegenüberzustehen.

Was ich nach der Lektüre bedaure, ist, Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien auch schon Komplimente für ihre guten Deutschkenntnisse gemacht zu haben. Das scheint vielen ziemlich sauer aufzustossen. Es ist ähnlich, wie wenn ich jemandem meinen Platz anbiete im Bus und dieser jemand dann zischt „so alt bin ich noch nicht!“

Ich entschuldige mich. Die Fettnäpfe lauern eben überall, nicht einmal kulturelle Unterschiede braucht es dafür.

Heute in der Zeitung gelesen: die IG Velo beider Basel bietet eine faire Velovignette an für CHF 20.00. Dass Versicherungen nicht ein besonders vorbildliches Gewerbe sind, wusste ich eigentlich schon. Aber dass man dem mutig und innovativ entgegentreten kann, ist mir entgangen, und mindestens im Ansatz löblich.

Die „Max Havelaar Vignette“. Super Idee! Statt einem Kleber gibts einen hölzneren Plämpel, im „Band“ aus Lotharholz und recycletem Draht hergestellt. Die Police ist ein neues Allfinanzprodukt der ABS, und die Unfallopfer werden in Arlesheim behandelt. LOL.

Wie können wir nur so kreuzblöd und beharrlich sein und die Volksschule als eine der besten Errungenschaften der Zivilisation und als ein hohes gesellschaftliches Gut betrachten? Jede und jeder empfiehlt uns, 3rd auf eine Privatschule zu schicken und damit Zustände zu schaffen, die aus Amerika und England bekannt sind: Eine Gesellschaft, in der du gebildet (für die Privatschule) oder ungebildet (für das, was sich Volksschule nennt) geboren wirst und bleibst.

Ich bin sicher, das kommt vielen entgegen. Die wollen überhaupt keine Gastarbeiterkinder, die sich an die Uni durchlesen.

unser blog bleibt leer
die schule belastet zu sehr
hin und her, das ist nicht schwer
wir freuen uns aufs meer

… dazu hätte ich gerne etwas Schönes geschrieben, eventuell eine verdienstvolle Frau vorgestellt, wie die Pauline Zimmerli-Bäuerlin oder meine Mutter, aber nun ist der Tag bald vorbei.
Die 83jährige Magd, genannt „Fräulein“, putzt gerade die Messingklinken im Herrenhaus, bis sie schön glänzen. Vorher hatte sie ihrer Herrin auch einen neuen Knopf an den Ledermantel genäht und die hauchdünnen Tassen abgewaschen. „Frauentag, was soll das Neumodisches sein?“
Heute ist, nach vielen Monaten Warten auf eine Antwort, mein neuer grosser Bildschirm von meiner Vorgesetzten, Frauenstimmrechtskämpferin der ersten Stunde, – schwupsdiwups – genehmigt worden, nachdem ein Mann die Anfrage vorgebracht hat!
Ich möchte, unbescheiden, jeden Tag einen Frauentag …

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