Ein Nischenprodukt zu er-finden und damit bis übers Lebensende hinaus (für die geliebten Nachkommen) ausgesorgt zu haben, war schon immer mein Wunsch.
In allen möglichen Situationen des täglichen Lebens hielt ich Ausschau nach einer leeren Nische, die erfolgreich ausgefüllt werden könnte. Mein Wunder-Fränsler, den ich bereits auf den Rand einer Zeitung gezeichnet hatte, wurde leider von Finanzkräftigeren auf den Markt gebracht.
Auch die Entwicklung chicer Klammern, mit welchen Krücken und sonstige Stöcke senkrecht parkiert werden könnten, blieb nur als Gekritzel auf einer Busfahrkarte.
Das “Auskunftsbüro von A-Z und für jede Lebenslage”, betrieben zusammen mit meinen schlauen Familienmitgliedern, wurde bereits in der Planung vom Internet abgewürgt.

Vor gut fünfzig Jahren besuchte ich eine Freundin in Berlin. Das Spital, in welchem sie arbeitete, ein roter Backsteinbau im Stil der deutschen Renaissance, war von wildem Wein überwachsen. Abgesehen davon, dass ihr Gezwitscher die Patienten aufheitere, würden auch die Mücken von den Vögeln gefressen und im Winter schütze das kahle Gerippe der Äste die Mauern vor dem starken Wind, sagte man mir.
So etwas wollte ich in meinem Quartier auch machen. Nachdem ich mich durch einige Bücher gelesen hatte, versuchte ich die Hausverwaltung, den Gärtner, die Bewohner und Bewohnerinnen von Fassadenbegrünung zu überzeugen – leider nur mit äusserst mässigem Erfolg. Die grösste Angst: Die Betonmauern könnten zerstört werden. Der vermehrte “Vogellärm” in nächster Nähe würde den Leuten den Schlaf rauben, allerlei Spinnen und anderes Krabbelgetier würden sich in Vorhängen und Betten einnisten und im Herbst müssten mehr Blätter zusammengekehrt werden.
Irgendwie kam mein Geschäft nicht in Schwung.
Einmal fand ich dann einen abtrünnigen Gärtner, der stillschweigend einen wilden Wein und ein Geissblatt an den Fuss des 45 Meter hohen Kamins pflanzte.
Die Stauden wachsen (an einer intakten Mauer) jedes Jahr ein paar Meter.

(more…)

Osten

... die rot gestrichelte Linie ist die Mauer oder auch “Staatsgrenze” genannt. An der Kerbe (Spitze des Kugelschreibers) vorn in Hohenschönhausen Berliner Strasse, heute Konrad Wolf Strasse ist der Opa am 22.01. in einer Urnenbüchse beigesetzt worden. Urnenstelle 6-27.

Die Postkarte samt Todesanzeige schickte uns der Rentner Bernhard F. aus Westberlin. Sein Freund Robert, Opa genannt, wohnte in Ostberlin und hatte mit seinen über 80 Jahren eine Reiseerlaubnis in den Westen. Meine Töchter und ich lernten die beiden Männer 1984 bei einer Schifffahrt auf Spree und Landwehrkananl kennen. Sie wussten viel über die beiden Teile der Stadt zu berichten. Als wir wieder in der Schweiz waren, schickten sie neben Briefen und Postkarten manchmal auch ein Buch, ein Magazin, einen Zeitungsartikel oder eine Infobroschüre für westliche Touristen in Ostberlin. Ab und zu reiste auch ein Berner Schoggi- oder Lebkuchenbär nordwärts, sehr zur Freude von Opa Robert und Rentner Bernie.

Aus aktuellem Anlass habe ich heute in meinem Archiv gestöbert.
Hier ein paar Fotos aus den 1980er Jahren:

(more…)

Blue Moon

Zum zweiten Vollmond dieses Monats.

(Gsür, Südostflanke, 30-01-2018, 10:30)

Nachdem die Wichtigen der Welt in der vergangenen Woche Sonne, Schnee, feinstes Essen samt ausgeklügeltestem Flattieren “auf Augenhöhe” in den Schweizer Bergen genossen hatten, komme ich heute zu dem Schluss: so etwas oder wenigstens etwas Ähnliches will ich auch!
Heute schaue ich mal, was ich für eine Gemeinsame Zukunft in einer zerbrochenen Welt tun kann.

(more…)

Es “strubusset” – eben ein richtiges Strubussi-Wätter” heute früh, wie in den vergangenen Tagen. Jetzt ist es Friederike, die, wie ihre Vorgängerinnen Evi, Christine und Burglind wild um die Häuser braust und durch die Ritzen der neuen Fenster pfeift.
Am liebsten möchte man unter der warmen Bettdecke bleiben, aber irgendwie steht man dann doch in Mantel und wetterfesten Stiefeln bereit zum Einkaufen. Heute ist Familienznacht und Raclette garniert ist angesagt, mit Fruchtsalat zum Dessert.
In meiner Orangen-Riesen-Filiale ist es um diese Zeit noch ruhig. Schon bald stehe ich an der Kasse. Vorbei ist’s mit den Weihnachtswichteln , die aus der Leiserbox “beep” machen.
Aber die Orangen-Riesen-Kundinnen und Kunden dürfen übergangslos weiter sammelnspielengewinnen. Da steht auch schon das Glücksrad, unter welchem man die Kassenbons scannen und angeblich tolle Preise gewinnen kann. Das Rad dreht sich und bleibt – beinahe immer – auf einem leeren Feld stehen.
Nur gestern nicht, erzählt mir meine Lieblingsmitarbeiterin Serpil: “Ein Älplerbrot für 2.60 hat er gekauft, der Glückspilz, und dann 1’000 Franken gewonnen. Bin ich neidisch.”

Nun regnet es in Strömen und ich bin froh, dass mich mein Schwiegersohn im Auto heim fährt.

Im Infokasten vor den Liften hängt eine Anweisung, wie die BewohnerInnen ihre Rollläden und Storen bei stürmischem Wetter zu Hause behalten können. Friederike würde sie nur zu gerne gen Osten tragen.

Letzthin habe ich die Schachtel mit den Bürsten, Lappen und Cremen hervorgeholt, um den Kleinkrähen die Schuhe zu putzen. Gespannt sahen sie zu, wie ich den Schmutz weg bürstete, dann Wichse auftrug und die Stiefel anschliessend mit einer weichen Bürste und einem Lappen polierte. “So macht man das!”
“Ja”, meinen die Kinder, “so machen sie’s auch im Comic.”

Nach einer fast schlaflosen Nacht bin ich am nächsten Morgen allein in der Bäckerei. Ich schiebe eben ein Blech Riesen-Zuckerplätzchen in den Ofen, als laut klirrend an die Glasscheibe der Landentür geklopft wird. Ich werfe die Ofenhandschuhe auf die Arbeitsplatte, stelle die Zeitschaltuhr am Herd, wische mir die Hände an der Schürze ab und sehe auf meine Armbanduhr: 5.35 Uhr …

Das bin natürlich nicht ich, sondern Hope, welche die Familienbäckerei nach dem Tod ihrer Mutter in Gang zu halten versucht.

Hier handelt es sich wieder einmal um einen hängen gebliebenen WMDEDGT?-Beitrag.
(Weitere pünktlich erschienene WMDEDGT-Beiträge auf der Website der In­i­ti­an­tin dieser Rubrik!)

So viel Kleinkram will nach den Festtagen erledigt werden!
Kleinstmädchen stülpt sich eine Plüschratte über das Fäustchen. Das Tier hat vier Nagezähne aus Filz, aber trotzdem sehen sie wie “der Zahn der Zeit” aus, der unermüdlich am neuen Jahr nagt.

Baum Pinie II
Kaum hat sich der Sturm etwas beruhigt, fahren Männer mit Fräsen, Sägen und Laubbläsern auf. An Ausschlafen ist nicht zu denken. Ich besprühe die jungen Piniensprösslinge mit lauwarmem Wasser. Vor drei Wochen steckte ich die steinharten Samen in die Erde. So winzig sie noch sind, duften sie doch schon nach Sommer und Süden.

Abbrotzen Abfall
Um den Stamm des Christbaums werden sich im Sommer Bohnen ranken. Der Schmuck kommt zurück ins Seidenpapier. Abfall wird getrennt entsorgt, schöne Geschenkpapiere und -bändchen aufbewahrt.

Hartbrot Ochs
Brotreste schneide ich in Würfel und trockne sie im Backofen zu weiterer Verwertung. OchsEselundSchaf mit Heiliger Familie kommen in Grossvaters Trögli.

Waschen With joy
Servietten, Tisch- und Handtücher ab in die Trommel. Niemand aus der Blogk-Familie mochte mir einen neuen Putzeimer zu Weihnachten schenken. Als Präsent zum Fest sei das wirklich nichts. So etwas könne man gleich besorgen: Roundflat, Clever Spin, Leifheit??
Der sogenannte Einfacheimer tut’s auch, besonders, wenn noch “Clean with Joy” draufsteht.

(more…)

Kugel 3

Der Mann im Mond hängt bunte Träume,
Die seine Mondfrau spinnt aus Licht,
Allnächtlich in die Abendbäume,
Mit einem Lächeln im Gesicht.

(more…)

... sei 2017, schreibt meine Schwester. Als Letzter stürmt der Dezember durch den Kalender und verabschiedet sich mit bunten Lichtergarben …

Neujahr

... und ohrenbetäubendem Lärm.
Ein paar dumme Buben setzen gegen Mitternacht den Gartenhag der Block-Parterrewohnung in Brand. Feuerwehr und Polizei haben’s nicht weit, trotzdem entkommen die Brandstifter.
In der Regel bügle ich vom 31. auf den 1. einen Berg Wäsche, ich Silvestermuffel.

Ein gutes und erfreuliches neues Jahr!
Une excellente et réjouissante année!
! שנה חדשה שמחה

Als in der zweiten Dezemberwoche der Stern auf dem Block-Dach erlosch, bekam der Hausmeister gleich einen Anruf von einem aufmerksamen Mieter. Tatsächlich, am 15 Meter langen Schlauch blinzelten nur noch drei Lichter. Dezember ohne Bethlehem-Stern, das geht gar nicht!
Der Hausmeister unterbrach eiligst seine vorweihnächtlichen Putzarbeiten – Reinigen und Glänzen der Liftvorplätze – grummelte noch etwas über “Von-wegen-fünf-Jahre-Garantie” und behob den Schaden.
Wir in Bethlehem fühlen uns einfach zuständig fürs Licht in der “Helige Zyt”.

(more…)

Lustiger Geselle

Die Weihnachtsguezli kann ich “gsorget” geben. Die backen die Spezialisten in unserer Familie. Da der Dezember berufsbedingt für Blogks ein hektischer Monat ist, lade ich an den Adventssonntagen zu Zvieri mit Kerzenlicht und Geschichte ein. Nach einem nicht besonders gut geratenen Versuch vor drei Jahren mache ich mich deshalb wieder einmal an einen Zopfteig. Begeistertes Kneten, Werfen, Drücken und Boxen durch die Kleinkrähen ergibt einen optimalen Teig.

(more…)

Mit Bleistift

Heute habe ich Bleistifte im Überfluss.
Das war nicht immer so. Bevor ich in die Schule kam, durfte ich ab und zu mit dem Zimmermannsbleistift meines Vaters etwas auf ein Stück Holz oder Packpapier zeichnen. Bunt- und Bleistifte sah ich am ersten Schultag, als uns Fräulein Schneider eine rote Caran d’Ache-Schachtel mit dem kostbaren Inhalt verteilte. (Ich erinnere mich nicht, dass eines der zahlreichen Nachbarskinder schon im Vorschulalter eine Farbschachtel besessen hätte.)
Die Freude daran währte allerdings nicht lange. Mein kleiner Bruder kaute die bunten Stifte von oben her alle ab. Mutter versuchte – wie immer – die Katastrophe in den Griff zu bekommen, schnitt mit einem scharfen Messer das zerbissene Stück weg. Zurück blieben mickrige Stumpen, die ich in ein Blechröhrchen als Verlängerung stecken musste, damit ich noch zeichnen konnte.

Täglich gibt es etwas zu notieren. Es ist einfach ein Vergnügen, mit einem sauber gespitzten Stift auf ein weisses Blatt zu schreiben – kreuz und quer, wenn’s sein muss. Was ich aufschreibe?

(more…)

Dezemberkind

(Foto: Driss Manchoube, Bern 1983)

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, liebe zweite Tochter, hier in selbstgestrickter (von mir), violetter Mütze und einem violetten, bestickten Zottelgeissledermantel aus dem Iran. Alles hat prima zusammengepasst, aber der penetrante Ziegengeruch des Mäntelchens war eine Plage. Ich versuchte es zu waschen, aber das war dann sein Ende. Das hübsche Stück landete stocksteif in einem Sammelsack.

(more…)

Hausberg mit Wolken

(Samstagmorgen aus meinem Fenster: Gurten und Ulmizberg unter Wolken, 09:26)

(more…)

Vor 44 Jahren

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Tochter, hier im Selbstgestrickten (vom Chäsi-Grosi) und mit herzigen Patschhändchen.
Zusammen mit anderen Müttern im Block unternahmen wir damals mit euch Kindern lauter gesunde und lehrreiche Sachen: backen, basteln, töpfern, klettern, bräteln, baden, malen, lesen, verkleiden, weben, zelten, im Wald spielen …
Wir Mütter wollten alle nur das Beste;-)
Im Jahr, als dieses Foto von dir gemacht wurde, gab es unter uns allerdings eine heftige Diskussion über Tomi Ungerers “Biest von Monsieur Racine”. Einige Mütter fanden gewisse Details in den Illustrationen richtig schädlich und bedenklich und sie baten mich, ihren Kindern dieses Buch nicht zu zeigen. Uhren und Schirme im den Köpfen von Akademie-Mitgliedern, der Federhalter in der Nase einer Dame, über welche die Tinte runter tropft, der blutige Fuss im Bündel am Stock eines Wanderers – ein Vorgeschmack dessen, was die heile Kinderwelt noch heftig erschüttern sollte?

Du liebst die Arbeiten von Ungerer bis heute, wanderst auf zwei Füssen über Berg und Tal, trägst deine schöne Uhr am Arm und weisst die Zeit einzuteilen. Aus deiner Feder fliesst Lesenswertes und hast du einmal keinen Schirm dabei, schlüpfst du unterm Regen durch.
Ein gesundes, schönes, freundliches, interessantes neues Lebensjahr!

Foto: Kurt Iseli, Bern 1973

katzenmusik

Dem Künstler nachträglich gute Gesundheit und viel Schönes zum neuen Lebensjahr!
Den LeserInnen wünsche ich viel Freude beim Üben von Weihnachtsliedern, mit oder ohne Katzenbegleitung.

Next Page »