Elf Jahre sind es her, seit mein Quartier sich vom 14er-Bus verabschiedet hat, um das Tram zu begrüssen. Unsägliches Gedränge über fünfzehn Haltestellen zwischen Hauptbahnhof und der Endstation fand somit ein Ende.

Allerdings verschwanden damit auch die Bus-Geschichten, die mir stets Sprungfeder in den neuen Tag und den Feierabend gewesen waren. Einige davon habe ich hier in blogk aufgeschrieben, wie z.B. diese:

Maskiert, mit Abstand und beschlagenen Brillengläsern sitze ich heute im gut besetzten Tram. Zehn Haltestellen lang höre ich kein Wort. Endlich, Richtung Hirschengraben, vom Sitz hinter mir die Mutter zu ihrem erwachsenen Sohn:

„Du muesch d’Orangsche de o ässe, nid nume aluege – u d’Bire o, u d’Banane o.“

Was für eine Geschichte! Zum Desser gibt es abends bei mir am Familientisch Fruchtsalat mit Orangsche, Banane, Öpfel – u o Bire.

Oben brennnt das gelbe Mutterauge.
Überall liegt Nacht wie blaues Tuch.
Fraglos ist, dass ich jetzt Atem sauge.
Ich bin nur ein kleines Bilderbuch.

Häuser fangen Träume bunter Schläfer
Wie in Netzen in den Fenstern auf.
Autos kriechen wie Marienkäfer
Leuchtende Strassen hinauf.

Alfred Lichtenstein in "Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst - Gedichte aus fünf Jahrhunderten ...", Goya, 2021, ISBN 978-3-8337-3135-8
Foto: Die Jungkrähen auf dem Nachhauseweg durchs Quartier, 19. November 2021

… het ds Müüsli gseit, wos ids Meer bislet het.

Nachdem ich Ende Februar 2020 ein ÖV-Jahresabo für Fr. 600.- gekauft und es dann „wegen der Situation“ nur für 2 Kurzstreckenfahrten à Fr. 2.- benutzt hatte, entschloss ich mich, 2021 eine App für elektronische Einzeltickets einzurichten. Fairtiq hat für mich Buch geführt:

Du hast dieses Jahr 40 Fahrten gemacht und 153,28 km zurückgelegt. Im Vergleich zum Auto hast du dabei 24,39 kg CO2 eingespart. Ein Baum würde 1 Jahr und 1 Monat brauchen, um diese Menge an CO2 zu absorbieren!

Mit meiner eingesparten Menge Kohlendioxid könnten Mann und Frau 4’975,6 Geburtstagsballons füllen – sagen die Fachspinnen im Netz.

Endlich bin ich durch mit den gestapelten Tageszeitungen. Eben kam der durchgelesene 13. Dezember 2021 in die Altpapiersammlung. Über Ereignisse zu lesen, deren Ausgang schon bekannt sind, stresst viel weniger als umgekehrt.

Silvester- und Neujahrstag möchte ich am liebsten verschlafen. Nichts ist mir feiertagsmässig mehr zuwider, als die Jahresenden mit Hütchen und Clownnasen aus Tischbomben, ohrenbetäubendem Geballere, qualmendem Feuerwerk, unterlegt mit katholischem und protestantischem Glockengeläute.

Kleines Mädchen hat mein Hütchen übernommen.
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So gegen 21 Uhr sind wir fertig mit Schmücken. „Die Tanne sieht auch von unten schön aus,“ stellt meine Tochter kniend fest und giesst Wasser in den Baumhalter. Schon gestern beim „Entfalten“ eilte eine kleine Spinne aus dem Geäst. Wir trugen sie auf den kalten Balkon. Wieder beinelt ein weiteres Tierchen eilig unters Sofa. Ist es etwa die Ausgesetzte, die den Weg in die Wärme wiederfand? Ich bin dafür, dass sie bleibt, was meiner Helferin gar nicht gefällt. Ich erzähle von der Legende mit der Kreuzspinne, die ich als Kind in der Schule gehört habe. Wie Maria mit dem Kind sich in der Höhle verbarg, die Spinne ein Netz über den Eingang spannte und die Häscher vorüber ritten. Unsere Spinnenverfolgung wird aufgegeben. „Im Kosovo gibt es ein Sprichwort, das besagt, dass eine Spinne im Haus ein glückliches Haus ist“ erinnert sich meine Tochter. Natürlich kann ich es nicht unterlassen, mein nicht gerade spinnenliebendes Kind auf „Leben am seidenen Faden“ hinzuweisen, einem Film aus dem Jahr 1975. RIP, Horst Stern, im Hui krabbelten die Jahre vorbei.

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Wie hier angekündigt, ist dieser „Advendski“ ein UHU-Kalender: Ums Huus Ume, weil im vergangenen Jahr nur eingeschränkt gereist wurde. Eines der wenigen Fotos aus dem Ausland nehme ich für dieses Fenster. Meine Tochter war im November beruflich in Wien unterwegs, et voilà: die können dort nicht nur Fiaker sondern auch Taxi!

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Jahrelang erhitzte die Skulptur die Gemüter, selbst besonnene Berner*innen redeten sich in Rage über diese Verschleuderung von Steuergeldern. Ein Kunstwerk? Sicher nicht, meinten die Entrüsteten, als im November 1983 der Meret Oppenheim Brunnen eingeweiht wurde

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In unserem Quartier gibt es die 50 Jahre alte Tradition der Weihnachtslaternen. Kinder jeden Alters basteln mit Transparentpapier ein Leuchtbild. Dieses wird dann ein Teil einer grossen Laterne. Die Mütter dürfen beim Anblick dieser Leuchten endlich die Geburtsschmerzen Mühe mit zerrissenen, zerknitterten, leimverklebten Bastelbogen, falsch gechnittenen Übergängen und Rahmen, Pflastern auf Kinderfingerchen, bunten, verkleisterten Schnipseln auf Tisch, Stuhl und Kleidern vergessen und die Künstler*innen küssen. Das habt ihr wieder wunderschön gemacht!

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Zum Glück kann der grosse Cousin Weihnachtsgüezli backen und nebenher auch noch bei den English tenses helfen. Danke!

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Diesen zauberhaften Blockfamilien-Weihnachtsgruss hat Grosses Mädchen (3rd, female) von ihrem Klassenlehrer S.J. Hiltbrand erhalten. Danke! 18.12.2021

„Gute Arbeit, gutes Material“, stellt der Schuhmacher Davide fest, als ich ihm die Reisetasche zur Reparatur bringe. Er werde eine passende Schnalle für die Seitentasche auftreiben müssen. Ich erzähle ihm, dass ich die Tasche 1979 in Kabul auf dem Basar gekauft habe, sie mir jahrelang gute Dienste geleistet hat und es mir wichtig ist, sie wieder in Gebrauch zu nehmen: „Wer weiss, vielleicht ist der Sattler ja schon lange tot.“ Nach zwei Tagen kann ich die Tasche wieder abholen – mit passender Schnalle.

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Ausladend, mit dicken, grünen Nadeln lehnt er an einer Holzbeige. Auf den unteren Ästen glitzern Eisbrocken. Vor wenigen Stunden stand die Tanne noch in der fünf Kilometer entfernten Baumschule des Försters. Der Hausmeister und ich sind gleich von ihr angetan. Sie hat einen Doppelstamm, aber nur eine Spitze. Mit der Motorsäge schneidet die Mitarbeiterin uns den Stamm passend für den Baumhalter zu und bohrt ein Loch in die Mitte. So wird er einen sicheren Stand haben. Weitere Vermummte suchen sich Weihnachtsbäume, Mistelzweige, und Deckäste aus. Wie immer zu dieser Zeit ist hier ein ruhiger, nach Holz duftender, beinahe feierlicher Ort.

Seit mindestens 13 Jahren kaufen wir den Baum im Forsthaus. Es kann sein, dass der Familie, welche den Holz- und Christbaumhandel seit langen Jahren betreibt, der Pachtvertrag gekündigt wird. Die Besitzer planen hier mit einer schweizweiten Detailhandelskette „den Gewinn zu maximieren“.

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Über meinem Balkon segelt das Rotmilanpärchen, zieht einen Moment lang elegant seine Kreise. Jedes Federchen des Gefieders ist zu sehen, und schon steigen die beiden Vögel spielend in die Höhe – zwei Punkte im fahlen Dezemberhimmel.

Dieser Husch-Besuch hat mich überrascht und gefreut, wähnte ich die „Gabelweihen“ den Winter über doch im Süden – Spanien oder Frankreich. Aber anscheinend müssen Zugvögel nicht zwingend „ziehen“, wenn das Nahrungsangebot und das Klima stimmen. Dieses Jahr bleiben die Berner Rotmilane zu Hause an der Aare. Jagen sie an der Fischtreppe oder tun sie sich gütlich an den überfahrenen Tieren entlang der Autobahn?

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Einen zu stricken geht ja noch, aber den 2. Passenden dazu, wird schon schwieriger, besonders, wenn das Zopfmuster gegengleich heraus kommen soll.

Wie mit dem Züpfebacken, hier schon mehrmals erwähnt, geht’s mir mit dem Stricken: Ich habe es jahrelang kaum mehr gemacht. In der „gegenwärtigen Situation“ besinne mensch sich auf Handarbeit jeglicher Art. Anscheinend werden wieder Töpferscheiben und Bülacher Flaschen aus dem Keller gewuchtet und in verlassenen Kinderzimmern Webstühle zusammengebaut.

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Finde die Kids im Bild, schreibt mir meine Nichte Susanne aus dem tiefverschneiten Oberlangenegg. Gefunden;-)

Sonne, Adler und Hoffnung nahmen die auswärtigen Schulkinder für wenig Geld zum Mittagessen auf. Zusammen mit meinen Schulkolleginnen Vreni, Annerös und Annemarie setzte ich mich in der Hoffnung an „unseren“ Holztisch. Die Wirtin schaute darauf, dass wir einen ruhigen Platz bekamen abseits der Brissago rauchenden Viehhändler, Lastwagenfahrer und Handwerker. Vorab gab es eine Suppe, meist aus den Resten des Vortages oder einen Salat. Dann brachte die Serviertochter die Teller mit dem Tagesmenue. Alles schmeckte mir immer wunderbar: der Kartoffelstock mit der Bratwurst, das Sauerkraut mit Salzkartoffeln und Speck oder die Hörnli mit Gehacktem. Ich glaube, ein Essen kostete einen Franken siebzig Rappen. Das Wasser war gratis. Ab und zu gab’s gratis auch ein Stück Apfelkuchen oder ein Schälchen Creme. Der Schulweg war lang und im Winter bei tiefem Schnee oft eine richtige Herausforderung, aber da war die Aussicht auf ein warmes Mittagessen in der Hoffnung!

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Wie leben die Einheimischen, wenn die Tausende von Sommergästen abgezogen sind? Dieser Film hat mir sehr gefallen, besonders auch deshalb, weil er in LGM gedreht wurde. Eine Wohnung in der Grossen Pyramide bleibt mein Traum.

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Als vorgestern um 05:33 Uhr die Women of Soul in unsere Stuben tanzten und uns in den noch dunklen, nassen, mit neuen Corona-Massnahmen und -Regeln befrachteten Tag rockten, war für einen Moment die Welt in Ordnung. Die grosse, 2nd, female, hatte die Musik für ihre jüngere Schwester zum Geburtstag ausgewählt und im Familienchat verschickt.

Zwar bin ich hintendrein wie die älteste der alten Fasnächte, aber hier muss es auch noch gesagt sein: Tina Turner ist seit einer Woche Eherendoktorin der Universität Bern! Die Philosophisch-historische Fakultät ehrt die seit über 20 Jahren in der Schweiz lebende Hit-Sängerin für ihr einzigartiges musikalisch-künstlerisches Lebenswerk, wie es in der Begründung zur Vergabe heisst. „Die Situation“ liess leider keine Feier zu.

184 Mal wurde diese Auszeichnung der Universität Bern bereits vergeben. Mit Tina Turner erhöhte sich der Frauenanteil auf 9% – säget nüt, langsam wird’s besser!

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Herzliche Glückwünsche, liebe Tochter!

Das heutige Adventsfenster ist dir und dem ausklingenden Jubiläumsjahr des Frauenstimm- und Wahlrechts gewidmet. Im vergangenen August schickte mir unsere gemeinsame Freundin Cossette ihren hörenswerten Podcast. Hier ein Stück Schweizer Geschichte:

Podcast mit Cossette Espinoza u.a.

Bei der „Verpackung“ hat mich die WordPress-Fachfrau Eliane G. unterstützt, danke!

Barfuss stehe ich auf dem Balkon, geniesse den Blick in den verschneiten Wald und schaue den Schulkindern auf dem Pausenplatz beim Spielen zu. Endlich auch in der Stadt ein zauberhafter Wintertag.

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