Bischofskraut

Diese aparten Zahnstocher – wohlriechend und mit allerlei Heilkräften – hat mir mein grosser Enkel aus Marrakesh mitgebracht. Bis jetzt habe ich dem Bischofskraut (Ammi visnaga) kaum Beachtung geschenkt, vielleicht unterwegs einmal einen Stängel in einen Feldblumenstrauss eingefügt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem alten Ägypten und aus Marokko, wo sie Khella genannt wird. Auf welchem Weg sie wohl hieher gekommen ist?
In der Fremde erhielt sie die Namen Bischofskraut, Echter Ammel, Zahnstocherammel oder Zahnstocherknörpelmöhre.
Bis einmal eine Frau die filigrane Doldenblüte mit den dynamisch angeordneten Döldchen genau anschaute und sagte: “Ich nenne dich St. Galler Spitze!”

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Restfamilienfoto

Mit meinen Töchtern, 1983 (Foto: R. Fuhrer)

Nein, ich bin nicht am Traumfängerbasteln, ziehe mir keine Schminktipps rein oder lasse mich mit süssen Leckereien und Cüpli verwöhnen.
Sitze ich auf einer Riesenente oder gibt es diese “Nacht der Frauen” in der Grossbuchhandlung tatsächlich?
Ich will es nicht glauben und werde gleich morgen in die Stadt fahren zum Nachfragen.

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Bis vor kurzem dachte ich, Cholera sei ausschliesslich eine schwere Infektionskrankheit.
Aber nein, es kann sich dabei auch um eine feine Spezialiatät aus dem Oberwallis handeln.
Weil Grosser Bub einen Vortrag über den Kanton Wallis vorbereitet und auch gerne kocht, backen wir beide für den Familientisch am Donnerstag eine Cholera – nicht schwierig, sieht aber prächtig aus und schmeckt an einem kühlen Febraurabend besonders lecker.

Lauch

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... noch ohne Bild.

Sehr gerne leite ich alle LeserInnen weiter zu dem amüsanten Februar-Vollmondbeitrag nach hier

Nachdem ich mit diversen Tastenkombinationen gestern früh versuchte, meinen Computer zum Leben zu erwecken, mir dabei mit gedrückt halten, ausschalten, Kabel aus- und wieder einstecken die Finger verrenkt hatte, sandte ich meinem Gewährsmann für solche Probleme einen Notruf. Aus dem Elsass, wo er in den Ferien weilte, rief er mich gleich an, lotste mich erneut durch die Tastenkombinationen, nicht ohne mich auf das methusalemische Alter des Geräts von 10 Jahren hinzuweisen.
Bereits einige Stunden später klemmte sich der Fachmann die Maschine – samt Leuchtkäfer im Vollmond- unter den Arm, um sie in seiner Werkstatt zu obduzieren.

Illustration zum Vollmond nachgereicht:

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Das Samstagmorgenprogramm beginnt bei mir meist mit Abfall: Glas, Plastik, Alu, Papier, Kompost stehen zum Entsorgen bereit. Bei den Zeitungen dauert’s, denn dieses oder jenes muss noch schnell überflogen werden.
Hier:
In einem Berner Kirchgemeindehaus werden bei Umbauarbeiten drei Wandbilder entdeckt. Es sind frühe Werke von Franz Gertsch. Nicht alle freuen sich über diesen Fund. Einige möchten eine weisse Wand, um darauf Filme zu zeigen oder eigene Kunstwerke auszustellen. Also am besten wieder Gipsplatte drauf? Der Künstler selber will scheint’s mit allem, was er vor 1969 gemalt hat, nichts mehr zu tun haben.
Heute ist er eine international anerkannte Grösse und seine fotorealistischen Malereien hätten in keinem Berner Kirchgemeindehaus mehr Platz.

Nach dem Bündeln der Zeitungen nehme ich das Singbuch für die Oberstufe der Volksschule (Staatlicher Lehrmittelverlag Bern, 1964) zur Hand. Illustriert wurde es vom jungen Franz Gertsch. Darin sind auch die drei freigelegten Bilder zu finden.
Seit fünfzig Jahren begleitet mich das Buch, es wurde oft gezügelt und wird immer wieder durchgeblättert, besonders um die Weihnachtszeit. Meine Samstagsarbeit kommt ins Stocken, denn ich zähle die Lieder, die ich dem Inhaltsverzeichnis nach kenne. Es sind immerhin 104.

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Sauber

Erinnerungsbild eines Wintermorgens im Bethlehemacker, falls der Schnee in Zukunft ausbleiben sollte. (Foto: der Hausmeister, 09.01.2019)

Endlich habe ich etwas Positives aus dem Pensioniertendasein zu melden: bei Schnee bis in die Niederungen, Miusgraden im Flachland und Glatteisgefahr darf ich zu Hause bleiben, darf mir, wenn ich möchte, bei Kaffee und Ankenbock, Bilder von Lawinen durch Häuser und über unbeschwerte Nebenpistenfahrer anschauen, dazu Carambolagen im Schneegestöber auf Autobahnen, lahmgelegte Bahn- und Fluglinien, Stromausfälle, eingeschneite Pressierte, die auf den Heli warten …

(Danke für alle zaubermärchenhaften Fotos von sonnigen Pisten, gemütlichen Chalets, stillen Wanderwegen, fröhlichen Menschen in schönen, warmen Kleidern.)

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Tomi Ungerer

Er war eine sehr stolze, klassenbewusste Katze, die sich nie zu so niedrigen Aufgaben wie Jagen herabliess. Er hattte die edle Präsenz einer Pharaonenmumie, als wäre er soeben einer Hieroglyphe entstiegen.
Wir hätten zu seinem Gedenken eine Pyramide bauen sollen.

Tomi Ungerer über seine Birmakatze Heidsieck, in “Katzen”, Diogenes 1997, ISBN 3-257-02063-5.
Foto (1973) aus diesem Buch ohne Angabe des Urhebers/der Urheberin.

Ein kurzes Leben

“Doch – wie die Natur vergehend bleibt bestehen – so wird auch ihre Asche nicht vergehen.”

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Hathor 3

Bild und Text aus: Gallant, Marc: Das Kuh Buch, Sauerländer 1984, ISBN 3-7941-2521-5

3000 v. Ch. – 2000 v. Ch.
Sehr viel geht in dieser Periode vor sich, aber die Kühe denken vor allem über Hathor nach, eine elegante, gehörnte Kuhgöttin im Niltal. Bei Erwähnung ihres Namens fallen sie schier in Ohnmacht.
Hathor fing klein als lokale Göttin an, aber jetzt hat sie einen prominenten Platz im ägyptischen Pantheon inne. Sie ist Muttergöttin, Göttin der Liebe und Freude, und sie ist überdies Göttin der Musik und des Tanzes – beides von besonderer Bedeutung für die Kühe …

Nein, diese Jahresenden mit ersten Wochen im Neuen sind wahrlich nicht meine! Aufheiterung in festliche Hochnebeltage brachten viele liebe Gäste, die mich in meinem “Turm” besuchten.
Danke für die originellen und super für mich passende Geschenke. Sie erhellen und verbessern mir den Alltag!
Die Weihnachtsguezli waren wieder wunderbar, samt special Edition “Winnie” aus Kokos.

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... oder doch – nur bitzeli, weil blogk immer daran interessiert ist, was über das Leben in Berns Westen geschrieben wird.

Liebe Isa
ich gebe zu, mein Einstieg in die junge Zeitung, für die du schreibst, war nicht gerade erhebend. Dein Weihnachtsbeitrag über Bern-Bethlehem hätte mich nicht überzeugt, ein Abo zu kaufen. Aber ich erhielt eines zum Christfeste geschenkt, und jeden Tag gibt es ja Neues zu lesen.
Leider, leider kommst du bei mir in die Schublade der JournalistInnen, die ich als endlich ausgestorben hielt.

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Es war ein weicher, himmelblauer Morgen, und die Hitze drückte nicht auf die Trauergäste, denn ein angenehmer Westwind wehte und kühlte die Haut. Die Wipfel der Zypressen, die den Friedhof umgaben, zitterten leicht im Wind. Viele Sommerschmetterlinge flatterten durch die Luft und trugen den Duft der Obstplantagen und einen fernen Brandgeruch mit sich. Ungefähr fünfzig, sechzig Frauen und Männer aus dem Kibbuz hatten sich zur Beerdigung versammelt. Alle in Arbeitskleidung, weil die Beerdigung während der Arbeitszeit stattfand. Sie standen um das offene Grab und warteten.

Amos Oz “Unter Freunden”, Suhrkmp 2013, ISBN 978-3-518-42364-6

engelchor

(Krippenfiguren: Christine Schneider)

Durch strömenden Regen zum Einkaufen fahren. Unterwegs mit Kleinigkeiten Gutes tun. Zuhause dann Christbaum schmücken. Um 16 Uhr zur Kirche: Familiengottesdienst mit Hirtenspiel. Augenfreundlicher Songbeamer erspart Kirchengesangbuch.
Lieder immer noch sehr hoch angestimmt. Statt laut zu jauchzen freut sich Tochter Zion brummend. Auf dem Kirchenvorplatz alte Bekannte grüssen und denken: Jesses, wie alt wir alle geworden sind!
Zu Hause den Baum weiter schmücken bis fertig. Ein bisschne Sissi schauen, und dann zum Mitternachtsgottesdiens in die Pauluskirche fahren, wo ein Teil der Familie gregorianisch singt. Licht weitergeben und Kaschmirhalstuch vertropfen, wieder kräftig lobpreisen brummen, Kollekte wie beim vorgängigen Familiengottesdienst in Bethlehem für Indonesien Mission und abgewiesene AsylbewerberInnen bestimmt. Dann noch ein Glas Wein trinken in der Langen Gasse, erste Weihnachtsguezli probieren.
Daheim blogk-Beitrag fertig machen – zu spät.

Heute und morgen werden die meisten von ihnen aus den Netzen befreit – hoffentlich.

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Zum letzten Vollmond des Jahres 2018

Nuit bleue

Paul Klee – Nuit bleue, 1937.
Foto: artnet, abgerufen am 18.12.2018)

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