Dä Chätzer het mi agfalle ohni Vorwarnig, het my Hals ine isige Ring gklemmt, über mim lingge Ohr e chalt brönnegi Flamme la läue u mer dr Chifer zuegschrubt. Dr Sidian het mi weder la lige no la hocke (stadtbärnisch „sitze“), verschwige de la schlaafe. Nüt hani me chönne mache. Im Garte het sech ds Gjät usbreitet u i dr Wohnig dr Stoub. Ke Wunger, das es mit däm Blog nid witer isch ggange.

Bevor ich an der Haltestelle aussteige, schaue ich verwundert meine linke Hand an. Sie trägt nichts! In der rechten schwenke ich mein zitronengelbes Spezial-Znünitäschchen, ein Geschenk von meiner fürsorglichen Schwester Rosy. Eine leere Hand mitten in der Woche, da ist doch etwas nicht in Ordnung! Es dauert einen Augenblick, bis ich weiss, dass meine schwarze Ledermappe fehlt. Habe ich sie in der Bank stehen gelassen? Nein, im abendlichen Gedränge stiess ich damit noch eine Frau im Tram – Exgüseeentschuldigung. Dann bin ich umgestiegen, schon mit genügend Händen. Die Papiere, die Listen und Notizen zu „meinem“ Lexikon, wenn die nun alle futsch wären.
„Es besteht eine Chance“, beruhigt mich Herr Fasel von Bernmobil. Er gehe der Sache nach, wolle mir in einer halben Stunde berichten.
Nun ist alles gut, die Mappe übernachtet wohlverwahrt im Tramdepot. Herr Fasel schaut persönlich, dass ich sie morgen um Neun im Infocenter von Bernmobil abholen kann. Dieser nette Mensch!

Zwerge mit Ziege

Die Alphorndrechsler, -fräser, -schmirgler lasse ich rechts liegen, werfe nur einen kurzen Blick auf die silbernen Rosenbroschen für die Bernertracht, verweile auch nicht bei der Trachtenschneiderei, wo das Bügeleisen dampft und gehe direkt zu den Platzgern. Nicht weit gefehlt, und der Senior aus Steffisburg (Verein Berner Oberland) hätte mich mit seiner Leidenschaft für diesen archaischen Sport, es braucht dazu Lehm, Holz, Eisen und vollste Konzentration, zum neuen Vereinsmitglied gemacht. Nur mein volles Altersprogramm hindert mich an einem Beitritt. Aber nun raus aus der Traditions-Halle hinüber zum Grossvieh.
Auf ein Gastland an der BEA wird heuer verzichtet, man hat ja so wunderschöne eigenen Gegenden wie das Emmental, da muss man doch nicht in die Ferne schweifen.
Um so erstaunter bin ich, beim Grossvieh etwas Ausländisches anzutreffen: das Texas Longhorn. Diese, in der Schweiz noch einzigen Rinder (irgendwo gibt es noch ein Kuhkalb) samt Besitzer (Cowboy mit Hut) aus dem baslerischen Buus sind bei uns zu Gast. Mir gefallen die Tiere ausnehmend gut, immer besser, je mehr der Cowboy ins Schwärmen gerät. Die Texas-Longhorn-Kuh ist eine „freine“ Mutter, lernfähig, intelligent, zutraulich, anpassungsfähig, widerstandsfähig, genügsam, langlebig, leichtkalbig, schaut wunderbar zum Kalb, ihr Fleisch ist fett- und kolesterinarm und sie hat wunderschöne, bis zu 2 Meter lange Beine Hörner. Der Cowboy ist zusammen mit mir, von so viel Qualität hingerissen. Ich hätte sehen sollen, erzählt er, wie geduldig und lieb dieses hier ausgestellte Muttertier beim Fotoshooting für den Bauern-Erotikkalender mitgemacht hatte. Stundenlang habe sich das Model in den verschiedensten Posen angelehnt. Die Texanerin habe es gelassen genommen. Nur meine begrenzten Platzverhältnisse hindern mich daran, das nächste Kuhkalb zu bestellen. Geschlachtet werden die Reinrassigen noch nicht, denn dafür sind es noch viel zu wenige hier im Land. Aber mit dem Texas-Muni werden natürlich andere Rassen gekreuzt und das gibt dann das Leckere für den Teller.

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Viel Laerm um nichts?

(Aus einem Foto von Dylan Martinez, 29.04.2011)

Weshalb man heute noch über die Kabel von Staubsauger und Bügeleisen stolpert? Ich habe gestern alles liegen lassen und mich für mindestens ein Jahr mit „Royalem“ eingedeckt. Seitdem mein Coiffeur mit seinem Team so effizient arbeitet, bleibt keine Zeit mehr, in den Klatschheftchen zu blättern, habe also die totale Nullahnung, was da über mir alles läuft, wermitwem, werschwangervonwem, werneuenaseoderbusen, werwokindadoptiert, werwenwegenwemverlassen …
Die echte Hochzeit war ja todlangweilig – mit einem einzigen Lichtblick (Bild Nr. 40).
Erst heute, nachdem von den Medien eine Menge raus- und zusammengeschnitten wurde, erhält das gekünstelt Ganze ein bisschen Leben. Z.B. die royalen (wird sicher noch Wort des Jahres) beiden Hurtig-Küsschen wirken aneinander gereiht fast herzig.
Was ich auch schön fand war, wie Samantha Cameron die ganze Downigstreet mit Fähnchen schmückte, für alle Kuchen gebacken hat und eigenhändig Stühle und Tische auf die Gasse rückte, damit das ganze von Sparprogrammen gebeutelte Volk „umfassend feiern“ konnte.
Das Positive an diesem ganzen Geroyel: ich habe, diesmal nicht durch einen Krieg in unbekannten Gebieten, etwas gelernt. Schöne Spitzen gibts nicht nur in Sankt Gallen. Dank den Näherinnen, die folgsam ihre Hände alle dreissig Minuten waschen gingen und die Nadeln alle drei Stunden wechselten, blieb das Hochzeitskleid blü-ten-rein. (Der Bund, 30.04.2011)

In meiner Kindheit waren die Ostereier rar, und selbst Erwachsene verteidigten ihre Nester wie die Adler. Nur in ganz seltenen Fällen wurde ein Ei verschenkt.

Auf Linsen

Bereits vor Jahrzehnten nahm ich mir vor, immer auch einige Ostereier für Nachbarn und Freunde zu färben. Seit beinahe vierzig Jahren gibt es bei mir die Offene Karfreitagstür, wo alle, die Zeit und Lust dazu haben, Ostereier färben können.
Heuer musste ich die Kräuter einmal nicht unter dem Schnee hervor klauben.
Es ging auch ohne Hundekot am Turnschuh, da im Garten eine reiche Auswahl an Grünem vorhanden und ich nicht auf die Waldränder angewiesen war.

Plaudern und Einbinden

Die natürlichen Farben – Rinde, Blütenblätter, Samen, Läusepänzerchen – kaufte ich auf Anraten des integrierten Hausmeisters bereits im März. Die Vietnamesinnen hier im Haus, sie verpacken Eier aus der Region, besorgten uns solche ohne Stempel.
Und so sind sie geworden:

Ein paar aus 200

An der Sonntagsschule gefiel mir besonders die Schuhschachtel der Sonntagsschullehrerin Frau Strahm. Wer am meisten Bibelsprüche, angefangen bei A möglichst bis Z, aufsagen konnte, durfte sich daraus ein Geschenk auslesen: Federhalter, Bleistift, Gummi, Notizblock oder als Superpreis ein Fläschchen schwarze Tusche. Ich erhielt die Tusche. Die Sprüche hängen seit Jahrzehnten wie Kletten an mir, und es kann gut sein, dass ich als Greisin wieder ein biblisches ABC aufsagen werde und dann die Tusche aus der Trucke will.
Heute kam ich aus dem Garten mit einem Armvoll erster Rhabarberstängel. Beim Lift begegnete mir eine Bewohnerin, die bei der Hetze gegen meinen Schweigersohn, dem damals neuen Hausmeister, kräftig mitmischte. Wir haben damals alle sehr unter diesen Verleumdungen gelitten.
„Oh, dieser schöne Rhabarber! Wir lieben Rhabarber! Rhabarberkuchen, Rhabarberschnittli, Rhabarberkompott. Ich habe gesehen, dass in Ihrem Garten viel davon wächst. Bevor Sie sie dann wegschmeissen, kaufe ich Ihnen ein paar Stängel ab.“ „Hier, bitte, nehmen Sie diese.“
„Danke, ich gehe und mache schnell ein Rhabarberchuechli. Gehen Sie nur zuerst in den Lift. Sie müssen ja bis in den Sechzehnten.“
Das Chuechli wird auch der Tochter der Nachbarin schmecken, welche meinem Schwiegersohn Zettel mit Beschimpfungen an die Wohnungstür klebte.
Ja, Gottfriedli, was sagt das Buch der Bücher dazu? G-eben ist seliger denn Nehmen? Nein, treffender mit Salomo unter W:

Wenn dein Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.

Es gibt auch Hitzeunempfindliche, damit muss gerechnet werden.

Darf man sich in Zeiten, wie diesen, mit Kleinigkeiten befassen? Ich tue es hier, weil auch Kleinstes dazu gehört, (wie die Flöhe und die Wanzen bei Goethe).
Vor einem Jahr berichtete ich von meiner Korrespondenz mit der Infoline des Orangen Riesen. Ich wollte, dass es die Konfitüren wieder in Nachfüllbeuteln zu kaufen gibt. Daraufhin teilte man mir mit, dass es nur noch Gläser gebe. Das Produkt in den Beuteln weise Qualitätsprobleme auf.
Seit einigen Tagen stehen beim Orangen Riesen wieder Nachfüllbeutel im Regal.

Natürlich werde ich immer noch die selbstgemachte Konfitüre kaufen, die mir am Weg angeboten wird, wie z.B. hier bei einer Waldhütte auf dem Langen Berg

Hausgemachtes 1

Inhalt:
7 Gl. div. Konfitüren, 1 Fl. Holundersirup,
2 P. Socken, 1 S. Kartoffeln, 1 S. Boskop,
4 Eier gekocht (Farbe braungrün)
6 Eier roh
1 Kasse

Hausgemachtes 2

Auf dem Blatt an der Wand steht:

Liebe Leute?
Bitte bringt die Harasse zurück
mit den Socken
Es wäre Lieb!
Es ist ja ein Hobby! Dank 031 809 XX XX

und ein vergnügen

Hier werden Diebe einfach vielviel netter angesprochen, als in der Stadt.

Er hatte für den Abend ein Auto organisiert, einen grünen VW Käfer, in diesem Land seltener anzutreffen als ein Rolls-Royce. Es war bereits dunkel, als wir hinunter fuhren nach Mishmar haEmek über Megiddo nach Afula und dann weiter Richtung Tiberias. Er blieb schweigsam. Auf einem Hügel hielt er an. Zu unseren Füssen zwinkerten die Lichter der Stadt, der Kinneret lag da wie eine schwarze Platte, unberührt und bereit zum menschlichen darauf Wandeln.
Dann stieg der volle rote Mond über den syrischen Hügelzügen auf, belebte das Wasser, erhellte den Himmel.
„Tsuki“, sagte mein Begleiter ergriffen.
Wir standen neben dem Käfer, schauten zum höher steigenden Mond und fuhren dann, schweigsam wie wir gekommen waren, zurück in die Hügel von Menashe.

Erste Ernte

Aus dem eigenen Winterbeet ein paar Schritte vor dem Block soeben geerntet.
Einziger Dünger: die Komposterde, die hinter dem Haus von den freiwilligen
Helferinnen und Helfern seit Jahren hergestellt wird.

In den 70er Jahren nervte ich mich total, …

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Als absolute Liebhaberin von Archiven werde ich heute von unserem Kartografen M.K. auf dasjenige der PTT aufmerksam gemacht.
Herzlichen Dank!

Hier eine Kostprobe:

Archivkönigin
Unter dieser Rubrik werden mehrmals pro Jahr einzelne Archivalien aus den Beständen des PTT-Archivs vorgestellt.

Pressemitteilung, 1918
Die Grippe (verlinkt von blogk)) hat zugeschlagen:
Im Jahre 1918 konnte der Telefondienst nicht mehr reibungslos erfolgen. Die Damen vom Amt waren krank und Gespräche über mehrere Zentralen konnten daher nicht mehr verbunden werden.
Man riet: mehr schreiben.

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Faden weiss

Wysse Fade mit Strickliseli, Stoffchride, Perle, Zickzackschäri

Rede ni öppe vo früecher, wiu i im Gägesatz zu „für hüt“, no besseri Wort meine zfinge?
Kompliziert- Item.
Das me im Fadechörbli muess Ornig ha, isch mir scho früech igimpft worde.
So, wie me gäng e früsche Naselumpe sött bisech ha
u ja nie us em Huus i dräckige Ungerhose.
In Wyss ha ni Sidefade, Elastigfade, Verwäbfade, Polyesterfade,
Bouelefade, Stärnlifade,
Cordonnette für d’Chnopflöcher, Fächtli für ds Wullige.
Nachhär gits ja no die vile Spüehli in de verschidene Farbe.
Bi re settige Vielfalt mues me eifach Ornig ha.
Im ene Chörbli oder Schublädli isches ja no eifach, Chnüpple z’vermide
u mi cha froh si, me me kes Gnusch im Hirni-Fadechörbli het.
Schön wärs, we me aus Kaputtnige chönnt ufrumme
wie nes Fadechörbli.
Hüt nime ni wider einisch d’Näimaschine füre. I näie weniger als früecher,
spare z’Flicke uf, bis es es Bigeli git.

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„Wüste wechselt mit Wüste, denn Wüste ist nicht gleich Wüste. Die zehn verschiedenen Wörter dafür haben einen Sinn, einen je eigenen. Derjenige vom Leer- und Freisein, von der -losigkeit ist der häufigste: weglos, pflanzenlos, schattenlos, etwaslos. Steine sind immer da, oder Sand, als Ebene oder als Berg. Und solange Berge da sind, kann sich das Auge erholen. Es stösst an Grenzen, an Barrieren, wechselnde, kann etwas hinter der nächsten Bergnase erwarten. Einen Baum vielleicht, eine Akazie, eine weitere Bergnase oder ein Wadi mit immensen aufragenden Felswänden, die langsam von der Zeit zerbrochen werden, an ihr zerbrechen. Vorläufig umfangen sie noch einen Einschnitt, auf dessen Grund eine kämpferische Flora existiert, die den Bedingungen ein karges Leben abringt. Dazwischen dünnes Vogelpiepsen und ein paar Esel, die da gemeinsam umherstreifen, um die Nähe eines Brunnens wissend.

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Aussaat in Toepfe

Sonnenblumen
Prunkwinden
Glockenreben
Topfwicken
Hosta
Astilbe
Frauenherz
Gartennelke

Das Apfelbäumchen habe ich schon letzten Frühling gepflanzt

Wörterchaos aus den Nachrichten:

Kein Grund zur Sorge, weder für Kärnten,
die Schweiz, noch für Deutschland
„Eine ungewöhnlich aussergewöhnliche Situation“, sagt Frau Merkel
Höchst unwahrscheinlich, dass wir 3000 km entfernt betroffen sind
Was ist mit den Partikeln, die in den Jetstream gelangen
Zehn Blöcke Kernschmelze
„Zeitfenster zur Hilfe für Verschüttete schmelzen“, sagt die NGO-Beauftragte für die EU-Länder
Statt Musikantenstadel Nachrichten
Journalist in Tokio meldet „Zehntausende kontaktabgebrochene Menschen“
Stoische Würde der Japaner
Reisewarnung von auswärtigen Ämtern
Vorläufig noch keine Tabletten einnehmen!

Auf dem Helvetiaplatz

„Es sind sicher die Libyer“, meint mein Kollege, als Rufe von Demonstrierenden
durch die Herrengasse zu unserem Fenster hinauf schallen.
Auf der Kirchenfeldbrücke reihe ich mich dann aber ein in einen Strom von Tibeterinnen und Tibetern.
„Aufstandstag“ sagt mir eine Frau, als ich sie nach dem Grund
dieser Zusammenkunft frage.

Fahne mit Kailash und Schneeloewen Recht auf Reise in den Tibet
Im Festtagsrock mit Falte Mantel mit tiefer Seitentasche

Etwas Rotes ist immer dabei und steht u.a. für Treue, Tapferkeit und Verbundenheit.

Tashi Deleh – Möge es dir wohlergehen

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Mutter mit der Tasche

Johanna Bertha Schenk mit der Tasche

Zum 100. Internationalen Frauentag die kaum je erwähnten Namen der
angeheirateten Frauen in der direkten Linie meines Vaters:

Barbara Gosteli, ? – ?, verheiratet am 6. Juli 1708
Maria Schärer-Sollberger, 7. Januar 1725 – ?
Maria Häfliger, ? – 3. April 1828
Anna Wahli, 29. April 1803 – 14. August 1869
Anna Elisabeth Rüfenacht, 3. Juli 1831 – 12. Februar 1902
Elise Pfeiffer, 21. Januar 1887 – 25. Oktober 1948
Johanna Schenk, 30. August 1922 – 10. Januar 2006

Gerade hats nicht gereicht für unsere Kandidatin in den Ständerat. Mehr als schade! Ob das Resultat mit den Stimmen der Auslandbernerinnen und -berner (denen nicht genug Zeit blieb, an der Stichwahl teilzunehmen) ein anderes gewesen wäre, bezweifle ich, denn die Bernischen im Ausland sind meist vom Land. Solche knappen Wahlausgänge stimmen mich immer trist.
Erfreuliches ist aus der jungen Generation unserer Familie zu melden:
Das Dessert-Kochbuch von „unserem“ Pâtissier wurde zum weltbesten des Jahres 2010 gekürt.
Herr und Frau Pâtissier, meine herzlichsten Glückwünsche!

Hier ein kurzer Blick ins Atelier

Frau Moser überlässt das Frühlingserwachen dem Lieben Gott. Er ist’s, der die verschrumpelten Blätter der Schlüsselblumen aufrichtet, die leuchtend roten Rhabarberknöpfe und die Knospen des Feuerbusches treiben lässt. Weil’s im Garten vorerst nur zu güggelen gibt, greift Frau Moser, entgegen den ärztlichen Vorschriften, zu den Stricknadeln und lismet ihre Söhne und deren Söhne ein.
Die schrägen Holztüren über den Treppen der Kellerläden in der Altstadt sind wieder geöffnet. Gerade erfasst ein kühler Wind eine Reihe grossblumiger Hemden auf Bügeln, und der alte Magnum braust mit offenem Verdeck über die Vollkornbrücke. Am Theaterplatz werden die Abflussrohre gereinigt. Die Gärtnerin an der Ecke stellt eingetopfte Riesenprimeln, deren Stängel silikongespritzt aussehen, auf eine Bank.
Zwei Tauben streiten sich heftig um ein …

futterneid

…Buttergipfeli.

Solche Zänkereien werden bald der Vergangenheit angehören, denn seit kurzem haben die Berner Tauben eine Taubenmutter, welche diesem Federvieh ein bisschen Anstand beibringen wird, schon wegen den Touristen. Der Ustig hält auch im „Westside“ Einzug in der Person von Detlef D! Soost samt seiner Missen-Entourage – geht’s euch allen gut, coole Sache.
Nun sollten Sie auch die Blutreinigungskuren starten. Mein Vater schwörte auf einen Sud aus frischen Tannensprossen. Es funktioniere aber auch mit Schafgarbe, Brennessel oder Spitzwegerich. Mir wurde der Tee aus Olivenblättern empfohlen, stärke u.a. das Immunsystem und beuge Virenerkrankungen und Pilzbefall vor. Olivenblätter habe ich in den umliegenden Drogerien und Apotheken noch keine gefunden.
Um bei all diesem Erwachen, Auftauen, Spriessen und neu Anfangen nicht allzu unnütz in der Gegend herum zu stehen, beschliesse ich, selber ein Tee zu werden. Wer will, kann bei mir so nach Herzenslust den Kropf leeren, auspacken, ausspucken, was sich in harten Wintern an Ballast angesetzt hat. Scheuen Sie sich nicht, persönlich zu werden! Ich garantiere ein offenes Ohr und Reinigung pur. Schafgarbe, Nessel und Spitzwegerich können Sie für dieses Jahr vergessen.

Blogk rechnet jetzt laufend das Alter der Blogk-Bewohnerinnen und -Bewohner. Ein weiterer Hinweis darauf, dass wir den Tag pflücken sollten. Thank you, 2nd, male.

februar
gaukelfrühlinge narren
schneefall stellt richtig
wir flicken rissige wörter so können sie lange noch halten
(lang genug für uns)

aus: Der Traum, geboren zu sein von Kurt Marti

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