Alles oder nichts


Heute habe ich meine Lehrertabelle aufgestellt. Ratet, wer auf welchen Plätzen ist? Auflösung folgt.

Es sind alle Lehrer und Lehrerinnen dabei, an die ich mich erinnern kann. Mehrere für das Gleiche habe ich nummeriert, 1 ist länger her als 2 und 2 ist länger her als 3.

Flötenlehrerin1 | Flötenlehrerin2 | Flötenlehrerin3 | Französischlehrerin| Werken textil1 | Werken textil2 | Französischlehrerin | Werken nicht textil | Klassenlehrerin1 | Klassenlehrerin2| Englischlehrerin | Gitarrenlehrer1 | Gitarrenlehrer2 | Logopäde | Flamencolehrerin | Skilehrer

Die Tabelle hat auch etwas damit zu tun, welche Fächer ich mag.

Nach der gestrigen Kassensturz-Sendung muss ich mir diese Frage ernsthaft stellen. Esse ich den gesunden, teueren Lauch, sehe ich dabei die Arbeiter mit schweren Kisten übers nasse Feld stapfen für sFr. 12.-/h und in den Gaden „wohnen“, wofür ihnen der Bio-Bauer noch eine saftige Miete abnimmt. Der mickrige Lohn wird von den Arbeitgebern so erklärt, dass sich die Angestellten ja Wissen aneignen könnten, wichtig für ihre Existenz in ihrer Heimat.
Das begreife ich und hoffe, dass wir den Bio-Lauch bald aus der Gegend von Prizren beziehen, natürlich viel billiger und aus „ausgeruhter“ Erde.

Ich habe vor einer Woche eine Maus verloren. Schön, schwarz, kabellos. Ich wollte die Batterien wechseln, bin dafür aufgestanden, habe keine Batterien gefunden und sie deshalb auf die Einkaufsliste gesetzt. Seither liegt nur noch ein trosloser kleiner, rechteckiger Deckel vor mir auf dem Schreibtisch, der Rest des Elektro-Tiers ist spurlos verschwunden. Ich will nicht abstreiten, dass ich manchmal verwirrt bin. Gerade heute morgen wollte ich meinen Schlüssel in den Billettautomaten stecken (Freud grüsst), anstatt meine typisch bernische Merhfahrtenkarte zu entwerten. Auch habe ich schon ungewaschene Socken wieder aus der Wäschetrommel genommen und unbeirrt aufgehängt. Oder das Protemonnaie im Kühlschrank vergessen, lauter so Zeugs halt. Aber diese Maus ist mir ein Rätsel.

Vielleicht hat ein Handwerker sie in seiner Werkzeugkiste mitgenommen? Es rinnt nämlich im Blogk und die Guten müssen immer mal wieder ein und aus bei mir. Denen, die die Geschichte von Mats Feuerwerauto in „Alarm in Sköldgatan“ kennen, wird das sogar plausibel erscheinen.

Via Seconda-T-Shirts hat der Blogk auf der Vorspeiseplatte im Kommentar Erwähnung gefunden. Das isch äbe ds Internet.

Nun lesen wir die Kaltmamsell und empfehlen das hiermit auch anderen. Sie kommt unter „from the Ghetto“, wir haben nichts anders hier.

Die Zwiebel-Zöpfe sind gefährdet! Der Nachwuchs fehlt. Die Jungen mögen die angebotenen Flechtkurse von Renate Probst nicht besuchen. Auch Frau Siegenthaler aus Mörigen sieht schwarz für die „Trütschlen“, denn immer häufiger werden diese von ausländischen Arbeitskräften im Akkord geflochten. Aber eben: ausländsch, qualitativ nicht das, was man von Bern erwartet. So etwas ist schlecht zu verkaufen.
„Der Sommer war sehr gross … “ Rilke konnte über eine so perfekte Saison dichten. Die Gemüsebauern überfällt das grosse Jammern, denn es gab viel zu viele Zwiebeln, mehr als doppelt so viele wie letztes Jahr: 18 500 Tonnen! Jeder Lappi pflanzte Zwiebeln, nachdem die Preise 2003 so gut waren. Da hat man nun den Dreck: die krumm gewachsenen Rüebli und die überschüssigen Zwiebeln werden im Märzen, wenn der Bauer die Rösslein einspannt und Felder und Wiesen setzet in Stand mit dem Mistzetter verteilt und „ungere gfahre“, möglichst nicht zu auffällig, damit die seelandwandernden Konsumentinnen und Konsumenten sich nicht etwa noch Gedanken machen.
Auf jeden Fall halten sich trotz reicher Ernte die Preise, denn gegenwärtig flechten Frau Probst (71) und Frau Siegenthaler (85) noch und liefern feste, regelmässige mit Strohröseli bekränzte Zwiebelzöpfe aus Spezialzwiebeln. Wenigstens der Zibelemärit 2004 ist gerettet!
Wer weiss, vielleicht steigen nächstes Jahr die Getreide- , Milch-, Fleischpreise? Da werden die Bauernschlauen umsteigen, nur weg von der Zwiebel. Die Preise werden beim Überangebot wieder fallen und die Produzenten werden nie nichts zum Weinen haben.
Auch die Konfetti sind nicht mehr wie früher. Die Farben sind leuchtender geworden, weg von diesem trüben Rosa, Türkis und schmutzigen Gelb. Es gibt sie neu auch in Dunkelschwarz und Leuchtendweiss.
Die Bahnhofhalle riecht, trotz heftigem Durchzug, nach Käse- und Zwiebelkuchen.

welch ein Graus … “ haben wir als Kinder gesungen. Fällt heute meine „Logitech“ aus, ist es nicht mehr zum Dabeisein – nichts geht mehr. Wackelt das Kabel? Muss ich connect-Knöpfchen drücken? Sind es die Batterien? Habe ich der Maus die Kugel geputzt oder sollte ich ihr ernsthaft „d’Chuttle putze“?
Inzwischen habe die neuen durch alte Batterien ersetzt (!) und alles klappt wieder hervorragend!
Die intensive Beschäftigung mit diesem wichtigen Eingabegerät hat mich zurück geführt in meine Kindheit. Mein Grossvater mütterlicherseits war Schuhmacher und Feldmauser. Im Winter trug er eine Jacke aus Maulwurfsfell. Die Mäuse und „Schäre“ brachten nicht viel ein. Er band Reisigwellen für die Bauern, stellte Holzschuhe her und arbeitete beim Strassenbau. Meine Grossmutter war in der Firma Meister angestellt, wo sie in einem Keller Seile drehte und Botengänge für die Vorgesetzten erledigte.
Zwei fleissige Leute, die mit dem kleinen Lohn ihre vier Kinder nicht ernähren konnten und sie verdingen mussten.
Als kleines Mädchen versuchte ich immer wieder und vergeblich, in das einträgliche Business „Muuse“ einzusteigen – 20 Rp./Stck. Aber die Buben liessen das nicht zu und meine Freundinnen weigerten sich, mich zu unterstützen.
Im Winter, wenn wir Kinder in den Betten lange lesen durften, kam es vor, dass sich eine Maus auf den Nachttisch neben die Lampe setzte und an einem Kentapfel knabberte.
„Der Mäusesheriff“ von Janosch war eine Lieblingsgeschichte meiner Töchter und auch mein Enkel kennt sie auswendig.
Wen wunderts, wenn ich bei all diesen Mäuse-Erinnerungen im Geschäft zuerst die kleine Schwarze zur Hand nehme, die da so zierlich neben dem ThinkPad Notebook liegt – irgend wie ächt?

Zum Glück seien Kopftuch/Schleier in Bern kein Problem, höre ich von der Integrationsstelle. Sollen wir uns trotzdem an einer Diskussion zu diesem Thema beteiligen?
Bestimmt, denn Schleier sind nicht immer sichtbar!
Heute müssen wir uns einsetzen für Integrationsangebote, müssen und dürfen in den Schulen fördern und fordern, die Mädchen Stärke und Selbstbewusstsein lehren, sie bei der Berufsausbildung und im Studium unterstützen. „… das Rückgrat des Patriarchats sind die patriarchal sozialisierten Frauen“.
Wenn wir, besonders in der Mittel- und Oberstufe in den Tagesschulen mehr Knaben als Mädchen antreffen, weil den Eltern die Ausbildung ihrer Söhne wichtiger erscheint, sollten wir diese Gelegenheit nutzen, die Knaben zu Demokraten zu erziehen. Das ist „mi Tüüri“ nicht einfach. Aber wir müssen! Schon vor zwanzig Jahren, habe ich mich dafür eingesetzt, dass alle Schülerinnen ins Schwimmbad oder in die Landschulwoche mitgehen und dass die jungen Frauen z.B. einen Pflegeberuf erlernen durften. In meinem Quartier war das, im Gegensatz zur übrigen Stadt, bereits ein Thema. Ich halte nichts von diesem falschen „Respekt anderen Kulturen gegenüber“, der meist nur aus Bequemlichkeit vertreten wird und auf Kosten der Frauen und Mädchen geht.
Wer weiss, vielleicht gibt es einmal eine Schweiz, in der alle das Recht haben, sozial und politisch mit zu reden und in welcher das Tragen eines Kopftuches dann wirklich freiwillig ist.

Bei Lyssa läuft eine interessante Diskussion zum Thema. Was lernen wir daraus? Ich meine aus der Länge der Diskussion in kleinen Kommentarfeldern? In Deutschland sind eine Menge Wespennester übrig. Gut, dass Bloggerinnen reinstechen.

Was läuft in der Schweiz? Blogk ist nicht bekannt genug, als dass wir das in den hiesigen Kommentaren klären könnten. Trotzdem:

Meine kleine, ziemlich fertige Meinung zu dem grossen, unendlichen Thema:

Toleranz gegenüber Intoleraten hat Grenzen. Schleier haben freiwillig zu sein. Es gelten immer die Gesetze des „Gastlandes“. (Gesetzes-)Änderungen sind im Schweizerlande demokratische Prozesse. An diesen sollen sich alle beteiligen können, die hier leben und arbeiten.

… du hast wunderbare Zukunftsaussichten, denn ab 2007 wirst du zusammen mit allen anderen an 365 Tagen im Jahr genau das tun können, worauf du gerade Lust hast. Wo? In dem für Europa einzigartigen Zentrum, dem Ort des 21. Jahrhunderts, wo Freizeit, Unterhaltung, Gastronomie und Einkauf verschmelzen.
Libes Kind, du wirst über die lichtdurchflutete Mall schlendern. Das öffentliche Leben wird völlig neu definiert werden. Dieses zeitgenössische Paradies, geschaffen von einer internationalen Persönlichkeit der Architektur wird den ramponierten Ruf unseres Stadtteils, von den Medien oft als „Unort“ beschrieben, aufwerten! Bis dahin müssen aber noch Berge von Erde versetzt werden. Zum Glück gibts aus dem Oberland einen Haufen Schutt, mit dem der Röstigraben vor meinem blogk aufgefüllt werden kann. Wir werden das Tor des Westens sein, „durch das die modernen Verkehrswege entlang jahrhundertealter Pfade in Richtung Westschweiz führen“. Wir gedenken der eingewanderten Burgunder und Alemannen. Damit wir der Romandie im täglichen Leben näher rücken, sind entsprechende Strassennamen geplant. Libeskind, auch 2007 wird es noch keine Gleichberechtigung der Geschlechter geben: Die gewählten Namen bezeichnen zehn verdiente Männer und fünf Frauen! Eine mögliche Postadresse könnte dann so aussehen: Herr Aston George Swampillai-Sturzenegger und Frau Tabea Sturzenegger Swampillai, Gilberte-de-Courgenay-Strasse 453 / 4 B, 3028 CH-Bern. Wir beide haben natürlich jeder Zeit einen umfassenden Rundblick auf die Baumaschinen und ihre frisch angelegten Pisten, die Rohre, durch welche die Erde über die Autobahn transportiert wird, die Betonmischtürme, die nachts beleuchtet sind und das Bauarbeitercamp. Alles sieht proper aus. Sauberer als der Waisenhausplatz oder die Münsterplattform. Nachdem wir, du, Kind und ich viele Jahre lang zugeschaut haben, wie diese Felder gepflügt wurden, wie die Kartoffeln, der Mais, der Weizen und die Sonnenblumen gediehen, wie die Krähen hinter dem Pflug her flatterten und die beiden Bussardpärchen ihre Kreise zogen, befinden wir uns auch hier in einer Zeit des Umbruchs.

so hast du in der Not. Man könnte meinen, „Die-Da-Oben“ hätten diese Weisheit nie gehört, denn „in der Zeit“ haben „sie“ etwas anderes gemacht. Weshalb rege ich mich gerade jetzt darüber auf?
Vor mir liegt die „Gartenlaube“ Nr. 18 aus dem Jahr 1911. Da steht neben einem Mädchen in Matrosenkleid, welches eine Sparbüchse in der Hand hält:
Du m u s s t zehn Mark sparen, wenn du auch nur zehn Pfennig in die Sparkasse hineingeworfen hast, denn die Kasse verschliesst sich nach dem ersten Einwurf und öffnet sich automatisch nach dem Einwurf des hundertsten Zehnpfennigstückes. Sie registriert sichtbar jeden Einwurf von Zehnpfennigstücken, bis zehn Mark voll geworden sind. Auch für den Einwurf von Zehnhellerstücken eingerichtet. Kein Schloss! Kein Schlüssel!
Dieses Wunderding kostete nur 3 Mark. Sparen ist nicht immer schmerzlich und schlecht, aber die Fantasie darf einfach nicht fehlen.

Schweizer zum Tamilien, den er kennt:
„O hallo, gud morning, du ju häv a tiket? Auer trafikminister had not a tiket. Hi pey sörtyfäiv fränks for not kamming in prisen.“
Der Tamile lacht. Er hat ein Jahresabo. Ihm kann so was nicht passieren.

Auf dem Wahlplakat neben der Kirche haben „sie“ der Edith und der Regula weisse Vampirzähne gemalt. Alex trägt seinen Zahn mitten auf der Stirn.
Vor dem „Gübelin“ sitzt eine junge Frau im Rollstuhl, streckt mir mit traurigem Blick einen Plastikbecher entgegen. Neben dem Eingang zum „Schweizerhof“ klappert ein Mann in Trainerhosen mit weissen Seitenstreifen mit einer Münze in einem Becher. Vor dem Eingang zum „PKZ“ spielen zwei junge Burschen Saxophon und Gitarre. Vor ihnen steht eine leere Blechschachtel.
Auf der Gasse neben dem „Loeb“ singt einer Chansons. Vor dem „Küttel“ spielen zwei junge Männer Handharmonika. Die Musik vermischt sich mit derjenigen der beiden Musikanten zwischen „Globus“ und „Vatter“. (Gitarre und Geige). Vor dem „FCW“ steht ein Mann mit einem kleinen Jungen. Beide singen aus voller Kehle. Die hohe Kinderstimme ist bis in die „Migros“ zu hören. Mit dem Singen der Schweizer und Schweizerinnen stehts anscheinend nicht mehr zum Besten. Finden wir doch in unseren Reihen nicht einmal mehr Leute für den Song Contest 2005. Bitter, bitter!
In den Nachrichten wurde gemeldet, dass in Deutschland 1 Million Kinder unter der Armutsgrenze leben. Das ist allerdings bitter, denn der Kanzler wird nichts für sie tun können, hat er doch schon ein armes Kind aufgenommen.

Der Herr Schweiger ist ausgebrannt. Und deshalb sehen wir in den Medien ganz viele FDP-Frauen wie gehabt mit Foulards aber neu mit besonders schmucken Ginkoblatt-, Speer- und Schneckenbroschen. Sie sagen uns, wie „träauurig“ sie sind und dass „ds Wichtigscht“ sei, dass „dä Rolf“ wieder gesunde. Die FDP hat inzwischen echt an Frauenprofilen gewonnen und sollte ernsthaft über eine Namensänderung nachdenken. Frau Drägt Brosche.

Einerseits ist für mich klar, dass in einem von der Stadt betriebenen Museum normale Arbeitsplätze entstehen müssen. Andererseits meine ich, dass man engagierte und interessierte Pensionäre nicht abweisen sollte. Warum das Projekt nicht auf die ganze Stadt ausdehnen? Ein Verein „Rentner für Kunst“ (RFK), der wichtige Arbeiten in allen Museen übernimmt, für die niemand zahlen kann. Schulklassen beim ersten Anlauf ins Museum helfen, Schliessfächer erklären, Kranke oder ältere Menschen im Rollstuhl durch die Museen rollen, Menschen mit Behinderungen führen. Die Schwelle senken, Kunst zugänglich machen. Es gibt so viel zu tun in dieser Stadt. Sollte ich einmal finanziell abgesichtert und gesund in Rente gehen können, werde ich gerne einen Besen in die Hand nehmen.

erspart die Zimmerfrau,
hilft aber nicht bei ausgeleierten Scharnieren.
So bestellte ich im August den für die Liegenschaft zuständigen Schreiner, denn seit Wochen hängen die Schranktüren im Badezimmer durch. Gestern erschien Herr S. mit seinem Werkzeugkasten, entschuldigte sich für die lange Wartezeit: Die Gattin führt seine Agenda, vergisst hie und da die Termine einzuschreiben, bucht doppelt. Ja, ja, da geht leider manchmal etwas schief.
Als erstes hob der Fachmann die Badezimmertür aus den Angeln und kippte diese an die neu tapezierte Wand. Frau eilte mit polsterndem Barchent herbei, mahnte zur Vorsicht. Kurz darauf ging die Lampe über dem Lavabo in Scherben.
„Exgüsee. Heute ist für mich einfach Freitag, der 13. Habe schon ein Glas Schrauben fallen lassen.“ Herr S. machte sich leise auf die Suche nach einer neuen.
„Also doch nicht so schlimm mit dem Tag,“ meinte er eine halbe Stunde später lächelnd und begann mit der Montage der neuen Lampe. Nun gab es aber einen Wackelkontakt oder war etwa die Birne durchgebrannt? Wieder hörte ich etwas fallen.
„Exgüsee.“ In der hohlen Hand von Herrn S. lag die Steinfigur vom Tablar.
„Ds Froueli het ds Füessli bbroche.“ Sorgfältig legte er es neben den Blumentopf. Bis zum Mittag sei er sicher fertig mit den Schränken, aber „villicht verschrisse-n-i no dr Duschvorhang.“

Ich möchte schreiben, aber ich weiss nicht wie. Mein Tamagotchi ist weg! Ich habe es kurz auf einer Bank vergessen und dann hat es jemand genommen. Ich habe noch mit der Taschenlampe gesucht unter der Bank und auf dem ganzen Tschuttiplatz. Und meine Uhr habe ich neben das Goal gelegt, weil man die als Goali wegen dem Wehtun und Kaputtgehen nicht anbehalten kann. Dann hat sie M. genommen und verstellt und sich krumm gelacht, als ich nicht mehr wusste wieviel Uhr es war und Papa sauer wurde, weil ich zu spät nach Hause kam und das Glas von der Uhr war plötzlich auch kaputt.

Man hat meinen ganzen Besitz vernichtet.

Juppiiii! Ich habe frei! Die Lehrerin hat einen Ausflug. Und zu Weihnachten bekomme ich mein erstes ferngesteuertes Auto.

Der Tag fing keineswegs vielversprechend an. Um 06:00 Uhr war’s stockdunkel und es regnete. Kein Wunder, dass ich mein Gesicht mit Nachtcreme einschmierte. Mit Tageshoroskopen kann man mich jagen, aber heute warf ich beim frühmorgendlichen Bündeln der Zeitungen einen Blick darauf: Ich soll mir keine Sorgen machen, wenn ich heute Schlüssel verlege oder Gegenstände fallen lasse.
„Kein Grund zur Panik, was beweglich ist, ist in Bewegung und kann verloren gehen. Flexibilität in jedem Moment hilft sehr.“ Danke! Es reichte noch schnell für einen Blick ins stadtblatt zu den Gemeinderatswahlen 2004. Die Überschrift auf Seite 4 ist leider total misslungen. Ich werde die BUI-Direktorin trotzdem wieder wählen.
Im Ladenzentrum teilte mir Herr H. munter mit, dass morgen wieder „Wucheteilig“ sei. Zu diesem Ereignis bekomme ich immer eine Tafel Lindt, die er aus seiner „Chuttebuese“ zieht.
Der Bus war bis zum letzten Platz besetzt, und ich konnte nur die rechte Seite „Bund“ lesen. Im Bahnhof wurden Rubbellose verteilt. 1. Preis: Ferien in einem Luxushotel in der Karibik. Die Leute rubbelten mit Geldstücken, Kaffeelöffeln, Knöpfen … nichts.
Am Arbeitsplatz durfte ich ein bisschen über Rosa Bloch-Bollag recherchieren. Diese brillante kämpferische Marxistin ist nicht eines mysteriösen Todes gestorben, wie der Wissenschaftler aus Zürich vermutete. Sie starb 42 jährig, 1922, an einer missglückten Kropfoperation. (Historisches Lexikon der Schweiz, Annette Frei Berthoud).
So blieb leider vieles ungesagt.
Der Nussbaum verlor in der vergangenen Nacht die letzten Blätter. Ich klaubte die Nüsse aus dem nassen Gras, liess den Elstern noch ein paar.
Zu Hause hatte ich ein Mail aus Ulan Bataar, „World’s Coldest Capital“, wo Freunde bei Hammelsuppe und Hammelravioli bei nächtlichen -20° auf den Zug nach Peking warten.
Schlüssel habe ich heute keine verlegt und auch nichts fallen lassen. Allerdings hat sich das Bewegliche tatsächlich bewegt und mit der Flexibilität ist es so eine Sache, besonders für Frauen …

streichen die Elstern durch den Nussbaum, der Regen tropft in die Rosen, die Sicherung brennt durch, und die Verbindung zum Server hinunter in die Nebel verhangene Stadt ist gekappt.
Der abgemagerte „Bund“ ist gelesen und so blättere ich in „Wöchentliche Mittheilungen aus den interessantesten Erscheinungen der Literatur zur Belehrung und Unterhaltung für alle Stände“ No. 35, vom 1. Sept. 1844. Und siehe da, diese Wochenschrift,
25 Btz. für sechs Monate, hat nicht weniger zu bieten, als einen heftigen Blogk-Text für das Jahr 2004:
„… aber diejenigen, welche aus einer Epoche herstammen, wo sie an der Spitze aller umgebenden Kreaturen zu stehen dachten, können ihr Vorrecht nicht vergessen und es ist wahrhaft lächerlich, die Ansprüche des verwitterten Adelsstolzes zu sehen, die schwerlich niedergelegt werden dürften, ehe man ihre Besitzer an der Seite derjenigen Menschen bettet, die sie verachteten, und auf das hochmütige Herz eine Schaufel Erde wirft.
Nirgends aber findet sich in der Schweiz … der alte Kastenstolz in so ausgezeichneter Auflage als in Bern, das von jeher die Heimath desselben war. … und man darf nicht sehr in die Vergangenheit zurückschreiten, um sich zu überzeugen, dass in ihrem Kreise jeder Mensch gering geschätzt wurde, mochte er noch so gut, geistreich und talentvoll sein, wenn er nicht gleich ihnen das Patriziat an der Stirne trug.“

Dem unbekannten Erzähler sei hier gedankt.

In der Klasse von 3rd ist auch ein Junge aus Vietnam mit Eltern, die uns an Gepflegtheit Meilen voraus sind. Er hat 3rd erzählt, dass er für jedes vergeudete Reiskorn einen Wurm wird essen müssen. Im goldenen Jenseits.

3rd isst auch auf, ich habe ihn immer vollgequatscht mit an Arthritis leidenden Bäuerinnen, den polnischen Feldarbeitern, den Lastwagen und ihren übermüdeten Fahrern, dem Kerosin, dem Kochgas, dem Warmwasser, den unterbezahlten Verkäuferinnen und sonst allem, was es so braucht, bis der Reis im Teller ist.

Zwei Methoden, die wirken.

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