2021


Während Mönschlis (Ausdruck der Jungkrähen) in Flips mit umgehängten Badetüchern über den Campingplatz flopen, mühe ich mich ab mit meinem Juli-Vollmondbild. Wieder mal erhielt ich eine neue WordPress-Version, womit ich „alles“ machen könne – insha…. Die ganze Familie Blogk lag gestern auf der Lauer, um zwischen den Wolken einen Blick auf die nächtliche Lady zu erhaschen. Kurz fiel ihr Schein auf die Teiche, die Salzberge und die Arme der Kräne in der Saline, dann fuhren wieder Wolken vor. Bis spät tappten wir mit gezückten Handys durch die Nacht und wurden, trotz unzähliger Versuche, auch diesem Vollmond nicht gerecht. (Foto Linda: Luna über dem Luna Park, 23.07.2021

Wenn Frau statt Pfanne die Wasserflasche auf eine heisse Herdplatte stellt,
das Salz mit dem Kaffee verwechselt, den Rock falsch herum säumt, auf dem wohlbekannten Heimweg bei Tageslicht in ein Brombeergestrüpp stolpert und sich Arm und Bein zerkratzt …

… dann ist es höchste Zeit für Ferien.

Mir scheint, dass nicht nur Menschen, sondern auch Dinge Ruhe brauchen. Meine Armbanduhr z.B., ein absolut zuverlässiges Schweizer Qualitätsprodukt, ist in einen Schleichgang gefallen, während die Zeiger von Grossmutters Uhr im Wohnzimmer leise knackend und übereifrig zur nächsten Stunde eilen. Die Küchenuhr verweigert bei voller Batterie seit Tagen den Empfang eines Zeitsignals. Ein paar herunter gefallene Bilder müssen wieder aufgehängt werden und die Baumscheren haben beschlossen, zu schneiden, wie ein toter Hund beisst.

Bonnes vacances à tous!

Heute nur dies:
Meine Regenbogen-Arena um 19:12 Uhr:
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Nachts, im Mondschein lag auf einem Blatt ein kleines Ei. Und als an einem schönen Sonntagmorgen die Sonne aufging, hell und warm, da schlüpfte aus dem Ei – knack – eine kleine, hungrige Raupe.

… am Donnerstag frass sie sich durch vier Erdbeeren, aber satt war sie noch immer nicht. Und am Freitag frass sie sich durch fünf Orangen, und weil sie immer noch nicht satt war, verzehrte sie die 11 Knospen meines roten Margeritenstrauchs.
Carle, Eric 1929-2021: Die kleine Raupe Nimmersatt, Oldenburg : Stalling, 1969

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Mit dem Umweg über ein ebenerdig gelegenes Geschäft, das nach dem Umbau aussah wie eine Kreuzung zwischen Sennhütte und Kraal, werde ich heute späte Kundin eines Ladens, der sich ein paar Schritte von der Tramhaltestelle entfernt befindet. Auch hier ist renoviert worden. Weil meine Fachfrau noch einen italienischen Anruf entgegen nehmen muss, habe ich Zeit, mich umzusehen. Obwohl in den Räumen jetzt Brillen verkauft werden, kommen bei mir Kindheitserinnerungen auf, als man hier feinste Mercerie, Stoffe, Spitzen, elegante Handschuhe und Strümpfe angeboten bekam. Nicht nur die Knöpfe wurden in Paris eingekauft. Der Geschäftsinhaber und seine Frau besuchten auf ihren Reisen u.a. Braque und Picasso und legten den Grundstein zu einer eindrücklichen Kunstsammlung.
Meine Optikerin entschuldigt sich für die Verzögerung, denn abgemacht waren 45 Minuten Beratung. Ich beschrieb kurz meine Brillenwünsche und schon bald bekam ich 2 Platten mit Fassungen vorgelegt – jugendlich, modisch und in verschiedenen Farben. Wie hier schon mal geschrieben, wollte ich nichts Rotes und wähle dann eine von Carolina Herrera – in Rot.
In den nächsten zwei Stunden lasse ich mir auch eine schlichte Sonnenbrille mit sehr guten Gläsern anpassen. Inzwischen weiss ich schon einiges über das Leben meiner Optikerin. Noch zwei weitere Stunden und wir wären beste Freundinnen. Allerdings muss ich wegen Lieferschwierigkeiten noch auf die Brillen warten. Ein Frachtschiff namens „Ever Given“ sei aufgehalten worden und man habe noch nicht alle Container entladen und deren Waren aufdröseln können.

Es sei wieder mal Zeit für einen Familienausflug, meinten die Jungen im Mai. „Wie wär’s mit Ballenberg? Da gibt’s für Jede und Jeden etwas“, schlägt die Freundin meines Enkels vor. Am ersten Junisonntag sind wir dann tatsächlich im Berner Oberland – ich nicht besonders begeistert, aber keine Familienausflugsverderberin.
Bis jetzt hatte ich dieses Freilichtmuseum immer gemieden, aber schon bei der Führung durch den Kräutergarten „het’s mer dr Ermu ine gno“ – einfach zauberhaft, diese Kräuter und dazu die alten Rezepte und Geschichten.

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Im Westen grollt der Donner und einige flinke Blitzchen zucken über dem Jura. Meine Enkelin sitzt mit mir auf dem Balkon. Aus einer grossen Schüssel essen wir frischgepflückte Erdbeeren und schauen dem näher kommenden Gewitter zu. Solche gemütlichen Pausen sind momentan rar.
Der Juni ist wie Dezember im Sommer : jedes Dräckli wird in diesen Monat gepresst – alles, was einem fünf Monate lang zuwider war, sämtliches, was man schon laange einmal machen wollte, der ganze Krempel, der auf keinen Fall auf „nach den Sommerferien“ verschoben werden kann. Die Jungkrähen schnüren feste Schuhe, packen Rucksäcke und Fahrradhelme, kurven im Postauto (das auf einsamem Strässchen von einem Einheimischen-Fahrzeug gerammt wird) in Bergdörfer, übernachten in Alphütten ohne WLAN, wandern stundenlang um fribourgische „Dents“ und rasen dann auf Trottis hinunter in ihre Zivilisation.

Endlich mache ich einen Termin bei der Optikerin – online, weil „Warten war gestern“. In meiner Kindheit als „Brüllegügger“ fuhr ich mit Grossmutter zu Dr. Della Casa, welcher der einzige Optiker in der näheren und weiteren Umgebung war. Später folgte ich den begeisterten Empfehlungen eines Freundes und liess mir eine Brille mit Horn/Seide-Fassung anfertigen. Schon nach kurzer Zeit gefiel mir diese teure Brille aus pakistanischem Büffelhorn nicht mehr. Als Frau Vögeli ihr neues Geschäft in der Schweizerhof-Passage eröffnete, brachte sie mir aus Amerika eine lässige Halbbrille mit getigerter Fassung mit. Gerne wäre ich Kundin in diesem Laden geblieben, hätte es darin nicht eine schmale, steile Wendeltreppe gegeben. Im nächsten Geschäft waren es die Armsessel, welche einem beim Aufstehen am Hintern hängen blieben wie ein Melkstuhl – peinlich!
(Fortsetzung oben)

Noch ein bisschen gross, aber gut ausbalanciert (gemalt von Kleinesmädchen, 2nd3rd, female)

Heute bin ich gegen 6 Uhr aufgestanden, habe das Gemüse und die Kräuter auf dem Balkon gegossen und das Mittagessen zum Mitnehmen für die beiden Schulkinder vorbereitet. Dabei überlegte ich mir, was sich für uns Frauen seit dem letzten Frauenstreik 2019 verbessert hat. Über die mehr als 100 Milliarden Franken, welche Frauen pro Jahr weniger verdienen, wollte ich nicht schreiben, auch nichts von diesem lächerlichen Drittel Rente, welcher den Frauen vorenthalten wird. Ich suchte nach etwas Positivem. Ah, hier: Die Zahl der weiblichen CEOs ist von 3 auf 5 gestiegen.
(Diese Führungsfrauen meistern mit Bravour u.a. auch die unzähligen, heiligen Papi-Tage. Sie verschieben wichtige Temine, bei welchen die Papis anwesend sein sollten und suchen an Nach-Papi-Tagen Stellvertreter*innen, damit sich die Papis erholen können. Meine Töchter kommen wegen Papi-Tagen oft sehr spät von der Arbeit nach Hause.)
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Maulwurf und Bisamratte wollen ihr ganzes Leben an ihrem Fluss verbringen, während Krott, nachdem sich einige Unternehmen als zu anstrengend heraus gestellt hatten, sich immer wieder nach neuen Abenteuern umsieht. Nun will er mit Pferd und Wagen „das staubige Band der Landstrasse“ erleben. Aus Sorge um den sich ständig selbst überschätzenden Krott kommen Ratz und Maulwurf mit auf die Reise.

Während der Krott grosse Reden über ihre Pläne für die kommenden Tage schwang, leuchteten die Sterne immer heller und kräftiger, und schliesslich erschien aus dem Nirgendwo ein grosser, gelber Mond am Himmel, der ihnen Gesellschaft leistete und ihrer Unterhaltung zuhörte.

Nachts im Bett haben Maulwurf und Bisamratte Heimweh nach dem Fluss und fragen sich, ob sie in aller Frühe heimlich fortlaufen sollten.

„Nein, zuerst müssen wir das hier zu Ende bringen“, flüsterte der Ratz. „Wir müssen jetzt beim Krott bleiben, denn allein ist diese Reise viel zu gefährlich für ihn. Lange kann es ja nicht dauern, das haben seine Marotten noch nie getan.“

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… Bewölkungsverdichtung. Gelegentlich Regen. Schnee ab 1400 bis 1600 Meter.

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Foto: Susanne H., meine Nichte

Der Mond ist aufgegangen.
Ich, zwischen Hoff- und Hangen,
rühr an den Himmel nicht.
Was Jagen oder Yoga?
Ich zieh die Tintentoga
des Abends vor mein Angesicht.
Peter Rühmkorfs Variation auf ‹Abendlied› von Matthias Claudius, 1962
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